Fußball

Horrorserie auch beim 1. FC Köln Coach Gisdol zählt seine Fußballer hart an

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Am Boden: der 1. FC Köln.

(Foto: imago images/Norbert Schmidt)

In einem einzigen Spiel stellt der 1. FC Köln drei Negativ-Rekorde seiner langen Historie in der Fußball-Bundesliga ein und stürzt auf einen Abstiegsplatz. Trainer Markus Gisdol begeht in seinem Ärger über den Absturz einen Stilbruch gegenüber der Mannschaft.

Nach dem fatalen Dreifach-Rekord stellte Trainer Markus Gisdol die Charakter-Frage. "Wir sind viel zu leise und zu brav. Das gefällt mir nicht", sagte der Trainer des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln nach dem 1:2 (1:1) gegen Union Berlin und den Absturz auf einen Abstiegsplatz: "Andere Mannschaften feuern sich an, wehren sich mehr. Da muss ich meine Mannschaft in die Verantwortung nehmen." Für Gisdol war es ein klarer Stilbruch, schließlich hat sich der Coach bisher stets vor seine Mannschaft gestellt und die Misserfolge vorrangig mit fehlendem Selbstvertrauen und mangelnder Eingespieltheit begründet.

Die Kritik äußerte der 51-Jährige nun nicht auf Nachfrage, sondern brachte sie selbst öffentlich hervor. "Wir dürfen nicht den Kopf verlieren und müssen klar bleiben", sagte Gisdol: "Aber wir müssen intern hart sprechen." Das forderte nun auch Sportchef Horst Heldt. Denn es wäre "das Allerallerschlimmste, wenn wir uns irgendwas in die Tasche lügen und etwas gutreden würden, was nicht gut ist". Seine Rückendeckung für Gisdol erneuerte er aber. "Es bleibt dabei", sagte Heldt: "Solange wir überzeugt sind, werden wir daran festhalten. Und wir sind überzeugt." Der Trainer stehe "genauso in der Verantwortung, die Probleme zu lösen, wie die Spieler". Die Situation des FC sei freilich "sehr, sehr schwierig, keine Frage", gab Heldt zu.

Die lang ersehnte Rückkehr des Kapitäns und "unumstrittenen Führungsspielers" Jonas Hector nach zweimonatiger Verletzungspause wird die Probleme alleine nicht lösen. Am Sonntag sprach Hector vor dem Spiel und zur Halbzeit in der Kabine zur Mannschaft. Der Effekt blieb aus. Und so stellte der FC in einem einzigen Spiel gleich drei Minus-Rekorde ein. Köln ist seit 18 Spielen ohne Sieg, blieb 19 Mal in Folge nicht ohne Gegentor und wartet seit zehn Spielen auf einen Heimerfolg. Bei den ersten beiden Höchstwerten wird das aktuelle Team am nächsten Samstag wohl alleiniger Rekordhalter werden, wenn der FC bei Borussia Dortmund antreten muss.

Vier Klubs machen Hoffnung

So machen im Kampf um den Klassenerhalt derzeit vor allem vier Dinge Hoffnung. Sie heißen: Schalke, Bielefeld, Mainz und Freiburg. Die Schwäche der Konkurrenz und das Schnecken-Rennen im Tabellenkeller sind derzeit der größte Mutmacher für den FC, der kurioserweise im Falle eines Unentschiedens gegen Union nach acht Spieltagen ohne Sieg auf dem rettenden 15. Platz gestanden hätte. Nun belegt Köln erstmals in dieser Spielzeit einen direkten Abstiegsplatz. "Diese außergewöhnliche Situation, die wir haben, spiegelt sich im Tabellenbild wider. Und darin, dass mehrere Vereine mit großen Problemen zu kämpfen zu haben", sagte Gisdol über die Corona-Zeit: "Mit dieser Situation musst du klarkommen, dann hast du eine Chance, es zu einem glücklichen Ende zu bringen."

Auch Timo Horn, der im 17. Anlauf als erster Bundesliga-Torhüter einen Elfmeter von Max Kruse hielt, im Nachschuss aber das Tor hinnehmen musste, macht es Hoffnung, "dass da ein paar Mannschaften dabei sind, die wir mit einem Sieg überholen können. Wir wissen, dass wir uns rauskämpfen können", sagte Horn: "Wenn wir nicht an uns glauben, wer dann?" Doch der Glaube in den eigenen Reihen schwindet zumindest. "Wenn wir die Fehler nicht abstellen, gewinnen wir dieses Jahr kein einziges Spiel", sagte Innenverteidiger Rafael Czichos. Gegen die Untergangs-Stimmung will Gisdol ankämpfen. "Wenn du dir von Anfang an im Klaren bist, dass die ganze Saison ein Kampf ums Überleben wird, dürfen dich Rückschläge nicht in die Nähe der Verzweiflung bringen", sagte er. Der Ton wird aber dennoch rauer.

Quelle: ntv.de, Holger Schmidt, dpa