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Symbolbild stellvertretend für alles, was mit Hooligans zu tun hat.
Symbolbild stellvertretend für alles, was mit Hooligans zu tun hat.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Mittwoch, 14. März 2018

WM-Countdown (92): Diese Russen dürfen in kein Stadion

Von Katrin Scheib, Moskau

Hooligans, Gewalt und Sicherheitsbedenken rund um die Fußball-WM? Ja, die gibt es. Und so verweisen russische Offizielle gerne auf eine lange Liste der Menschen, die nicht mehr ins Stadion dürfen. Doch der Umgang damit ist fragwürdig.

Wie es so ist, wenn man nach etwas sucht: Manchmal findet man ganz was anderes. Gestern habe ich zum Beispiel auf der Seite des russischen Innenministeriums nach Informationen dazu gesucht, wie schnell sich deutsche Fußballfans nach der Einreise im Sommer bei den russischen Behörden melden müssen - dazu mehr in ein paar Tagen hier.

Katrin Scheib.
Katrin Scheib.(Foto: Pascal Dumont)

Gefunden habe ich stattdessen ein 21 Seiten langes Dokument mit mehr als 400 Namen: die Liste der Russen, denen ein Gericht verboten hat, zu offiziellen Sportveranstaltungen zu kommen - also auch zu den Spielen der Weltmeisterschaft. Dass es diese Liste gibt, ist kein Geheimnis, im Gegenteil. Russische Offizielle erwähnen sie gerne, wenn es um Hooligans, Gewalt und Sicherheitsbedenken rund um die WM geht. Denn die Zahl der Namen auf der Liste wächst: Im April vergangenen Jahres waren es etwa 150, im November 384, Stand 1. März 2018 sind es nun 427.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Das Signal ist: Es wird immer sicherer. Wir arbeiten dran. Überrascht hat mich, wie detailliert diese Liste ist und wie freigiebig sie mit persönlichen Daten umgeht: Vorname, Nachname und Vatersname der Gesperrten finden sich dort, mit Geburtstag und Geburtsort. Wir erfahren zwar nicht, was diese Menschen getan haben - dafür aber, welches Gericht die Sperre verhängt hat, wann sie beginnt und wann sie ausläuft. Klar, Polizei und andere Sicherheitskräfte brauchen diese Informationen, um Ausschreitungen zu verhindern.

Aber wem nützt es, wenn jeder Nicht-Polizist einfach so nachlesen kann, dass Iwan Iwanowitsch Iwanow, geboren am 11. März 1987 in Tula, im Herbst 2015 dort vor Gericht stand und nun bis Ende 2018 kein Stadion mehr von innen sehen darf? Anders gesagt: Wer sicherstellen will, dass ein Hooligan auch nach seiner Verurteilung Teil der Szene bleibt, der hat mit "wir outen ihn gegenüber allen, die ihn kennen, und nehmen ihm damit die Möglichkeit, auszusteigen und einen Neuanfang zu machen" schon eine ziemlich effektive Methode gefunden.

Länge = Sicherheit? Eher nicht.
Länge = Sicherheit? Eher nicht.

Was erfährt man sonst noch aus der Liste? Es stehen nur fünf Frauen darauf, der Rest sind Männer, und die eher jung: Mehr als ein Drittel von ihnen wurde 1993 oder später geboren. Vor allem aber fällt die letzte Spalte des Dokuments auf. Die, in der steht, wie lange diese Leute noch gesperrt sind: Bei 111 von ihnen endet das Stadionverbot noch vor der Weltmeisterschaft, bei weiteren 43 im Laufe des Turniers. Wer also auf das Argument "je länger die Liste, desto sicherer die WM" gesetzt hatte, muss wohl noch mal nachdenken.

Die Folgen 100, 99, 98, 97, 96, 95, 94 und 93 des WM-Countdowns finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de