Musik

"Lasst euch nicht kontrollieren" Within Temptation gehen in Angriffsmodus

Within Temptation 2018 - CMS Source.jpg

Seit über 20 Jahren am Start: Within Temptation.

(Foto: Universal Music)

Spätestens seit der Veröffentlichung ihrer Über-Single "Ice Queen" im Jahr 2002 gehören die Damen und Herren von Within Temptation zu den Speerspitzen der internationalen Symphonic-Metal-Branche. Satte fünf Jahre nach ihrem letzten Opulenz-Meisterwerk melden sich die Niederländer nun mit einem neuen Studioalbum zurück.

Auf "Resist", so der Titel des siebten Longplayers, bauen Within Temptation abermals eine stabile Brücke zwischen energiegeladenem Bombast und harmonischem Liebreiz. Im Interview mit n-tv.de spricht Gründungsmitglied, Sänger und Gitarrist Robert Westerholt über schwere Zeiten, Kontrollfreaks und das Leben zwischen Kinderzimmer und Bühne.

n-tv.de: Robert, ihr habt keine einfache Zeit hinter euch. Nach "Hydra" fühltet ihr euch leer und kreativ ausgelaugt. Manch einer sah schon das Ende der Band kommen. Gab es wirklich Momente, in denen die Zukunft der Gruppe auf des Messers Schneide stand?

*Datenschutz

Robert Westerholt: Die gab es definitiv. Nach der letzten Tour waren unsere Akkus komplett leer. Es fehlte uns an Inspiration. Wenn man mit so einem Zustand konfrontiert wird, dann macht man sich als Künstler zwangsläufig seine Gedanken. Hinzu kam, dass wir mit persönlichen Schicksalsschlägen zu kämpfen hatten. Sharon verlor während dieser Zeit ihren Vater, was uns alle in der Band sehr mitgenommen hat.

Sharon hat sich dann erstmal mit ihrem Soloprojekt "My Indigo" beschäftigt. War das auch nochmal eine Phase, in der ihr nicht genau wusstet, ob und wie es mit Within Temptation weitergeht?

Rückblickend sind wir alle sehr dankbar für diese Zeit. Die Band-Räder standen zwar still. Aber gleichzeitig fand Sharon wieder zurück ins künstlerische Leben. Das war für uns als Band überlebenswichtig. Danach brannte in uns allen ein neues Feuer. Wir waren wieder richtig hungrig und heiß auf ein neues Band-Kapitel.

Dieses Kapitel klingt einerseits härter als alles, was man bisher von euch zu hören bekam. Auf der anderen Seite überrascht "Resist" aber auch mit vielen poppigen Momenten. War das so geplant?

Ja, genau das war unsere Marschrichtung. Wir wollten ein Metal-Album fürs Radio produzieren.

Weil?

imago56089303h.jpg

Sängerin Sharon den Adel und Gitarrist Robert Westerholt - auch privat sind die beiden liiert.

(Foto: imago stock&people)

Weil wir der Meinung sind, dass es der Popwelt dieser Tage an Rebellion fehlt. Wir haben uns während des Songwriting-Prozesses eingehend mit moderner Musik befasst - Musik, die im Radio läuft und da draußen Millionen Menschen begeistert. Unserer Meinung nach gibt es in dieser Soundwelt aber viel zu wenig Ecken und Kanten. Wir haben uns hingesetzt und versucht, genau da anzusetzen. "Resist" ist also quasi ein Pop-Album ohne Popmusik, wenn man das so sagen kann. (lacht)

Ihr setzt nicht nur in puncto Sound, sondern auch inhaltlich alles auf die Angriffskarte. "Bekämpft" werden vor allem Organisationen und Institutionen, die für digitalen Fortschritt stehen. Welche Ängste und Sorgen stecken dahinter?

Die Entwicklung zeigt einfach, dass aus der anfänglichen, puren Unterhaltung mehr und mehr Kontrolle wird. All diese großen Entertainment-Riesen wie Netflix, Spotify und Co … Ich meine, das war zu Beginn alles noch total cool und aufregend. Musik, Filme, Serien: Es gab auf einmal alles im Überfluss. Bei den sozialen Netzwerken verhält es sich genauso. Mittlerweile erkennen aber immer mehr Leute die Schattenseiten des digitalen Booms. Die Leute merken, dass sie überwacht und kontrolliert werden. Egal, wo man was online stellt, man wird sofort in eine digitale Schublade gepackt. Nichts bleibt mehr in den eigenen vier Wänden. Unsere Botschaft lautet: Lasst euch nicht kontrollieren!

Den Kampf gegen die globalen Kontrollorgane führt ihr nicht alleine. Ihr habt für das neue Album einige interessante Gäste ins Studio geholt. Neben dem flämischen Sänger Jasper Steverlinck habt ihr auch noch Jacoby Shaddix von Papa Roach und Anders Fridén von In Flames mit an Bord. Wer hat da bei wem angeklopft?

*Datenschutz

Das haben wir selbst in die Hand genommen. Jasper beispielsweise war sofort Feuer und Flamme. Aber auch Jacoby und Anders mussten wir nicht groß überreden. Die beiden kannten wir vorher nur flüchtig. Aber als die jeweiligen Songs im Kasten waren, wussten wir sofort, dass die Stimmen der beiden super passen würden. Wir sind mit dem Ergebnis total happy.

Ihr seid jetzt schon seit mehr als 20 Jahren am Start. Gab es einen besonderen Moment, in dem dir klar wurde, dass das Ganze mal richtig abgehen könnte?

Mir ging es eigentlich nie um eine professionelle Karriere. Ich hatte immer Angst davor, meine Seele zu verkaufen. Wahrscheinlich habe ich mich auch deswegen eher mit obskuren Klängen beschäftigt. (lacht) Irgendwann ließ sich der Prozess aber nicht mehr aufhalten. In Holland spielte man uns plötzlich im Radio und die Konzerte wurden immer größer. Da wurde mir dann irgendwann klar: So wird das nichts mehr mit einer Rückkehr in den normalen Job. (lacht)

Sharon und du, ihr beide seid verheiratet und habt drei Kinder zu Hause. Wie lässt sich das normale Familienleben mit dem eines tourenden Musikers vereinbaren?

ANZEIGE
Resist
EUR 14,99
*Datenschutz

Das war in der Tat nicht immer einfach für uns. Wir sind in den vergangenen Jahren auch durch einige schwere Zeiten gegangen. Man muss einfach lernen, mit der Situation so umzugehen, dass am Ende des Tages alle glücklich und zufrieden sind. In unserem Fall haben wir uns irgendwann dazu entschieden, dass ich eine Auszeit vom Tourleben nehme und mich zu Hause um die Kinder kümmere. Das hat vieles einfacher gemacht und uns auch wieder richtig zusammengeschweißt.

Eure Kinder sind zwischen sieben und zwölf Jahren alt. Gibt es schon musikalische Tendenzen?

Auf jeden Fall. Unsere Kids sind allesamt sehr musikbegeistert. Von den Eagles bis zu Disturbed ist auch alles mit dabei. Hin und wieder laufen bei uns aber auch Songs von Shawn Mendes. Die Palette ist wirklich groß. Aber leise ist es bei uns zu Hause nie.

Du kennst ja nun beide Seiten. Was ist denn herausfordernder: Das Leben auf Tour? Oder das Leben daheim mit drei Kindern?

Das kann beides sehr anstrengend sein. (lacht)

Mit Robert Westerholt von Within Temptation sprach Kai Butterweck.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema