Fußball

Elfmeter-Experten aus Regensburg Gladbach kontert Blitzstart in sechs Minuten

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Plea dreht zum Jubeln ab, die VfB-Abwehr streckt sich vergeblich.

(Foto: imago images/Michael Weber)

Mit minimalem (offensivem) Aufwand und maximalem Ertrag zieht Borussia Mönchengladbach ins Pokal-Viertelfinale ein. Der VfB Stuttgart findet nach früher Führung keinen Weg mehr durch die Abwehr der Fohlen. Der 1. FC Köln vergibt einen Elfmeter und darf 30 Minuten länger spielen.

VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 1:2 (1:1)

Bei Borussia Mönchengladbach lebt der große Traum vom ersten DFB-Pokalsieg seit 26 Jahren weiter. Die Mannschaft von Marco Rose zog durch ein hart erkämpftes 2:1 (1:1) gegen den Bundesliga-Konkurrenten VfB Stuttgart erstmals seit 2016 wieder ins Viertelfinale ein. Für den VfB war das Aus dagegen ein Dämpfer in einer bislang guten Saison. Der VfB legte in einer engen Partie einen Blitzstart hin. Bereits nach 94 Sekunden erzielte Silas Wamangituka die Führung. Marcus Thuram glich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte für den dreimaligen Pokalsieger Gladbach aus (45.+1). Alassane Plea gelang nach einem dicken Patzer von VfB-Ersatzkeeper Fabian Bredlow das 2:1 (50.).

Stuttgart - Mönchengladbach 1:2 (1:1)

Stuttgart: Bredlow - Mavropanos (77. Klimowicz), Anton, Kempf - Mangala, Endo - Wamangituka (78. Massimo), Sosa (84. Coulibaly) - Didavi (46. Förster), Gonzalez - Kalajdzic. - Trainer: Matarazzo
Mönchengladbach: Sippel - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini - Kramer, Neuhaus - Thuram (71. Wendt), Stindl (84. Wolf), Hofmann (84. Zakaria) - Plea (63. Embolo). - Trainer: Rose
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)
Tore: 1:0 Wamangituka (2.), 1:1 Thuram (45.+1), 1:2 Plea (50.)
Zuschauer: keine
Gelbe Karten: Mavropanos, Gonzalez, Anton (2) - Bensebaini, Stindl

Die Borussia, auf die am Samstag das rheinische Derby gegen Köln wartet, blieb 2021 auch im siebten Spiel ungeschlagen (fünf Siege) und tanzt damit weiter auf drei Hochzeiten. In drei Wochen kommt es zum mit Spannung erwarteten Achtelfinal-Kracher in der Champions League gegen Manchester City. Direkt vor der Partie hatte Manager Max Eberl die Gladbacher Ambitionen noch einmal unterstrichen und in der ARD von einem "großen Traum" gesprochen, endlich einmal wieder "was in die Höhe stemmen zu können". Zuletzt war die Borussia 1995 Pokalsieger.

Beide Trainer tauschten die Torhüter. Beim VfB, der seinen verletzten Kapitän Gonzalo Castro ersetzen musste, stand Bredlow für Stammkeeper Gregor Kobel zwischen den Pfosten. Bei Gladbach erhielt Tobias Sippel für Yann Sommer eine Bewährungsprobe. Doch bereits in der zweiten Minute musste Sippel den Ball aus dem Netz holen. Nach Eckball für Gladbach startete der VfB einen Konter, den der pfeilschnelle Wamangituka gekonnt abschloss. Der VfB-Angreifer ließ die VfL-Defensive nicht gut aussehen.

Gladbach benötigte nach dem frühen Schock in einer Partie "mit Champions-League-Charakter" (VfB-Coach Pellegrino Matarazzo) etwas Anlaufzeit. Immer wieder unterband der VfB mit hartem Einsatz zunächst die Offensivaktionen der Gäste - bis zur 19. Minute: Da klärte Waldemar Anton nach einer scharfen Hereingabe von Thuram auf der Linie.

Gladbach, das über die unterklassigen Elversberg (5:0) und Oberneuland (3:0) das Achtelfinale erreicht hatte, agierte danach überlegen. Die größte Chance vergab Plea, der an Bredlow scheiterte (36.), ehe Thuram dem VfB-Keeper mit einem sehenswerten Schuss ins lange Eck keine Chance ließ. Nach dem Wechsel erwischten die Gäste den besseren Start - begünstigt allerdings durch Bredlow, der beim Herauslaufen ausrutschte. Plea schob den Ball ins leere Tor. Gladbach zog sich früh zurück, für den VfB ergaben sich Chancen. Sasa Kalajdzic scheiterte nach gut einer Stunde zweimal per Kopf.

SSV Jahn Regensburg - 1. FC Köln 4:3 i.E. (2:2, 2:2, 2:2)

K.o. im Elfmeterschießen: Der 1. FC Köln ist nach einem Krimi gescheitert. Beim Zweitligisten Jahn Regensburg verlor das Team von Trainer Markus Gisdol 3:4 im Elfmeterschießen und verpasste eine willkommene Prämie in Millionenhöhe. Nach der Verlängerung hatte es 2:2 gestanden. Max Besuschkow verwandelte den entscheidenden Elfmeter für den Underdog. Jahn-Keeper Alexander Meyer parierte gegen Jorge Mere, Jannes Horn schoss am Tor vorbei. Für Regensburg ist der Einzug ins Viertelfinale der größte Erfolg im DFB-Pokal. Für den FC geht die Misere dagegen weiter. Zuletzt hatte Köln 2009/2010 die Runde der letzten Acht erreicht.

Jahn Regensburg - 1. FC Köln 2:2 (2:2, 2:2) n.V., 4:3 i.E.

Regensburg: Meyer - Saller (83. Heister), Nachreiner (25. Kennedy), Elvedi, Besuschkow - Gimber, Stolze (105. Becker) - Wekesser, George (69. Vrenezi) - Otto (69. Caliskaner), Albers. - Trainer: Selimbegovic
Köln: Timo Horn - Mere, Czichos, Jannes Horn - Skhiri - Wolf (33. Schmitz), Katterbach (106. Drexler) - Rexhbecaj (46. Salih Özcan) - Duda (46. Meyer), Dennis (96. Arokodare), Jakobs. - Trainer: Gisdol
Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen)
Tore: 0:1 Jakobs (4.), 0:2 Dennis (22.), 1:2 Kennedy (35.), 2:2 George (43.)
Zuschauer: keine
Gelbe Karten: Vrenezi - Schmitz, Czichos
Bes. Vorkommnis: Meyer hält Handelfmeter von Dennis (78.)
Elfmeterschießen: 0:1 Czichos, 1:1 Wekesser, 1:2 Özcan, 2:2 Gimber, 2:3 Arokodare, Horn hält Elfmeter von Albers, Meyer hält Elfmeter von Mere, 3:3 Vrenezi, Horn schießt rechts am Tor vorbei, 4:3 Besuschkow

Köln verspielte eine 2:0-Führung. Ismail Jakobs (4.) und Emmanuel Dennis (22.) hatten den Favoriten scheinbar komfortabel in Führung gebracht. Dennis scheiterte zudem mit einem Handelfmeter an Alexander Meyer (78.). Der Zweitligist hielt mit großem Einsatz dagegen, Scott Kennedy (35.) und Jann George (44.) gelang der zwischenzeitliche Ausgleich.

Der Rasen war vom Regen durchweicht, Schiedsrichter Robert Hartmann entschied erst kurz vor Anpfiff, dass die Partie stattfinden kann. Und der Verlauf spielte dem Favoriten aus Köln zunächst in die Karten: Jakobs traf mit der ersten Chance, Dennis mit der zweiten. Bei beiden Toren war Regensburgs Defensive schlicht zu langsam. Ansonsten war kaum ein Klassenunterschied zu sehen - im Gegenteil: Das Team von Trainer Mersad Selimbegovic kämpfte sich mit Leidenschaft zurück und übernahm die Kontrolle. Kennedy nutzte ein Durcheinander im Kölner Strafraum zum Anschluss.

Unmittelbar vor dem Ausgleich jubelte der FC über das vermeintliche 3:1. Doch Benno Schmitz' Treffer (39.) zählte nach einem Hinweis aus dem Kölner Videokeller nicht - und während der Bundesligist noch haderte, behielt George frei vor Timo Horn die Nerven.

Köln hielt sich weiter zurück und lauerte auf Fehler, um die Tempovorteile in der Offensive auszuspielen. Bei eigenem Ballbesitz fiel Gisdols Team zu wenig ein, um die aufmerksamen Gastgeber zu überlisten. Doch Regensburg blieb konzentriert und leistete sich kaum noch einfache Fehler. Özcan (63.) vergab die erste große Kölner Möglichkeit im zweiten Durchgang. Erst in der Schlussphase drängte Köln auf die Entscheidung. Regensburg lieferte dem Favoriten weiter einen großen Kampf und gewann wie schon in der ersten Runde in Kaiserslautern und in der zweiten Runde in Wiesbaden im Elfmeterschießen.

Quelle: ntv.de, tsi/sid