Fußball

Zerrüttetes Verhältnis zum Coach FC St. Pauli erlöst sich von der Last Luhukay

St. Paulis Trainer Jos Luhukay. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild

Ein kritischer Blick auf die Saison? Er tut Not!

(Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild)

Im eigenen Stadion oft gut, auch gegen Top-Teams - aber auswärts präsentierte sich der FC St. Pauli fast durchweg enttäuschend. So steht am Ende eine wackelige Zweitliga-Saison, die den Trainer den Job kostet. Jos Luhukay ist aber auch über seine bisweilen barsche Art gestolpert.

Das Verhältnis war schon seit Monaten zerrüttet, nun ist die Trennung perfekt: Fußball-Zweitligist FC St. Pauli und Trainer Jos Luhukay gehen ab sofort getrennte Wege. Rund 16 Stunden nach dem Ende einer enttäuschenden Saison, die durch das 3:5 gegen Wehen Wiesbaden am Sonntag mit einem 14. Platz endete, entbanden die Hamburger ihren Coach mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben. Klub-Chef Oke Göttlich rief Luhukay in der Pressemitteilung nur einen einzigen, bitterbösen Satz hinterher. "Das Präsidium möchte sich bei Jos Luhukay für unvergessliche Momente in dieser Saison bedanken", sagte er. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Die Entscheidung gegen einen weiteren gemeinsamen Weg mit Luhukay, der bei seinem Amtsantritt im April vergangenen Jahres einen Vertrag bis 2021 unterschrieben hatte, kam nicht mehr überraschend. Die Hanseaten blieben unter der Regie des Niederländers nicht nur sportlich weit unter ihren Erwartungen, auch die Außendarstellung des 57-Jährigen fand nicht nur bei der Klubführung immer weniger Zustimmung. "Bei der öffentlichen Darstellung der intern gewünschten und notwendigen Kritik würde ich heute sicher einiges anders umsetzen", sagte Luhukay und räumte damit eigene Fehler ein.

Verbale Attacken gegen die eigenen Spieler

Der eigenwillige Fußball-Lehrer attackierte verbal mehrfach die Spieler und die Medien und nahm auch Anstoß an der Atmosphäre im Kiez-Klub, die er als zu gemütlich und zu wenig leistungsbezogen kritisierte. Seine deutlichen Worte begründete er damals damit, "immer offen und ehrlich" zu sein, er verbiege sich nicht. Die Verwerfungen zwischen Mannschaft und Trainer kumulierten beim Heimspiel gegen Erzgebirge Aue (2:1) in barschen Worten gegenüber seinem Landsmann Henk Veerman. Der Stürmer musste sich in der Pause auf dem Weg in die Kabine fehlendes Engagement vorwerfen lassen. Im zuschauerfreien Millerntorstadion konnte jeder Anwesende die Schimpftirade mitanhören.

Schon da gingen Präsident Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann vorsichtig auf Distanz zum unberechenbaren Luhukay. "Jos hat zu Recht darauf hingewiesen, dass er damals geholt wurde, um 'den Finger in die Wunde' zu legen", sagte Bornemann nun: "Das hat er getan, vielleicht für unseren Verein manchmal etwas zu tief."

Ein Eintrag in die Klubannalen der Kiezkicker ist Luhukay indes gewiss. In der abgelaufenen Spielzeit gewann der FC St. Pauli beide Lokalderbys gegen den Hamburger SV. Dieses wirklich seltene Kunststück war dem Stadtteilklub zuletzt zu alten Oberligazeiten in der Saison 1953/54 gelungen. "Jos hat sich mit zwei Derbysiegen in einer Saison und als erster ausländischer Trainer einen festen Platz in der Vereinshistorie gesichert", sagte Bornemann: "Wir sind in einem Entwicklungsprozess, den wir fortführen und in der nächsten Saison durch einen anderen Cheftrainer weiterführen lassen wollen."

Quelle: ntv.de, Andreas Frank, sid