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Sinn, Handhabung, Verfügbarkeit So funktioniert der digitale Impfpass

Acht EU-Staaten haben ihn schon, nun zieht Deutschland nach: Mit dem digitalen Impfpass soll ein weiterer Schritt aus der Coronavirus-Pandemie gelingen - und zwar per Smartphone. Pünktlich zur Urlaubssaison geht das Zertifikat an den Start. Wie Sie an den Nachweis gelangen und welche Voraussetzungen es zu beachten gilt, erfahren Sie hier.

Was ist der digitale Impfpass?

Hinter dem Begriff "Digitaler Impfpass" verbirgt sich gemeinhin die Smartphone-App "CovPass". Diese vom des Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichte App ist die deutsche Umsetzung des EU-Vorhabens, ein offizielles Zertifikat zum Nachweis von Impfungen, Tests und überstandenen Covid-19-Erkrankungen zu etablieren. Entwickelt haben die App die Unternehmen IBM, Ubirch, Govdigital und Bechtle im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG).

Welche technischen Voraussetzungen hat der digitale Impfpass?

Grundsätzlich müssen Interessenten ein Smartphone besitzen. Damit können sie "CovPass" in den App-Stores von Apple und Google herunterladen. Alternativ können sie auch die Corona-Warn-App des RKI nutzen, die ebenfalls auf den genannten Plattformen zu finden ist.

Wie funktioniert der digitale Impfnachweis?

Ist mindestens eine der beiden Apps installiert, kann dort ein persönlicher QR-Code hinterlegt werden. Dieses Impfzertifikat wird also lokal auf dem Smartphone gespeichert. Damit können vollständig geimpfte Personen dann ihre Immunität per Smartphone nachweisen, ohne immer ihr gelbes Impfheft mit sich führen zu müssen. Aufgeführt sind nur die nötigsten Informationen: Impfstatus, Name, Vorname und Geburtsdatum der geimpften Person. Geschützt werden die Daten durch die sogenannte Public-Key-Infrastructure (PKI): Bei Manipulationen erscheint nur noch eine Fehlermeldung in den Apps.

Wo gibt es das digitale Impfzertifikat?

Als Idealszenario benennt das BMG den Weg über den Ort der Zweitimpfung: Dabei wird der digitale Impfnachweis in der Arztpraxis oder in einem Impfzentrum generiert. Dort kann der QR-Code mit den Apps direkt abgescannt werden. Alternativ können Zweitimpflinge einen Papierausdruck erhalten und den QR-Code später einscannen. Einem BMG-Sprecher zufolge gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Demnach sollen ab kommendem Montag auch Apotheken das Digitalzertifikat ausstellen dürfen.

Für wen ist der digitale Impfpass gedacht?

Nach Angaben des BMG können sich alle impfberechtigten Personen "ergänzend zum analogen Impfnachweis auch einen digitalen Impfnachweis ausstellen lassen". Insbesondere für Gastronomiebesuche und Reisen soll das Zertifikat eine Erleichterung sein.

Wie kommen bereits Geimpfte nachträglich an ihr Zertifikat?

Grundsätzlich, so heißt es beim BMG, "soll die nachträgliche Ausstellung dort erfolgen, wo man geimpft worden ist". Demnach sind die jeweiligen Impfstandorte im Zugzwang: So sollen die QR-Codes "möglichst automatisch per Post" versandt werden - so denn die Kontaktdaten vorliegen. Zudem sollen Arztpraxen und Apotheken nachträgliche Impfzertifikate generieren dürfen. Bevor der "CovPass" an den Start ging, waren laut RKI bereits mehr als 18,9 Millionen Personen in Deutschland vollständig geimpft.

Was kostet der digitale Impfpass?

Sowohl das digitale Impfzertifikat als auch die damit verbundenen Apps sind für Nutzerinnen und Nutzer kostenfrei. In der Regel soll die impfende Praxis den Impfausweis direkt ausstellen. Laut einem Referentenentwurf aus dem BMG sollen Arztpraxen und Apotheken für die Ausstellung eines Impfzertifikats maximal 6 Euro erhalten. Für nachträgliche Zertifikate können sie sich demnach über jeweils 18 Euro freuen.

Ist der Besitz des digitalen Impfzertifikats verpflichtend?

Die Nutzung der Apps mit dem Impfzertifikat ist freiwillig. Als Impfnachweis sind auch das ausgedruckte Impfzertifikat oder der gelbe Impfpass gültig. Zudem steht es jedem und jeder frei, die Apps jederzeit wieder zu löschen.

Was wird aus dem gelben Impfheft?

Das gelbe Impfheft ist weiterhin gültig - nicht zuletzt aus zwei Gründen: Zum einen dient es als analoger Nachweis über eine Impfung, da die Nutzung des Digitalangebots freiwillig ist. Zum anderen bleibt das Büchlein unabdingbar für die Dokumentation anderer Schutzimpfungen, die vorerst nicht in den Apps registriert werden.

Ist der digitale Impfpass überall im Ausland nutzbar?

Neben Deutschland stellen acht weitere EU-Mitgliedstaaten ein digitales Impfzertifikat aus: Bulgarien, Dänemark, Griechenland, Kroatien, Litauen, Polen, Spanien und Tschechien. Diese nationalen Alleingänge werden von den Staaten mit dem Faktor Zeitgewinn begründet. Künftig sollen die jeweiligen nationalen Lösungen mit dem grünen Zertifikat der EU kompatibel sein. Die EU-Länder könnten damit womöglich auch Geimpfte einreisen lassen, die mit noch nicht in der EU zugelassenen Vakzinen geimpft worden sind - so etwa verabreicht Ungarn das russische Präparat Sputnik V. Der Start des EU-Zertifikats ist rechtzeitig zur Sommerurlaubszeit anvisiert: Ab Juli soll der europaweit gültige Covid-19-Pass das grenzüberschreitende Reisen in der EU ermöglichen. Allerdings handelt es sich dabei vorerst nur um eine Lösung für Reisen innerhalb der EU. Für andere Destinationen gelten weiterhin die jeweiligen nationalen Bestimmungen.

Quelle: ntv.de, mit dpa und AFP

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