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Alltagsfrage Darf man zu viel Wechselgeld behalten?

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Aus moralischer Sicht sollten Kunden den Kassierer auf seinen Fehler aufmerksam machen.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Manche Kunden bemerken es sofort an der Kasse, andere erst nach dem Einkaufen: Hat der Kassierer zu viel Wechselgeld herausgegeben, stellt sich die Frage, ob man es einfach einstecken darf. Schließlich könnte dies Betrug sein - oder nicht?

In den wenigsten Fällen rechnet man damit, zu viel Wechselgeld ausgezahlt zu bekommen. Dennoch haben die meisten Menschen schon einmal so eine Situation erlebt. Manchmal bemerkt der Kunde nicht, dass er zu viel Geld erhalten hat. In anderen Fällen wiederum steht er plötzlich vor einem Dilemma und stellt sich die Frage: Ist es strafbar, den Kassierer nicht auf seinen Fehler aufmerksam zu machen und das Geld zu behalten?

Anders als viele Kunden vielleicht denken mögen, fällt das Einstecken von zu viel erhaltenem Wechselgeld nicht unter den Straftatbestand des Betruges. Einen Betrug begeht nach Strafgesetzbuch Paragraf 263 Absatz 1, "wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält".

Da es sich nicht um ein Täuschungsverhalten des Kunden handelt, fällt der Strafbarkeitsbestand des Betrugs weg. Es könnte höchstens eine Täuschung durch Unterlassung vorliegen, da der Kunde den Kassierer nicht über das zu viel erhaltene Wechselgeld informiert hat. Jedoch ist der Kunde nicht in der Pflicht, den Kassierer auf seinen Fehler hinzuweisen, sodass auch diese Strafbarkeit wegfällt.

Es drohen zivilrechtliche Forderungen

Auch wenn hier keine strafbare Handlung vorliegt, ist derjenige nach Paragraf 812 Absatz 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) zur Herausgabe verpflichtet, der "durch die Leistung eines anderen oder in sonstiger Weise auf dessen Kosten etwas ohne rechtlichen Grund erlangt". Es handelt sich also um eine ungerechtfertigte Bereicherung. Der Kassierer kann daher, wenn er seinen Fehler bemerkt hat, das zu viel herausgegebene Wechselgeld zurückverlangen.

Moralisch verwerflich wäre es auf jeden Fall, es zu behalten. Die Kassierer haften für gewöhnlich mit einem Lohnabzug, wenn am Ende des Tages Geld in ihrer Kasse fehlt. In schweren Fällen droht ihnen sogar der Verlust des Arbeitsplatzes. Schon alleine deshalb sollten Kunden auf den Fehler hinweisen.

Quelle: n-tv.de, imi

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