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Jérôme Boatengs Oberkörper zieren unter anderem 21 Namen von Familienmitgliedern.
Jérôme Boatengs Oberkörper zieren unter anderem 21 Namen von Familienmitgliedern.(Foto: imago/Plusphoto)
Freitag, 28. Juli 2017

Tattoo-Sucht voll im Trend: Bei Fußballern geht Liebe oft unter die Haut

Nur noch wenige Profifußballer kommen heute ohne Tätowierungen aus. Was früher anrüchig war, ist längst Normalität. Auffallen können die Sportler damit aber immer noch - und sich manchmal eine Menge Ärger einhandeln.

Dieses eine Tattoo wird sich für Guillermo Varela immer von den anderen abheben. Denn diesmal kostete die kleine, spitze Nadel den Verteidiger von Eintracht Frankfurt nicht nur das DFB-Pokalfinale, sondern auch seine Zukunft in der Fußball-Bundesliga. Reue hat der Uruguayer nicht gezeigt. Im Vorfeld des Endspiels gegen Borussia Dortmund ließ sich Varela ein Harlekin-Gesicht in die rechte Armbeuge stechen, an sich nichts Anstößiges. Doch Trainer Niko Kovac hatte Tätowierungen vor dem Saisonhöhepunkt strikt untersagt, Varela wurde suspendiert, das Leihgeschäft mit Manchester United später beendet.

Dennis Diekmeier hat unzählige Tattoos am ganzen Körper.
Dennis Diekmeier hat unzählige Tattoos am ganzen Körper.(Foto: imago/Laci Perenyi)

Blickt man sich im Fußball um, stellt sich die Frage, warum solche Fälle nicht öfter auftreten. Schließlich gehört es heute in der Bundesliga zum guten Ton, den gestählten Körper mit großflächigen Bildern zu verzieren. Was vor einigen Jahren noch Teil der Subkultur war, hat den Weg in den Mainstream gefunden. Für die Präsentation des neuen Trikots beim Hamburger SV etwa wählte Adidas Dennis Diekmeier aus, bei dem nicht nur die Arme flächendeckend tätowiert sind. Die "Tapete" ist schon lange Mode geworden.

Diekmeier posierte im Hamburger Hafen, vor Lastkränen, dazu twitterte Adidas: "Tradition verpflichtet". Früher waren es schließlich meist Seemänner, die sich Bilder unter die Haut stechen ließen. Bei Diekmeier ist jedes Tattoo Teil eines großen Ganzen, ein Kunstwerk, auch seine Rückennummer darf nicht fehlen. Bei der Raute allerdings zieht der dreifache Familienvater die Grenze. "Ich liebe meinen Verein. Als kleiner Junge bin ich mit meinem Vater oft ins Stadion gefahren und bin seitdem totaler HSV-Fan. Aber stell dir mal vor, ich spiele vielleicht irgendwann einmal für einen anderen Verein. Da käme ein HSV-Tattoo sicher nicht so gut an", hatte Diekmeier einmal gesagt. Das ist offenbar auch Nationalspieler Leroy Sané gerade in den Sinn gekommen. Und so hat er das Logo von Manchester City auf seinem Selbstporträt auf dem Rücken fix überpinseln lassen.

"Ich tätowiere mich nicht zum Spaß"

Andere haben sich da nicht ganz so viele Gedanken gemacht. Kevin Großkreutz ließ sich die Dortmunder Skyline tätowieren. Inzwischen hat es ihn über Stuttgart nach Darmstadt verschlagen. So ist nun mal das Geschäft, im Zweifel kommt einfach noch ein buntes Bildchen dazu. Die Fußball-Profis bieten heutzutage ein Kaleidoskop der schönen, bunten Tattoo-Welt. Bibelzitate, weise Sprüche oder Namen von Familienmitgliedern erfreuen sich außerordentlicher Beliebtheit. Auch Porträts der eigenen Kinder, religiöse Motive oder asiatische Symbole - alles kann, nichts muss.

Weltmeister Jérôme Boateng wählt nur Bilder aus, die eine ganz persönliche Bedeutung für ihn haben: "Ich tätowiere mich nicht zum Spaß", so Boateng, dessen Rücken unter anderem 21 Namen aus seiner Familie zieren.

Wichtiges Markenzeichen: der "Swag"

Längst hat man den Eindruck, ein richtiger Fußballer kommt ohne Tattoo nicht mehr aus. Wer heutzutage wirklich noch auffallen will, sollte es vielleicht ohne Hautverschönerungen versuchen. Auch ein sorgfältig gestutzter Vollbart, im Volksmund Hipsterbärtchen genannt, in der Freizeit gern kombiniert mit passender Hornbrille, sorgt nicht mehr für gestiegene Aufmerksamkeit.

Viele Likes bei Instagram und anderen sozialen Medien holt man sich am besten mit möglichst auffälliger Kleidung. Wichtig dabei: der "Swag", der besonders lässig-coole Stil. Pierre-Emerick Aubameyang hat ihn, Franck Ribéry sowieso und natürlich Boateng. Letzterer ist sogar mit seiner eigenen Brillenkollektion auf dem Markt.

Quelle: n-tv.de

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