SV Elversberg - Bayer Leverkusen 3:2 (2:0)
Die SV Elversberg hat bei ihrer historischen Bundesliga-Premiere ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und den haushohen Favoriten Bayer Leverkusen gestürzt. Der vor allem anfangs furios aufspielende Aufsteiger bezwang die Werkself sensationell mit 3:2 (2:0) und erwischte einen Traumstart in seine erste Saison im Oberhaus. Der mit 13.000 Einwohnern kleinste Erstliga-Standort der Historie nahm den Europapokal-Teilnehmer dabei phasenweise auseinander.
Lukas Petkov (8.) und Cole Campbell (9.) brachten die Saarländer mit einem Doppelschlag binnen 61 Sekunden in Führung, David Mokwa (46.) legte direkt nach der Pause nach. Patrik Schick (77.) und Christian Kofane (90.+1) gelang in der Schlussphase nur noch Ergebniskosmetik.
Bayers neuer Trainer Carles Martínez erlebte ein Albtraum-Debüt in der Bundesliga, sein Team agierte über weite Phasen des Spiels viel zu fehlerhaft und harmlos. Für den Traum von der Rückkehr in die Champions League müssen sich die Rheinländer gewaltig steigern.
Die SV Elversberg betrat als 59. Verein die große Bühne Bundesliga, brachte das Saarland nach 33 Jahren zurück in die deutsche Elite-Liga. Die Mission Klassenerhalt bezeichnete Trainer Vincent Wagner als "Reise zum Mars". Zum Auftakt trafen 35 Millionen Euro Marktwert auf eine Leverkusener Startelf im Wert von knapp 240 Millionen Euro. "Das spricht doch eine deutliche Sprache", betonte Wagner: "Das Spiel startet glücklicherweise trotzdem bei 0:0."
Und auf dem Platz war vor gerade einmal 9307 Zuschauern in der Stadion-Baustelle dann tatsächlich verkehrte Welt, der aufmüpfige Außenseiter spielte den haushohen Favoriten in den Anfangsminuten an die Wand. Erst traf Petkov zum ersten Erstliga-Tor der Vereinsgeschichte von der Strafraumkante, Loic Badé fälschte unhaltbar für Mark Flekken ab. Nur 61 Sekunden später bestrafte Vereinsrekordtransfer Campbell einen kapitalen Fehler von Edmond Tapsoba.

Video erweckt erstes Bundesligator zum Leben
Leverkusen stand völlig neben sich, leistete sich in der eigenen Hälfte einen Ballverlust nach dem anderen und hatte riesige Probleme mit dem blitzschnellen Umschaltspiel der Saarländer. Francis Onyeka und Felix Keidel ließen bei einer riesigen Doppelchance gar das frühe 3:0 liegen (14.). Erst nach gut 20 Minuten bekam Bayer die Partie etwas in den Griff und trat selbst auch offensiv in Erscheinung. Badé köpfte knapp vorbei (21.), Aleix Garcia traf per Freistoß die Latte (37.).
Nach dem Seitenwechsel erwischte aber erneut Elversberg den besseren Start, Mokwa verwertete 27 Sekunden nach Wiederbeginn eine Flanke von Petkov. Martínez reagierte mit einem Dreifachwechsel, doch seine Mannschaft entwickelte gegen den nun tiefstehenden Block des Aufsteigers kaum Ideen. Trotz der Treffer von Schick und Kofane reichte es nicht mehr für die Wende.
Union Berlin - Eintracht Frankfurt 3:3 (1:2)
Eintracht Frankfurt hat trotz eines Dreierpacks von Younes Ebnoutalib den ersten Saisonsieg verspielt. Zum Liga-Auftakt kam die Mannschaft von Trainer Adi Hütter bei Union Berlin nach einer zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Führung nicht über ein 3:3 (2:1) hinaus.
Neuzugang Emmanuel Latte Lath (3.) brachte die Unioner sehr früh in Führung, ehe Ebnoutalib (10., 11. und 67.) im Alleingang die Eintracht vermeintlich auf die Siegesstraße schoss. Doch Leopold Querfeld (79.) und Tim Skarke (90.+3) mit der Hacke trafen für die Berliner zum umjubelten Ausgleich.
Vor seiner Rückkehr zu den Hessen, die er bereits von 2018 bis 2021 trainiert hatte, hatte Hütter gesagt, er freue sich "riesig, dass es endlich losgeht". Für Unions neuen Trainer Mauro Lustrinelli war es dagegen das erste Bundesliga-Spiel überhaupt. Der Schweizer, der mit dem FC Thun in der vergangenen Saison noch Schweizer Meister geworden war und im Sommer in Berlin vorgestellt wurde, feierte damit seinen ersten Punktgewinn im deutschen Oberhaus.
Union erwischte einen Blitzstart. Latte Lath brachte die Köpenicker früh in Führung. Der Ivorer, der erst vor wenigen Wochen leihweise von Atlanta United nach Berlin gewechselt war, köpfte nach einer Ecke von Josip Juranovic ein und verpasste Noah Atubolu damit dessen ersten Gegentreffer im Frankfurter Tor. Der 24-Jährige war erst am Vortag nach einem monatelangen Wechselpoker auf Leihbasis zur Eintracht gewechselt.
Doch auch Frankfurt zeigte schnell, dass Standards eine Waffe sein können. Ebnoutalib traf nach einer Ecke zum Ausgleich – und legte nur 51 Sekunden später nach. Nach dem Anstoß der Unioner verlor Leopold Querfeld bei der Ballannahme zu viel Zeit. Ebnoutalib setzte nach, eroberte den Ball und lief anschließend ohne Gegenwehr auf Matheo Raab zu. Gegen den Abschluss des Frankfurters war der Union-Torwart chancenlos.
Nach der 0:7-Klatsche im Testspiel gegen den FC Brentford hatte Hütter seine Mannschaft als "Diva vom Main" bezeichnet. Gleichzeitig hatte der 56-Jährige gehofft, die deutliche Niederlage sei "vielleicht auch zum richtigen Zeitpunkt ein Schuss vor den Bug". In der ersten Hälfte zeigte seine Mannschaft die erhoffte Reaktion: Die beiden schnellen Gegentreffer brachten Union aus dem Rhythmus, Frankfurt übernahm zunehmend die Kontrolle und bestimmte das Spiel. Erst in der 40. Minute kamen die Gastgeber wieder zu einer guten Gelegenheit, als Tom Rothe den Ball von links flach in die Mitte brachte, Michel Aebischer die Hereingabe jedoch verpasste.
Die zweite Hälfte begann zäh. Beide Mannschaften kamen zunächst kaum zu gefährlichen Aktionen, insbesondere Frankfurt konnte nicht an die starke erste Hälfte anknüpfen. Erst in der 67. Minute sorgte erneut Ebnoutalib für Gefahr: Der 22-Jährige, der im Januar zur Eintracht gewechselt war, bekam einen Abpraller von Teamkollege Elias Baum vor die Füße und vollendete zum ersten Dreierpack seiner Bundesliga-Karriere.
Union Berlin versuchte daraufhin alles, um nochmal heranzukommen. Während Atubolu zunächst zwei Torschüsse bravourös abwehrte, war der dritte hintereinander zu viel. Wieder nach einer Ecke von Juranovic kam ein Unioner frei zum Abschluss - diesmal war es Querfeld, der per Kopf traf. In der Nachspielzeit sorgte Skarke für Berliner Jubelstürme.
RB Leipzig - Borussia Mönchengladbach 3:0 (1:0)
Tor-Debüt der "Reitz"-Figur, eine traumhafte Rückkehr von Christopher Nkunku: Auch dank seiner Neuzugänge hat Trainer Martin Demichelis eine perfekte Bundesliga-Premiere für RB Leipzig gefeiert. Die Sachsen besiegten Borussia Mönchengladbach mit 3:0 (1:0). Nach dem Neuanfang unter dem Nachfolger des entlassenen Ole Werner sowie nach dem 120 Millionen Euro schweren Abgang von Starspieler Yan Diomande zu Real Madrid liegt RB zu Saisonbeginn auf Kurs.

"Selbst wenn Bayern 10:0 führen würde, würden die weitermachen"
Nationalspieler Ridle Baku (26.), Antonio Nusa (49.) und der Ex-Gladbacher Rocco Reitz (66.) trafen für die Leipziger, deren Ziel trotz aller Veränderungen und des Wechsels von Ex-Red-Bull-Fußballchef Jürgen Klopp ins Bundestrainer-Amt erneut die Qualifikation für die Champions League ist.
Dafür liehen die Leipziger unter anderem den früheren Bundesliga-Torschützenkönig Nkunku von der AC Mailand aus, um die Lücke zu füllen, die Diomande hinterlassen hatte. Drei Jahre nach seinem Abschied aus Leipzig gab er gegen Gladbach sofort sein Comeback und kam in der zweiten Hälfte von der Bank. Und legte nur Sekunden später den Treffer von Reitz auf, der nach seinem Wechsel in der Sommerpause mit lautstarken Pfiffen von den mitgereisten Gladbacher Fans empfangen worden war.
"Es ist für mich eine große Ehre. Ich werde versuchen, es zu genießen", hatte Demichelis über sein erstes Bundesliga-Spiel als RB-Coach im Vorfeld gesagt. Er sollte zu Beginn nicht allzu viele Offensivaktionen sehen. Gladbach spielte mutig mit, ließ keine Großchancen zu und wurde selbst gefährlich. Einen Schuss von Hugo Bolin (21.) lenkte RB-Torwart Maarten Vandevoordt an den Pfosten, ehe er den Abpraller vor dem heraneilenden Tim Kleindienst von der Linie kratzte.
Doch Leipzig hatte die passende Antwort. Mit dem ersten guten Spielzug der Partie hebelten Baku und Tidiam Gomis, zunächst Mittelstürmer statt Nkunku, die Gladbacher Abwehr per Doppelpass aus - und der deutsche Nationalspieler schob eiskalt ein. Zwar steckten die Gäste in der Folge nicht auf, aber RB erhöhte den Druck. Antonio Nusa (38.) zielte nach Flanke von Kapitän David Raum nur knapp daneben, Willi Orban (42.) traf per Kopf die Latte.
Nach der Pause kamen die Leipziger viel zwingender aus der Kabine, als sie das Spiel begonnen hatten. Und sie fingen gar an zu zaubern. Mit der Hacke legte Gomis auf Nusa ab, der Norweger gönnte sich ein paar Übersteiger, bevor er den Ball wunderschön ins Netz schlenzte. Über Konter stellte RB Gladbach immer wieder vor Probleme, Fohlen-Keeper Moritz Nicolas bewahrte seine Mannschaft mit mehreren aberwitzigen Paraden innerhalb weniger Minuten vor der Vorentscheidung.
Nach 64 Minuten brandete schließlich Jubel auf: Nkunku kam für Gomis in die Partie und setzte sofort Reitz bei einem weiteren überlegt gefahrenen Umschaltangriff bestens in Szene, der Ex-Gladbacher jubelte nach seinem Tor nur verhalten.
1.FC Köln - TSG Hoffenheim 3:2 (0:1)
Dank eines Doppelpacks des Neuzugangs Thijs Dallinga ist der 1. FC Köln mit einem Sieg in die neue Saison gestartet. Der Niederländer traf in der Schlussphase zweimal zum 3:2 (0:1) gegen den Europa-League-Teilnehmer TSG Hoffenheim. Auch Shootingstar Said El Mala steuerte einen Treffer für das Team von Trainer René Wagner in der turbulenten zweiten Halbzeit bei.
Trotz eines engagierten Kölner Auftakts hatte TSG-Neuzugang Adam Daghim die Gäste zunächst in Führung gebracht (26.). Der FC wirkte erst beeindruckt, meldete sich aber nach der Pause emotional zurück. El Mala traf zum 1:1 (51.), FC-Keeper Marvin Schwäbe parierte einen Foulelfmeter von TSG-Angreifer Max Moerstedt (57.). Die erneute Hoffenheimer Führung durch Verteidiger Ozan Kabak (67.) konterte der eingewechselte Kölner Stürmer Dallinga (72./82.).
Wagner erwartete "ein anderes Spiel" als noch beim mühevollen 2:1 im DFB-Pokal bei den Würzburger Kickers: "Wir freuen uns auf ein volles Stadion und viel Energie. Wir haben eine große Chance, das Spiel zu gewinnen. Ich glaube, dass wir die richtigen Mittel und Wege finden werden, den Hoffenheimern wehzutun."
Das versuchte Köln vor allem über El Mala. Das Supertalent, das im Sommer heiß umworben wurde, schlussendlich aber seinen Vertrag verlängerte, wurde bei einem Schussversuch aus spitzem Winkel geblockt - das Abspiel in die Mitte wäre möglich gewesen (5.). Auch der Abschluss von Mittelfeldspieler Tom Krauß nach einer Ecke wurde geblockt.
Die Spielkontrolle des FC durchbrach Hoffenheim einzig mit Standardsituationen. Patrick Wimmer kam nach einem Einwurf zur ersten Torgelegenheit (11.), auch bei Freistößen an der Mittellinie ließ sich Köln von der TSG immer wieder mit allen Feldspielern in den eigenen Strafraum treiben. Es rächte sich: Nach einem erneuten ruhenden Ball traf Daghim für den Vorjahresfünften.
Hoffenheim übernahm die Kontrolle, ohne gefährlich zu werden, Köln erlebte einen Bruch im Spiel. El Mala versuchte es verzweifelt aus 30 Metern (33.), danach wurde ihm ein Geschenk serviert. Ein Rückpass von TSG-Mittelfeldspieler Leon Avdullahu landete in seinen Füßen, frei vor dem Tor scheiterte er jedoch an Oliver Baumann (40.).
Besser lief es nach der Pause. El Mala glich viel umjubelt aus, Schwäbe befeuerte die Euphorie vor 49.700 Fans erst mit einem gehaltenen Elfmeter, nachdem Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey gefoult hatte. Dann rettete der Torhüter abermals in höchster Not gegen Moerstedt (59.). Den kurzen Dämpfer durch Kabak machte Neuzugang Dallinga wett.
1.FSV Mainz 05 - SC Paderborn 0:0
Ein Punkt beim Comeback: Aufsteiger SC Paderborn ist mit einem Achtungserfolg in seine insgesamt dritte Saison in der Fußball-Bundesliga gestartet. Die Ostwestfalen kamen beim FSV Mainz 05 zu einem 0:0.
Der Neuling erarbeitete sich den Punktgewinn dank einer konzentrierten Defensivleistung, Mainz konnte sich trotz zahlreicher Torchancen nicht belohnen. Ein Auftaktsieg im Oberhaus gelang Paderborn auch im dritten Anlauf nach den Spielzeiten 2014/15 und 2019/20 indes nicht. Mainz wartet saisonübergreifend seit nunmehr vier Heimspielen in der Bundesliga auf einen Dreier.
Paderborns Trainer Ralf Kettemann hatte im Vorfeld auf die Besonderheit der Partie für seinen Klub verwiesen: "15.30 Uhr ist in Deutschland das Nonplusultra", hatte er gesagt, "es wird ein einmaliger Moment. Daher ist es mir auch ein Anliegen, dass wir es auch genießen." Die Paderborner Defensive allerdings war gleich zu Beginn ordentlich gefordert, weil Mainz auf die frühe Führung drängte: Eine Direktabnahme von Jae-Sung Lee landete am rechten Außennetz (2.).

Klopp sieht keine Gefahr für Karriere von Jamal Musiala
Das Team von Trainer Urs Fischer, der den vom 1. FC Nürnberg gekommenen Fabio Gruber in der Innenverteidigung aufbot, versuchte in der Folge, sich den Gegner zurechtzulegen - Paderborn allerdings stand kompakt. Weil die Gäste selbst offensiv kaum Gefahr erzeugten, ließen Torraumszenen zunächst auf sich warten. Es dauerte bis zur 24. Minute, bis sich dem freistehenden Lee eine aussichtsreiche Kopfballgelegenheit bot, doch der Südkoreaner vergab aus elf Metern deutlich.
So schöpfte auch Paderborn langsam mehr Mut und näherte sich nach 31 Minuten erstmals gefährlich an, doch Gruber rettete vor Stefano Marino. Ein Weckruf für die Hausherren, die nun eine Reihe von Gelegenheiten verzeichneten, doch weder Nadiem Amiri (35.), Phillip Tietz bei seinem Kopfball an die Latte (37.) noch Kaishu Sano (39.) waren erfolgreich.
Daran wollten die "Nullfünfer" mit Beginn der zweiten Halbzeit etwas ändern: Doch während Amiri vergeblich Elfmeter forderte, parierte SCP-Keeper Nahuel Noll den Versuch von Phillipp Mwene (49.). Trotz des Spielstandes schien Paderborns Coach Kettemann nur bedingt zufrieden mit seinem Team, der 40-Jährige gestikulierte emotional an der Seitenlinie - an der Überlegenheit des FSV änderte sich jedoch nichts.
Allerdings kamen auch die Rheinhessen nun kaum noch vor das Tor des Gegners, weshalb die Partie mit zunehmender Spieldauer vor allem von der Spannung lebte.



