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"Frisur für zwei Meter Abstand" "Let's Dance" wird zur Jorge-González-Show

Normalerweise stehen die Kandidaten im Vordergrund, doch Jorge schießt in Show 5 den Vogel ab. Die "Corona-Abstand-Halter"-Frisur begeistert die Zuschauer. Getanzt wird freilich auch - und das von so manchem gar nicht mal so gut.

"Für die Frisur wurde das Format 16:9 erfunden", frotzelt Daniel Hartwich ob der opulenten Haarpracht, die Jorge González in der fünften "Let's Dance"-Live-Show trägt. Den einen erinnert der schrille Juror damit an einen peruanischen Sonnengott, der andere findet, er habe sich seine eigene Autowaschanlage auf die Rübe gezimmert. Was wir erst dank Frauke Ludowig im After-Interview erfahren: Ganze acht Stunden hat Jorges Stylist gebraucht, um ihm diese Frisur zusammenzubasteln und dann nochmal 4,5 Stunden, um sie zu drapieren. Da soll noch einer sagen, in Quarantäne entstünden keine abgefahrenen Ideen, denn eines haut mit dieser Frise definitiv hin: "der Abstand von zwei Metern".

Es ist zurzeit nicht leicht, erst recht nicht für eine Show, von der Kritiker dieser Tage meinen, sie sollte aus Sicherheitsgründen besser nicht mehr stattfinden. John Kelly ist nicht mehr dabei, Laura Müllers Tanzpartner, Christian Polanc, fällt plötzlich krankheitsbedingt aus und der Applaus vom Band ist vielen "Lets' Dance"-Fans auch nicht grün. Eines aber kann man den Machern und Tänzern nicht vorwerfen: dass sie nicht alles Erdenkliche beitragen, um die Show erfolgreich zu wuppen.

Motto dieses Mal: die Neunzigerjahre. Lili Paul-Roncalli hat zwar keine Ahnung, was in dieser Zeit so los war, dafür tanzt "die Königin der Haltung" einen langsamen Walzer, als habe sie fünfhundert Jahre lang nichts anderes gemacht als bei Massimo "schön im Arm zu stehen". Jorge hat Gänsehaut, Llambi lobt die "Gesamtkomposition". Das Paar kassiert zu Recht 30 Punkte.

Sehr elegant und "Hollywood pur" auch der Slowfox von Luca Hänni, der definitiv das Zeug hat, ins Finale zu kommen. Bei Ilka, die in dieser Woche einen Samba tanzt, weiß man das nicht so genau. In der Vorwoche sei sie ob der schlechten Kritiken "heulend ins Hotel gefahren", diese Woche versprüht sie Lebensfreude mit einer Salsa, obschon der Chef-Juror, den die Komikerin trotz allem "liebe" eher findet, sie sei mehr gegangen, als dass sie getanzt habe.

"Ich tanze für die Nation"

Diese harschen Worte kränken sie, genauso wie ihren Mitstreiter Sükrü Pehlivan, der beim Tanzen immer "so wenig begeistert aussieht" und nicht genug "Gas gibt". Llambi moniert beim Wiener Walzer des Trödeltrupplers, nur "popelige Rechtsdrehungen" zu sehen. Aber der 47-jährige "110 Kilo schwere" Tanzbär erklärt, er "tanze nicht für die drei Juroren, er tanze für die Nation". So manche Kritik empfinde er "unter der Gürtellinie". "Die Nation" sieht das eher wie die Fachjury und ruft nicht mehr für Pehlivan an. Sükrü hat damit ausgetanzt.

Das hatte in der vergangenen Woche bereits Loiza Lamers. Nun ist das Model für den freiwillig abwesenden John Kelly nachgerückt und tanzt besser und schöner als je zuvor. Ihr Charleston ist "rhythmisch, lebendig" und zu den Schritten von Andrzej Cibis "supersynchron". Wie das mit Kritik immer so ist: Der Ton macht die Musik. So sagt man zu Ulrike von der Groeben, die einen etwas zu verkopften Cha-Cha-Cha tanzt auch lieber, dass man "ihren Spaß" sieht, anstatt ehrlich zu sagen: Das war nix. Dafür kann die Ulrike "alles tragen" und das ist ja auch schön.

Zu den Highlights des Abends gehören erneut Tijan Njie, der mit "toller Fußarbeit" überzeugt und einen Samba hinlegt, dass die Kronleuchter wackeln sowie Moritz Hans, der mit einem Quickstep eine "Leichtigkeit" auffährt, dass Jorge fast die Waschstriemen von der Rübe fliegen.

Man muss aber auch mal Leistungen anerkennen, die unter erschwerten Bedingungen vollbracht werden. Des Wendlers Laura soll sich bei ihrem Contemporary rücklings in Roberts Beitschs (Vertretung für den kranken Polanc) Arme werfen. Das hat einfach sehr viel mit Vertrauen zu tun! Man muss es nur mal selbst ausprobieren: Aufs Sofa stellen und zu Herbert sagen, er soll einen bitte auffangen, man lasse sich jetzt in seine Arme fallen. Wenn aber Herbert ausgerechnet jetzt zum Kühlschrank pirscht, um ein Bierchen zu "Let's Dance" zu zwitschern, sieht die Sache gleich ganz anderes aus. Also: Respekt für Laura!

Was sonst noch geschah:

Jorge richtet sich am Jurypult häuslich ein. Diese Woche hatte er statt einer Banane schon drei dabei. Nächste Woche wird der Style-König garantiert mit einem Mixer für ein paar Vitamin-Shots aufwarten. Martin Klempnow, den die Neunziger an eine Zeit erinnern, in der er "immer pleite war" und selten in Diskos reinkam, tanzt eine Rumba mit viel "Herz und Hingabe". Ihm zuzuschauen, empfindet Motsi als "Geschenk" und sogar Llambi ist baff und fragt sich, ob Klempnows Frau ihren Gatten wohl je so "emotional und frauenmordend" gesehen hat?

Bis jetzt ist auch für die kommende Woche eine Show anberaumt. Es ist nicht nur allein die Freude am Tanzen, die jetzt verbindet und die zeigt, dass auch unter erschwerten Bedingungen das Parkett glühen kann, sondern auch die Hoffnung auf Normalität. Und am Ende legt Jorge sich einfach hin und wischt feucht durch.

Hinweis: Die RTL-Tanzshow "Let's Dance" läuft im Stream bei TVNOW.

Quelle: ntv.de

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