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Trotz Angst um Familie im Krieg Petros knackt deutsche Marathon-Bestzeit

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"Ich kann meine Familie seit vier Wochen nicht erreichen", schrieb Petros im Vorfeld (Archivbild).

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Fünf Jahre bleibt die deutsche Bestmarke im Marathon unangetastet. Nun verbessert Amanal Petros den Rekord furios um mehr als eine Minute. Umso beachtlicher: Der ehemalige Flüchtling läuft in Valencia mit großen Sorgen. Denn er fürchtet um das Leben seiner Angehörigen.

Die Sorgen und Ängste um seine Familie im Bürgerkriegsgebiet Tigray haben Amanal Petros Flügel verliehen. Der 25-Jährige vom TV Wattenscheid, der um das Leben seiner Mutter und seiner Schwestern bangt, stellte beim Marathon von Valencia einen deutschen Rekord auf. In 2:07:18 Stunden pulverisierte er die fünf Jahre alte Bestmarke des Tübingers Arne Gabius, der 2015 in Frankfurt 2:08:33 schnell war, um 1:15 Minuten.

"Ich kann meine Familie seit vier Wochen nicht erreichen", hatte Petros auf Instagram berichtet, "mit dieser Ungewissheit, ob meine Familie und Freunde okay sind oder nicht, werde ich am Sonntag meinen zweiten Marathon laufen." Seine Angehörigen leben in der Krisenregion im Norden Äthiopiens.

Den Konflikt in seinem Inneren wollte Petros unbedingt ausblenden und zeigte sich vor dem Lauf kämpferisch. "Ich werde ihn mutig angehen und an mein Volk denken, das ohne Grund gestorben ist oder fliehen musste", lautete seine Devise. Petros war mutig, hielt sein hohes Anfangstempo und ist damit der bislang schnellste deutsche Läufer der Geschichte über die 42,195-km-Distanz.

"Ich war kurz vor dem Herzstillstand"

Beim Sieg des Kenianers Evans Chebet, der mit 2:03:00 Stunden die bisherige Jahresweltbestzeit lief, bedeutete dies in einem starken Feld Platz 16. "Das war sehr couragiert, als ich die Zwischenzeit gesehen habe, war ich kurz vor dem Herzstillstand", sagte Petros' Trainer Tono Kirschbaum bei leichtathletik.de.

Für den DLV ist Amanal Petros ein Glücksfall, der Marathon könnte durch den Mann mit der bewegten Lebensgeschichte wieder verstärkt in den Blickpunkt rücken. Mit zwei Jahren floh Petros mit der Familie aus seiner Heimat Eritrea nach Äthiopien, doch die Gefahr blieb. Mit 16 machte er sich auf den Weg nach Deutschland und fand dort als politischer Flüchtling eine neue Heimat.

Nach Laufen stand ihm zunächst noch nicht der Kopf. Angekommen in Bielefeld wurde es ihm in seiner Flüchtlingsunterkunft aber schnell zu eng, ihn zog es wieder auf die Straße. Aus Hobbyläufen entwickelte sich im Verein systematisches Training. Seit Ende 2015 ist er deutscher Staatsbürger und dient seit 2017 als Sportsoldat in der Bundeswehr.

Drei weitere deutsche Läufer unter Olympia-Norm

In seinem Sog blieben in Valencia drei weitere DLV-Starter unter der Tokio-Norm. Bei den Männern gelang dies Richard Ringer. In seinem ersten Marathon kam der Rehlinger als 36. ins Ziel und blieb in 2:10:59 Stunden unter der geforderten Richtmarke. Bei den Frauen zogen die Berliner Zwillinge Deborah (2:26:55) und Rabea Schöneborn (2:28:42) nach, es gewann die Kenianerin Peres Jepchirchir (2:17:16).

An den geforderten 2:11:30 Stunden scheiterte dagegen Philipp Pflieger. Der Hamburger, der im Vorfeld fälschlicherweise positiv auf Corona getestet worden war, benötigte auf Platz 47 2:12:15 Stunden. Pflieger war erst am Samstag nach Spanien gereist, nachdem sich der Positiv-Test der Gesundheitsbehörden als Irrtum herausgestellt hatte. Im Halbmarathon blieb der Kenianer Kibiwott Kandie bei seinem Weltrekord in 57:32 Minuten als erster Läufer unter der 58-Minuten-Marke.

Quelle: ntv.de, mdi/sid

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