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Biden: "nicht hinnehmbar" US-Star Griner in Russland zu neun Jahren Haft verurteilt

Dass ihr ein hartes Urteil droht, war abzusehen gewesen. Jetzt ist es amtlich: Ein russisches Gericht spricht US-Basketballstar Brittney Griner schuldig. Sie soll für neun Jahre hinter Gitter. Wie es mit der 31-jährigen Sportlerin weitergeht, ist allerdings noch offen.

Ein russisches Gericht hat die US-Basketballspielerin Brittney Griner wegen Drogenschmuggels zu neun Jahren Haft verurteilt. Sie habe die Tat vorsätzlich begangen, hieß es. Griner müsse zudem eine Strafe von einer Million Rubel (knapp 16.000 Euro) zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte neuneinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung verlangte einen Freispruch. Die Anwälte Griners kündigten Berufung an.

Die Sportlerin hatte sich vor dem Urteilsspruch erneut schuldig bekannt. Sie sagte jedoch, sie hätte die Gesetze Russlands nicht mit Absicht verletzt. Griner entschuldigte sich bei ihrer russischen Mannschaft und Familie. Sie habe einen Fehler gemacht und hoffe, das Gericht werde ihr Leben mit diesem Urteil nicht zum Halt bringen. Alle redeten über Politik, sagte die 31-Jährige. Sie hoffe jedoch, dass der Gerichtssaal sich in weiter Entfernung der Politik befinde.

US-Präsident Joe Biden kritisierte die Verurteilung Griners scharf und forderte ihre Freilassung. "Russland hält Brittney zu Unrecht fest", erklärte Biden in einer schriftlichen Stellungnahme. "Das ist nicht hinnehmbar, und ich fordere Russland auf, sie sofort freizulassen, damit sie bei ihrer Frau, ihren Angehörigen, Freunden und Teamkollegen sein kann." Biden versicherte, die US-Regierung arbeite weiter unermüdlich daran, Griner so bald wie möglich sicher nach Hause zu bringen.

Griner war am 17. Februar auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden, nachdem Vape-Patronen mit Haschischöl in ihrem Gepäck entdeckt worden waren. Seitdem saß Griner in Untersuchungshaft. Laut Griners Anwalt wurde der Sportlerin das Cannabis-Öl vom Arzt als Schmerzmittel verordnet. Selbst in den USA habe sie nur "gelegentlich" davon Gebrauch gemacht. In Russland ist Cannabis auch für medizinische Zwecke verboten. Die bei Griner festgestellte Menge entsprach laut Staatsanwaltschaft weniger als einem Gramm Cannabis in fester Form. Die Sportlerin bekannte sich zu Beginn des Gerichtsverfahrens schuldig. Die Höchststrafe für Drogenschmuggel beträgt zehn Jahre Haft.

Urteil macht Gefangenenaustausch möglich

Die 31-Jährige spielt seit 2015 für die russische Mannschaft UMMC Ekaterinburg. Mit dem Spitzenklub gewann sie viermal die Euroleague. Griner ist eine der besten Basketballerinnen in der amerikanischen Frauen-Profiliga WNBA. Mit den Phoenix Mercury gewann sie 2014 die Meisterschaft, mit der US-Nationalmannschaft holte sie außer zwei Olympiasiegen auch zweimal Gold bei Weltmeisterschaften. Viele Profispielerinnen wie Griner sind außer in ihren Heimatligen zudem im Ausland aktiv, unter anderem in Russland und der Türkei.

Die Beziehungen zwischen den USA und Russland haben seit dem russischen Angriff auf die Ukraine einen neuen Tiefpunkt erreicht. Biden hatte der Ehefrau Griners im vergangenen Monat versichert, Washington sei mit der Sache beschäftigt. Erwartet wird, dass ein Gefangenentausch folgen könnte. Der Verteidigung zufolge wird dieser Schritt nach der Verkündung des Gerichtsurteils auch rechtlich möglich.

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Für die Freilassung von inhaftierten US-Staatsbürgern - darunter Griner und der ehemalige Soldat Paul Whelan - hätten die USA in Moskau ein seriöses Angebot vorgelegt, sagte US-Außenminister Antony Blinken vergangene Woche. Als Austausch ist die US-Regierung einem Insider zufolge bereit, den verurteilten Waffenhändler Viktor Bout, bekannt als "Händler des Todes", an Russland auszuliefern. Nach russischen Angaben gibt es keine Abstimmung über einen Austausch.

Man solle außerdem keine Verhandlungen in der Presse führen, sagte der russische Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Die USA gaben jüngst an, Moskau fordere im Gegenzug unter anderem die Freilassung des wegen des Tiergarten-Mordes in Deutschland zu lebenslanger Haft verurteilten Russen Vadim K.

Quelle: ntv.de, fzö/rts/dpa/AFP

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