Fußball

Täter droht "massive Strafe" Amateurkicker schlägt Schiedsrichter k. o.

Bei einem Kreisliga-Spiel in Hessen attackiert ein Fußballer den Schiedsrichter. Der Unparteiische muss anschließend mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Am Niederrhein kommt es bei einer Jugendpartie zu einem tätlichen Angriff, in Solingen sogar bei einem Spiel von Fünf- und Sechsjährigen.

Der brutale Angriff eines Amateurfußballers feuert die Debatte über Gewalt gegen Schiedsrichter erneut an. Beim Kreisliga-Spiel zwischen der FSV Münster und dem TSV Semd schlug ein 28-jähriger Spieler der Heimmannschaft den 22 Jahre alten Unparteiischen mit einem Fausthieb gegen den Kopf bewusstlos. Das Spiel in Hessen wurde abgebrochen, der Referee mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Laut "Darmstädter Echo" sei trotz mehrerer Minute Bewusstlosigkeit "mit Hirn und Kopf alles in Ordnung", der 22-Jährige habe am Sonntagabend jedoch noch Sprachschwierigkeiten gehabt.

Auslöser war offenbar die Gelb-Rote-Karte, mit der der 28-Jährige zuvor vom Platz gestellt wurde. Nach dem Faustschlag verließ er den Platz, ohne sich um sein Opfer zu kümmern. "Das ist absolut inakzeptabel und natürlich extrem bedauerlich", zitiert das "Echo" den Spielleiter der Kreisliga C Dieburg, Theo Greiner. "Das macht mich wirklich sehr betroffen." Der Spieler müsse nun mit einer "massiven Strafe" rechnen.

imago61008652h.jpg

Bei verbalen Angriffen bleibt es längst nicht mehr.

(Foto: imago/Manngold)

Von einer steigenden Zahl gewalttätiger Übergriffe spricht auch n-tv Experte Philipp Köster. "Ganz viele Spieler aus Amateurklubs berichten uns, dass die Übergriffe auf Schiedsrichter immer mehr zunehmen. Das sind Ehrenamtliche, die in ihrer Freizeit diese Spiele leiten", sagt Köster, Chefredakteur des Fußballmagazins "11 Freunde". Er hält es für "ganz, ganz wichtig, dass das aufhört."

"Szenen, die man nicht erwartet"

Ein Zeichen dafür setzten am vergangenen Wochenende die Schiedsrichter in Berlin. Dort streikten die Unparteiischen, um auf die zunehmende Gewalt aufmerksam zu machen. Allein in dieser Saison - die im August begonnen hat - wurden nur in der Hauptstadt bereits 53 Übergriffe auf Schiedsrichter registriert. Das führt mittlerweile auch dazu, dass den Verbänden der Nachwuchs fehlt. In Berlin stehen zwar an jedem Wochenende rund 1600 Fußballspiele auf dem Plan, dafür gibt es jedoch nur 1100 Schiedsrichter.

Zwei weitere Fälle von Gewalt auf dem Spielfeld gab es am Sonntag in Nordrhein-Westfalen. Bei einem B-Jugend-Spiel in Moers am Niederrhein schlug ein Vater einem Nachwuchsspieler der gegnerischen Mannschaft mit der Faust ins Gesicht. Der 15-Jährige kam anschließend mit einer Platzwunde ins Krankenhaus, der 48-Jährige erhielt eine Anzeige wegen Körperverletzung.

In Solingen musste bereits am Samstag ein Freundschaftsspiel zweier Kindermannschaften abgebrochen werden. Nach einem Wortgefecht stürmte einer der Trainer über das Spielfeld, um den Co-Trainer des Gegners anzugreifen. Der Polizei zufolge hätten sich die 42 und 50 Jahre alten Männer gewürgt, geschlagen und beleidigt: "Szenen, die man normalerweise nicht bei einem Spiel von fünf und sechs Jahre alten Kindern erwartet."

Quelle: n-tv.de, tsi/dpa

Mehr zum Thema