Fußball

Bei Testspiel in Tschechien Chemnitzer Hools schockieren mit Nazi-Parolen

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Der Chemnitzer FC fällt wieder einmal mit seinem Rechtsradikalen-Problem auf.

(Foto: imago images/foto2press)

Etwa 50 Hooligans des Chemnitzer FC marschieren mit rechtsradikalen Parolen durch die tschechische Stadt Most. Der Verein verweist auf eine "unbelehrbare Minderheit", der Oberbürgermeister von Chemnitz reagiert schockiert. Andere wundern sich nicht mehr über die Rechtsradikalen.

Der Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC hat sich nach einem Testspiel bei FK Banik Most-Sous in Tschechien von "Personen mit rechtsradikalen Parolen" distanziert. Der Verein hatte Kenntnis über ein Video erlangt, das eine Gruppe zeigt, die am gestrigen Samstag mit rechtsradikalen Parolen durch die Straßen von Most gezogen ist. Das Video liegt auch ntv.de vor.

"Erneut zieht damit eine unbelehrbare Minderheit den Ruf des gesamten Chemnitzer Fußballklubs in den Dreck und konterkariert alle bisherigen Anstrengungen das Bild unseres Vereins zu verbessern", hieß es in der Vereinsmitteilung. Die Aufnahmen zeigten die "hässliche Fratze des rechten Randes der Gesellschaft, aber ganz gewiss nicht den Chemnitzer FC und das, wofür er stehen möchte".

Bei der Gruppierung soll es sich um Mitglieder der rechtsradikalen Ultra-Gruppierung "Kaotic Chemnitz" handeln, die vom Verein mit einem Erscheinungsverbot im heimischen Stadion belegt worden ist. Die Gruppe wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Teile dieser Gruppierung wurden im heimischen Stadion an der Gellertstraße mit einem Stadionverbot belegt. Verein sowie Polizei ermitteln in dem Fall.

Nach Informationen von ntv.de wurde die Gruppierung in diesem Moment nicht von den Szene-Kontaktbeamten (SKB) der Polizei Chemnitz begleitet. Die waren mit zum ersten Spiel vor Fans im Jahr 2021 gereist. Rund 40 bis 50 Leute sind auf dem Video zu sehen. "Sieg Heil", ist zu hören. Insgesamt 350 Fans sollen die Himmelblauen zum Auswärtsspiel nach Tschechien begleitet haben.

Nicht der "wahre CFC"

Aus dem Umfeld des sächsischen Viertligisten ist zu hören, dass der Verein sehr wohl "ein Problem mit diesen Gruppierungen" habe, es aber auch "ein gesellschaftliches Problem der Stadt Chemnitz" sei. "Wir brauchen Stadt, Polizei, Justiz, um das Problem zu lösen", berichten Quellen aus dem Klub. In der vergangenen Woche hatte sich der Verein an der Regenbogen-Aktion rund um das EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn beteiligt. Der Klub habe in den sozialen Netzwerken einigen Zuspruch dafür erhalten, ist zu hören. Die Rückmeldung habe den Verein auch über nicht öffentlich einsehbare Kanäle erreicht, wohl auch "aus Angst, sich öffentlich zu positionieren".

Der Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz, Sven Schulze, bezog am Sonntagnachmittag klar Stellung. Der SPD-Politiker zeigte sich schockiert von den Bildern, die "mit sportlichem Wettbewerb im Fußball und friedlichen und respektvollem Zusammenleben in unserer Gesellschaft nichts zu tun" haben, hieß es in dem Statement. "Dafür gibt es keine Toleranz, dafür gibt es keine Entschuldigung. Die Vorkommnisse im und am Stadion in Most spiegeln die Verankerung von rechtsradikalem, homophoben und damit menschenverachtenden Gedankengut in Teilen unserer Gesellschaft wider. Hier dürfen wir nicht wegschauen."

Dies sei nicht der "wahre CFC". "Wir müssen jetzt diejenigen im CFC stärken, die sich für ein friedliches, weltoffenes, sportlich faires und positives Bild des Fußballs einsetzen. Dazu muss auch der Verein seinen Beitrag leisten. Aber er braucht aus der Mitte der Gesellschaft auch Unterstützung auf diesem Weg."

Der Chemnitzer FC schreibt nicht zum ersten Mal negative Schlagzeilen. Die Himmelblauen gelten als "Schmuddelkinder". Der Verein erarbeitet nach einem im März abgeschlossenen Insolvenzverfahren aktuell ein neues Leitbild. Er will sich neu positionieren. Aus gutem Grund: Die gewalttätige rechte Fanszene des Klubs war im März 2019 in die Schlagzeilen geraten, als es beim Spiel der Regionalliga Nordost gegen die VSG Altglienicke zu einer Schweigeminute für den verstorbenen Anführer der Gruppe "Hooligans Nazis Rassisten" gekommen war.

"Wie oft ist Fahrlässigkeit entschuldbar?"

Der damalige Chemnitz-Spieler Daniel Frahn hielt nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 3:2 ein schwarzes Shirt mit der Aufschrift "Support your local hools" in die Höhe. Er sagte im Anschluss, er sei "kein Nazi" und ihm sei nicht klar gewesen, "dass dieses Shirt so tief in der Neo-Nazi-Szene verankert ist." Das Sportgericht sperrte ihn dennoch für vier Spiele. Im August 2019 suspendierte der Verein den damaligen Mannschaftskapitän nach einem weiteren Vorfall, der ihn erneut in die Nähe der Gruppe "Kaotic Chemnitz" rückte.

Im Sommer 2018 hatten in Chemnitz Rechtsradikale Hetzjagden auf Geflüchtete veranstaltet. Wochenlang war die Stadt in den Schlagzeilen, meist waren es negative. Dem Verfassungsschutz zufolge waren an den Hetzjagden auch "Kaotic Chemnitz" beteiligt, also die Gruppe, die nun wieder in die Schlagzeilen rückt. "Wie kann man nach all der Zeit ohne Zuschauer, ein Testspiel in Tschechien ansetzen? Das ist mindestens fahrlässig", wundert sich jemand, der mit dem Chemnitzer FC in der Vergangenheit oft zu tun hatte. Er fragt: "Wie oft ist Fahrlässigkeit entschuldbar?"

Quelle: ntv.de, sue

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