Fußball

Derby der Gegensätze Beim 1. FC Köln ist man "kirre und verrückt"

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Natürlich, beim 1. FC Köln folgt auf jeden kurzen Aufwärtstrend ein Rückschlag.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Am Rhein sorgt Hochwasser dieser Tage stellenweise für ganz reale Sorgen. Sportlich steht dem 1. FC Köln das Wasser nur symbolisch bis zum Hals, komfortabler macht das die Lage rund ums Geißbockheim nicht. Vor dem wichtigen Derby gegen ein sorgenfreies Gladbach ist der Trainer angefressen.

Mehr als einmal kurz Luft holen ist in dieser Saison nicht drin für den 1. FC Köln und Markus Gisdol. Und pünktlich zum Derby bei Borussia Mönchengladbach steht das Wasser natürlich mal wieder bis zum Hals, Tendenz: schnell steigend. "Diese Wellenbewegungen", sagt Trainer Gisdol, "machen mich kirre und verrückt." Denn die Geißböcke schleppen sich geprügelt in das so wichtige Spiel am Abend (18.30 Uhr/Sky), nur drei Tage nach dem peinlichen Pokal-Aus beim Zweitligisten Regensburg.

"Es wäre so einfach gewesen", sinniert Gisdol, "noch ein Erfolgserlebnis" mit ins Derby zu nehmen, stattdessen fährt der FC nun "mit einem negativen Gefühl" nach Gladbach. Und mit nur einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegszone. Für Gisdol mag das Auf und Ab in Köln noch recht neu sein, rund um den Dom ist es allerdings längst schmerzhafte Gewohnheit. Und Jahr für Jahr wirken besonders die rheinischen Duelle wie Salz in dieser Wunde, weil Gegensätze aufeinanderprallen.

Auf der einen Seite herrscht Dauer-Existenzkampf, der FC lebt sportlich wie finanziell von der Hand in den Mund. Garniert wird das stets mit der einen oder anderen Peinlichkeit abseits des Platzes - zuletzt musste ein Mediendirektor unter lautem Getöse wieder gehen, der seinen Dienst noch gar nicht angetreten hatte. Er war den Fans aus verschiedenen Gründen nicht vermittelbar.

Ein Derby als Wendepunkt

Nur 50 Kilometer weiter nördlich dagegen ein Hort der Glückseligkeit: Champions League, Millionen-Einnahmen, fortdauernd gute Arbeit. Das gilt auch ganz aktuell, die Borussia ist seit dem Jahreswechsel ungeschlagen. Und wirkt für den FC geradezu übermächtig. Besonders schmerzhaft ist das für die Kölner, weil sie dem Rivalen in der jüngeren Vergangenheit quasi beim Wachsen zuschauen konnten. Denn erst vor ziemlich genau zehn Jahren trennten sich die Wege der Klubs.

Bis dahin fristeten beide für eine ganze Weile ein Dasein zwischen erster und zweiter Liga, ausgerechnet das Derby am 10. April 2011 wurde zum Wendepunkt. Der damals neue Trainer Lucien Favre verhalf dem damals 18-jährigen Torwart Marc-Andre ter Stegen zum Profidebüt, Gladbach fertigte den FC mit 5:1 ab, schaffte später den Klassenerhalt über die Relegation. In der Folgesaison stieg Köln ab, die Borussia stürmte in die Champions League - und so ging es weiter.

So mancher Trainer hat in Köln seither versucht, die Wellenbewegungen zu stoppen, nur Peter Stöger hat es zeitweise geschafft. Auch Markus Gisdol wirkt immer häufiger ratlos angesichts der Rückschläge - und bemüht daher ein in Köln schon oft gehörtes Mantra. "Im Derby", sagt er, "haben wir die große Chance, etwas gutzumachen." Gelingt das nicht, dann steigt das Wasser.

Quelle: ntv.de, ter/sid