Fußball

"Wenn man realistisch ist ..." Der BVB kommt der "Katastrophe" immer näher

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Erling Haaland, frustriert.

(Foto: Jan Huebner/Pool)

Nein, mit einer Qualifikation für die Champions League sollten sie bei Borussia Dortmund nicht mehr rechnen: Groß ist der Abstand auf Eintracht Frankfurt, das Schlüsselspiel geht verloren. Nun wachsen die Sorgen. Mats Hummels spricht schon von der drohenden Katastrophe.

Hat Borussia Dortmund an diesem Samstagnachmittag viel mehr verloren als nur ein Bundesligaspiel? Man muss es annehmen, denn durch das 1:2 gegen Eintracht Frankfurt ist der BVB nun sieben Punkte von einem Champions-League-Platz entfernt. "Es ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel, wie der Blick auf die Tabelle zeigt. Inwiefern das ein Endspiel ist, kann man noch nicht sagen. Aber wir können den Abstand verkleinern", hatte Trainer Edin Terzic vor dem Spiel gesagt - es kam anders.

Hinterher ordnete Abwehrspieler Mats Hummels die Pleite pessimistisch ein: "Die Chance, noch die Champions League zu erreichen, die ist jetzt klein. Wir müssen jetzt schauen, dass wir unsere Siege einfahren. Wir haben uns mit den Spielen in Köln und gegen Frankfurt ein großes Loch gegraben", schimpfte der Torschütze zum zwischenzeitlichen Ausgleich. "Wenn man realistisch ist, dürfte es selbst mit sechs oder sieben Siegen sehr schwer werden, noch auf Platz vier zu kommen. Von daher wird das jetzt erst mal nicht mehr unser Thema sein."

"Sportlich und finanziell eine Katastrophe"

Sportlich wäre ein Jahr in der Europa League bitter, auch ein Abrutschen in die in der Bundesliga zwischen unbekannt und ungeliebt changierenden neuen Conference ist nicht ausgeschlossen. Strukturell wäre alles andere als eine Teilnahme an der finanziell so wichtigen Königsklasse dramatisch: "Nicht die Champions League zu erreichen, wäre sportlich und finanziell eine Katastrophe. Da sind wir nah dran", weiß Hummels. Und erklärt gleich, was der Katastrophenfall konkret bedeuten könnte: "Logischerweise hat das finanzielle Konsequenzen und es kann sein, dass man einen nicht kaufen kann, den man haben will und einen verkaufen muss, den man halten will."

Halten würden sie in Dortmund vor allem gerne Erling Haaland. Der Norweger dürfte zuvorderst von Hummels gemeint gewesen sein, auch wenn der es nicht ausgesprochen hatte. Haalands Berater Mino Raiola und Vater Alf-Inge Haaland soll derzeit auf Europa-Tour sein, um sich mit internationalen Topklubs besprechen, die sich die Dienste des Torjägers sichern wollen. Spanische Medien berichten von Treffen mit dem FC Barcelona, auch in Madrid sei das Duo vorstellig geworden, zuletzt seien sie nach London weitergereist.

Dortmund tut "sehr, sehr entspannt"

Vor dem Spiel hatte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl noch versichert, man gehe "ehrlich gesagt mit der Situation sehr entspannt um", man plane für die kommende Saison "fest mit Erling". Auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc hatte gelassen auf Medienberichte aus Spanien reagiert: "Unser Standpunkt ist sehr klar. Ich bin in dieser Angelegenheit sehr, sehr entspannt, weil ich weiß, was wir wollen." Außerdem "hatten wir vor Kurzem erst ein sehr gutes Gespräch" mit dem Haaland-Lager, "es war sehr gut und offen." Haalands Vertrag in Dortmund läuft noch bis 2024, eine Ausstiegsklausel soll erst im Sommer 2022 greifen.

Doch bei einem gewaltigen Angebot, wie es für den auch in der Champions League so ungeheuer erfolgreichen 20-Jährigen kommen müsste, würden auch den coronagebeutelten Dortmundern die Argumente ausgehen, die ihren Torjäger für ein weiteres Jahr in Schwarz-Gelb begeistern sollen. 33 Tore erzielte Haaland in bisher 31 Pflichtspielen, mit zehn Treffern führt er auch die Torjägerliste in der Champions League an. Beim enttäuschenden 2:2 am vergangenen Spieltag in Köln hatte Haaland sichtlich verärgert den Platz verlassen, trotz zweier eigener Tore.

Haalands "Glitzern in den Augen"

Es scheint unvorstellbar, dass die Dortmunder Lebensversicherung mit großer Lust auf ein Jahr Champions League, also in der allerersten Reihe des europäischen Klubfußballs, verzichten würde. Kehl war Nachfragen betont vielsagend ausgewichen, ob Haaland bereits einen Wechselwunsch für den kommenden Sommer hinterlegt habe. Nein, darauf wolle er nicht antworten, sagte er. Stattdessen versicherte er: "Ich habe den Jungen in den letzten Tagen im Training gesehen und gesehen, wie viel Hunger, was für ein Glitzern er in den Augen hat, wie viel Vorfreude er auf das Spiel gegen Frankfurt hat. Er wird sich zu 100 Prozent reinhauen." Es nutzte nichts. Haaland traf nicht, der BVB verlor. Das Spiel, den Anschluss an die Champions-League-Plätze und womöglich damit auch seinen Torjäger. Vertrag hin, Gelassenheit her.

Berater Mino Raiola kann sich die Bemühungen ganz entspannt anschauen, er weiß, wen er da im Portfolio hat: "Stars wie Zlatan Ibrahimovic, Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi kommen allmählich in die Jahre, und jeder frage sich: 'Wie lange können wir sie noch bewundern?'", sagte der Italiener schon im Februar der BBC. "Ich glaube nicht, dass es weltweit einen Sportdirektor oder Trainer gibt, der sagen würde: nicht interessiert", meinte das Berater-Schwergewicht. Allerdings könnten sich "nur maximal zehn Klubs" den erst 20 Jahre alten BVB-Torjäger leisten und ihm "die Bühne bieten, die du gerne hättest, wenn du in Dortmund warst. Und vier dieser Klubs sind in England", ergänzte der 53-Jährige. Die Bühne, die sich Haaland für seine Karriereplanung aber ganz sicher vorstellt, heißt ganz sicher Champions League. Wer die nicht bieten kann, hat ganz schlechte Karten.

Quelle: ntv.de

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