Panorama

Wo die Variante schon grassiert Delta bei der Urlaubsplanung meiden

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Die Flugrichtung entscheidet: Italien ist weitgehend frei von der Delta-Variante, in Spanien und Portugal ist sie auf dem Vormarsch.

(Foto: picture alliance / Willfried Gredler-Oxenbauer / picturedesk.com)

Ein sorgloser Sommerurlaub ist für viele Deutsche nach einem Jahr Pandemie ein heiß ersehnter Lichtblick. Doch mit der hoch ansteckenden Delta-Variante droht Stress spätestens bei der Rückkehr. Deshalb lohnt es sich, die Gebiete mit hoher Delta-Varianten-Dichte weiträumig zu umschiffen.

Die Inzidenz ist niedrig, die Sommerferien können kommen. Allerdings mehren sich derzeit die Warnungen, den Urlaub in Gebieten zu verbringen, in denen sich die Delta-Variante des Coronavirus bereits ausbreitet. So empfiehlt die Bundesärztekammer, auf Reisen in Regionen, die von der zuerst in Indien entdeckten Variante besonders betroffen sind, zu verzichten. Ärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt räumt zugleich ein, dass für viele Menschen der Urlaub nach den Belastungen der vergangenen Monate wichtig für das seelische Gleichgewicht sei. "Notwendig ist aber die Einhaltung der Hygieneregeln auch im Urlaubsort", sagte er den Funke Zeitungen.

Als gesichert gilt, dass die Delta-Variante deutlich ansteckender ist als alle anderen bekannten Varianten. Deshalb befürchten Virologen, dass Reiserückkehrer die Verbreitung in Deutschland bis zum Herbst beschleunigen, bevor genügend Menschen geimpft sind. Wer kann, sollte seine Urlaubsplanung daher anpassen. So sieht es in den beliebtesten Urlaubsländern derzeit aus:

Großbritannien ist Delta-Epizentrum

Im Vereinigten Königreich verbreitet sich die hochansteckende, zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante rapide und macht mittlerweile mehr als 90 Prozent der Fälle aus. Geplante weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen in England sind für voraussichtlich vier Wochen aufgeschoben worden. Viele Corona-Maßnahmen wurden bereits aufgehoben, so sind Pubs, Restaurants und Geschäfte weitgehend wieder geöffnet. Schottland, Wales und Nordirland haben ihre eigenen Corona-Maßnahmen, die sich aber nur in Details unterscheiden.

Für Einreisende gibt es weiter große Hürden: In den meisten Fällen ist eine zehntägige Quarantäne notwendig - bei Hochrisikoländern sogar auf eigene Kosten im Hotel. Vor der Einreise ist in jedem Fall ein negativer Test notwendig, außerdem müssen am zweiten und achten Tag nach der Einreise PCR-Tests gemacht werden. Ausnahmen für Geimpfte gibt es bislang nicht. Die Bundesregierung hat Großbritannien wegen der Delta-Variante erneut als Virusvariantengebiet eingestuft, sodass nach der Einreise von der Insel nach Deutschland 14 Tage Quarantänepflicht gelten.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder oder Italiens Premier Mario Draghi warnen Fußballfans davor, für die Fußball-Europameisterschaft auf die Insel zu reisen und plädieren dafür, die Halbfinale und das Endspiel am 11. Juli wegen der hohen Ansteckungsgefahr nicht in London stattfinden zu lassen.

Portugal auf dem Weg zum Delta-Hotspot

Aufhalten lässt sich die Verbreitung der Delta-Virusvariante auch in Portugal wohl nicht mehr. Nach Angaben des nationalen Gesundheitsdienstes INSA macht sie im Juni schon gut 60 Prozent aller Neuinfektionen im Großraum von Lissabon aus. Im Norden liegt die Prävalenz dieser Variante noch unter 15 Prozent. Laut dem Magazin "Business Insider" sind es sogar schon 80 Prozent im Großraum Lissabon.

Trotzdem will Portugal den Tourismus vorerst noch nicht einschränken. Nach der Einreise aus Deutschland gilt zurzeit keine Quarantäne. Vor der Einreise muss jedoch ein negativer PCR-Test oder ein von offizieller Stelle bestätigter negativer Antigen-Schnelltest, der nicht älter als 48 Stunden ist, vorgelegt werden.

In Spanien ist Delta auf dem Vormarsch

Spanien ist im Vergleich zu Großbritannien oder Portugal längst nicht so stark betroffen. Nach Informationen des "Business Insider" wird dort etwa bei jeder zehnten Neuinfektion die Delta-Variante nachgewiesen. Die Tendenz steige auch hier. Mit einer Inzidenz von knapp über 50 liegen die Corona-Zahlen jedoch niedrig. Laut Angaben der Wissenschaftsinitiative GISAID (Global Initiative on Sharing All Influenza Data) wurde die Delta-Variante in den letzten Wochen im Norden bei Vitoria-Gasteiz, in Madrid, um Valencia, Barcelona und auf Mallorca registriert. Noch schlägt sich das nicht in der 7-Tage-Inzidenz nieder.

Eine Einreise nach Spanien ist zurzeit aus Deutschland möglich, lediglich ein Formular muss ausgefüllt und vorgelegt werden. Flugreisende müssen zudem einen negativen Corona-Test vorlegen. Auch über Land Einreisende aus den von Spanien als Risikogebiet eingestuften Bundesländern Saarland und Baden-Württemberg müssen den 3G-Nachweis befolgen: Entweder getestet, geimpft oder genesen. Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die Regionen Andalusien, Aragonien, Kastilien und Léon, Katalonien, Madrid, Navarra, La Rioja, dem Baskenland und die Nordafrika-Exklaven Melilla und Ceuta.

Italien noch weitgehend Delta-frei

In Italien ist die Corona-Lage derzeit entspannt. Die 7-Tage-Inzidenz liegt knapp unter 13. Italien hat zuletzt bei besonders vielen Abstrichen auch das Erbmaterial auf die Delta-Variante untersucht, berichtet die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt RAI in ihrer Südtiroler Ausgabe. Dabei ist man auf nur auf 1,3 Prozent positiver Abstriche gekommen. Den höchsten Anteil der Abstriche untersucht die Region Abruzzen mit 6,67 Prozent. Südtirol folgt mit 5,75 und auch Sardinien liegt mit 4,92 Prozent noch im Spitzenfeld.

Aus Deutschland ist die Einreise nach Italien grundsätzlich ohne Quarantänepflicht gestattet, jedoch können Reisen innerhalb Italiens je nach Einstufung der Region eingeschränkt werden. Die Einreise muss über ein Online-Formular angemeldet werden. Wer sich vorher in anderen Ländern der EU aufgehalten hat, muss den 3G-Nachweis befolgen.

Frankreich mit Delta-Anteil von acht Prozent

Schlechter als Italien, jedoch besser als Spanien und Portugal steht Frankreich im europäischen Vergleich dar. Die Inzidenz ist dort zuletzt stark gesunken und liegt nun (Stand 22.06.) bei knapp unter 25. Auch der Anteil der Delta-Variante ist nach Angaben von "Business Insider" gering. Er liegt lediglich bei 8,4 Prozent. Frankreich gilt zudem nicht als Risikogebiet. Auch die Einreise aus Deutschland ist mit einem Test möglich.

Geringe Verbreitung in Österreich

Die aktuelle Verbreitung der Delta-Variante in Österreich lässt sich nur grob schätzen. Das liegt auch an der Wartezeit bei Sequenzierungen und an zurückgefahrenen PCR-Tests. Bis zum 13. Juni wurden bis zum Ende der Vorwoche 77 Verdachtsfälle entdeckt. Laut der aktualisierten Übersicht der Gesundheitsbehörden bestätigten sich bis jetzt aber nur 16 Fälle. Am Montag wurden außerdem fünf Verdachtsfälle im Burgenland vermeldet. Insgesamt liegt der Anteil damit bei unter 1 Prozent. Bei einer Gesamt-Inzidenz von 10 ist die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken also äußerst gering. Bei Einreise muss zudem ein negativer PCR-Test vorgelegt werden, außerdem ist eine Online-Registrierung vonnöten.

Bisher zehn Delta-Fälle in Griechenland

In Griechenland kommen Infektionen mit der Delta-Variante bisher so gut wie gar nicht vor. Laut GISAID-Daten waren es bislang 10 registrierte Fälle. Bei einer Inzidenz von derzeit 30 lässt dies auch hier die Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung als äußerst gering erscheinen.

Deswegen wurden die Einreisebedingungen auch vor Kurzen wieder erleichtert: Seit dem vergangenen Wochenende gilt Griechenland nicht mehr als Corona-Risikogebiet - Quarantänemaßnahmen entfallen dementsprechend nach der Rückkehr. Einreisende müssen entweder geimpft, genesen oder getestet sein. In Einzelfällen muss bei Einreise aktuell noch ein Abstrich gemacht werden.

Türkei immer noch Risikogebiet - Delta kaum vorhanden

Laut GISAID-Daten ist Delta in der Türkei quasi nicht vorhanden, es wurden zuletzt nur zwei Fälle nachgewiesen. Aber es ist unklar, wie aussagekräftig diese Zahl ist. Die EU verlangt für ihre Mitgliedsländer, dass bei fünf Prozent der positiven Abstriche auch das Erbmaterial des Virus untersucht wird - das ist in der Türkei nicht der Fall.

Wer aus Deutschland in die Türkei reisen will, braucht dafür seit Juni nur noch einen negativen Corona-Schnelltest, der nicht älter als 48 Stunden ist, oder einen maximal 72-Stunden alten PCR-Test. Menschen, die eine Corona-Erkrankung überstanden haben oder vor mindestens zwei Wochen geimpft worden sind, können mit diesem Nachweis und ohne Test einreisen. Reisende sind von immer noch geltenden Ausgangsbeschränkungen für die türkische Bevölkerung ausgenommen. Restaurants, Cafés und eine Reihe weiterer Einrichtungen können wieder Gäste empfangen.

Deutschland mit sechs Prozent Delta-Variante

Und wie sieht es für den Urlaub im eigenen Land aus? Den offiziellen RKI-Zahlen nach hat die Delta-Variante von Sars-CoV-2 in Deutschland erst einen Anteil von 6,2 Prozent erreicht. Doch dabei handelt es sich um einen Blick in die Vergangenheit der ersten Juni-Woche. Die Coronavirus-Mutante könnte tatsächlich schon viel weiter vorangekommen sein, wie aktuelle Laborauswertungen im Raum München zeigen. Denn demnach hat Delta dort bereits einen Anteil von knapp 25 Prozent. Für Urlauber muss daher klar sein: Die Delta-Variante kann man sich auch daheim einfangen.

Quelle: ntv.de, mau

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