Formel1

Häme für "Vorkämpfer" Hamilton Formel 1 plant große Umwelt-Offensive

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Lewis Hamilton will schon länger etwas bewegen, jetzt zieht sein Verband nach.

(Foto: imago images/Nordphoto)

Die Formel 1 ist ein großer Wanderzirkus, der acht Monate im Jahr riesige Mengen Menschen und Material durch die Welt fliegt. Doch nun will sich die Rennserie mit dem gewaltigen Spritverbrauch um die Umwelt verdient machen. Ihr größter Superstar schwingt sich zum Vorreiter auf - und erntet Häme.

Die Formel 1 will mit einem "ehrgeizigen" Plan bis 2030 zum Umweltschutz beitragen. Die Königsklasse des Motorsports kündigte ein Programm für einen Netto-Null-
Kohlenstoff-Fußabdruck bis in elf Jahren an. Das Projekt solle umgehend beginnen, damit die Formel 1 ein nachhaltigerer Sport werde, heißt es in einer Mitteilung.

So soll auch dafür gesorgt werden, dass die Reise- und Logistikaktivitäten "ultra-effizient" werden und Büros, Einrichtungen und Werke mit hundert Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Jüngst hatte die Formel 1 allerdings erst die Ausweitung des Rennkalenders auf eventuell 25 Rennen in Aussicht gestellt.

"Erkennen entscheidende Rolle an"

"Mit der ersten Nachhaltigkeitsstrategie der Formel 1 erkennen wir die entscheidende Rolle an, die alle Organisationen bei der Bewältigung dieses globalen Problems spielen müssen", sagte Geschäftsführer Chase Carey.

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FIA-Boss Jean Todt will seine Edelserie umweltfit machen.

(Foto: imago images/HochZwei)

Bis 2025 sollen alle Veranstaltungen nachhaltig sein. Das bedeute, dass entsprechende Materialien verwendet werden und beispielsweise Plastik zum einmaligen Gebrauch verbannt werden soll. Auch Anreize für Fans sollen geschaffen werden, um auf "grünerem Weg" zu den Grand-Prix-Strecken zu kommen.

An dem Plan wurde nach Formel-1-Angaben ein Jahr intensiv gearbeitet. Neben Vertretern des Automobilweltverbandes Fia waren auch Nachhaltigkeitsexperten, die Teams, Veranstalter und weitere Partner beteiligt. Es sei ein "ambitionierter, aber erreichbarer Plan", heißt es. "Unser Engagement für den weltweiten Umweltschutz ist entscheidend", sagte Fia-Chef Jean Todt.

Der inzwischen sechsmalige Weltmeister Lewis Hamilton hat sich im Fahrerlager zum Vorkämpfer für den Klima- und Umweltschutz aufgeschwungen: "Werdet vegan. Es ist die einzige Chance, unseren Planeten zu retten", forderte der Mercedes-Pilot Ende Oktober und verriet weiter: "Ich habe meinen Privatjet vor gut einem Jahr verkauft. Ich fliege jetzt viel weniger, und wenn dann mit einer Linien-Maschine. Das war eine große Veränderung für mich. Ich versuche, jetzt alle unnötigen Reisen zu vermeiden. Dazu habe ich meine Ernährung auf vegetarisch umgestellt." Hamilton hat im September eine vegane Burgerkette eröffnet.

"Wir wissen alle, was für einen Lifestyle Lewis hat"

Auch im Alltag will der Brite, der pro Rennen rund 110 Liter Sprit verfährt, seine Mobilität umstellen: "Ich habe einen neuen Elektro-Smart zu Hause. Ich habe auch einige Autos verkauft. Meinen Maybach in London werde ich wohl gegen den neuen EQC oder ein anderes Hybrid-Fahrzeug eintauschen. Ich versuche, am Ende des Jahres eine neutrale CO2-Bilanz zu haben. Ich erlaube niemandem in meinem Büro und in meinem Haushalt Sachen aus Plastik zu kaufen. Alles muss recycelbar sein, vom Deo bis zur Zahnbürste."

Für seine drastischen Worte erntete Hamilton neben Zustimmung auch Häme, so wie vom ehemaligen Weltmeister Fernando Alonso: "Wir wissen alle, was für einen Lifestyle Lewis hat", sagte der Spanier dem spanischen Radiosender Cadena Cope. "Man kann nicht an einem Tag eine solche Message verbreiten und am nächsten Tag das Gegenteil tun. "Formel-1-Fahrer haben 200 Flüge im Jahr. Dann kannst du nicht sagen, 'ich esse kein Fleisch'". Seinem ehemaligen McLaren-Teamkollegen warf er Scheinheiligkeit vor: "Ich glaube, dass unsere Handlungen viel mehr bewirken als alles, was wir sagen könnten."

Anfang November wurde bekannt, dass Regeländerungen im Formel-1-Regelwerk künftig bis zu 25 Rennen pro Saison erlauben. Wie sich eine mögliche Aufblähung des Rennkalenders von derzeit 21 Rennen weltweit mit den ehrgeizigen Klimazielen der Serie vertragen soll, ist noch unbekannt.

Quelle: ntv.de, ter/dpa