Fußball

Bloßstellung von Torwart Zieler 96-Boss Kind hat rein gar nichts gelernt

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Martin Kind zeigt weder Respekt noch Achtsamkeit im Umgang mit Torwart Ron-Robert Zieler.

(Foto: picture alliance/dpa)

Martin Kind, Boss von Hannover 96, stellt Torhüter Ron-Robert Zieler öffentlich an den Pranger. Seine Aussagen schaden dem Verein, untergraben seine Vorbildfunktion - und zeigen, dass er in Diskussionen um Rücksicht und Achtsamkeit nicht zugehört hat.

"Ich bin tief betroffen", sagte Martin Kind nach dem Selbstmord von Hannover 96-Keeper Robert Enke 2009. "Ich denke jeden Tag an Robert", erklärte der 96-Boss am fünften Todestag. Nun, mittlerweile hat er seine Gedanken wohl in andere Bahnen gelenkt und hält es für angebracht, Hannovers Torhüter Ron-Robert Zieler als nutzlos für den Verein abzustempeln. Solche Aktionen ohne Respekt und Menschlichkeit müssen aus dem Fußball verschwinden - gerade der Chef eines Vereins mit der Vorgeschichte Hannovers sollte es besser wissen.

Natürlich hat die Verbalattacke, die Zieler von Kind abbekam, direkt nichts mit Enkes Suizid zu tun und auch nichts mit der Krankheit Depression. "Bei uns wird er keine Chance mehr haben", diskreditierte Mehrheitsgesellschafter Kind den Keeper: "Wir hätten ihn gar nicht verpflichten dürfen damals." Aber man muss erwarten dürfen, dass der 96-Boss aus der Debatte über psychische Krankheiten, über Druck und den rücksichtsvollen Umgang miteinander im Fußballgeschäft, die Enkes Selbstmord anstieß, etwas gelernt hat. Wenn der für seine Verbalattacken bekannte Kind, der auch als Vorbild für (Jugend-)Spieler, Fans und Mitarbeiter fungieren sollte, die 96er aber nun mal wieder mit seiner Ahnungs-, Respekt- und Rücksichtslosigkeit enttäuscht, ist das beschämend.

Mehr Achtsamkeit? Kind hat nicht zugehört!

Egal, was vorher schon intern kommuniziert wurde und egal, ob Zieler wusste, dass nicht mehr mit ihm geplant wird: Kinds Vorgehen grenzt an eine öffentliche Demütigung. Mindestens ist die Aktion - auch für Personen, die im öffentlichen Leben stehen - herabwürdigend und geschmacklos. Auf jeden Fall aber respektlos, unnötig und armselig. Und im schlimmsten Fall kann so etwas sogar gefährlich sein: Man stelle sich bloß einmal vor, der eigene Arbeitgeber würde vor die Öffentlichkeit treten und einen selbst als überflüssig bezeichnen. Dass solch eine Aussage jeden Menschen nachhaltig belasten und das Selbstwertgefühl dauerhaft schädigen kann, sollte leicht nachvollziehbar sein.

Kind schadet mit seinen Aussagen nicht nur seinem Verein, denn Sympathien fliegen dem Zweitligisten auf diese Art und Weise sicherlich nicht zu. Erst vor einem Jahr, als Hannover Zieler zurückholte, sagte der Vereinsboss noch: "Wir haben die Möglichkeit genutzt, mit Ron-Robert Zieler einen Spieler zu verpflichten, mit dem wir langfristig auf der Torhüterposition top besetzt sind." Dass Kind einen verdienten Spieler, einen Menschen, einen Vater einer eine Woche alten Tochter nun öffentlich an den Pranger stellt, vergiftet darüber hinaus auch das gesamte Klima der Fußballligen in Deutschland. Nach Enkes Tod folgten für das Fußballgeschäft und für die Gesellschaft wichtige Appelle: mehr Rücksicht. Mehr Achtsamkeit. Mehr Offenheit. Kind hat wohl nicht zugehört.

Ebenfalls ignorierte der 96-Boss die Aussagen André Schürrles zu seinem Karriereende vor zwei Wochen und die darauffolgende Diskussion über die Brutalität der Branche. Der Ex-Nationalspieler regte damals mehr Menschlichkeit im Umgang in der Gesellschaft und im Fußballgeschäft an. Zeigte auf, welche Werte wichtiger sind, als all die Tore, Punkte und Millionen. Kind hat diese Werte weder erkannt noch verstanden.

Quelle: ntv.de