Fußball

Hamburger SV rutscht ins Chaos Die große Peinlichkeit von der Elbe

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Was soll man da noch sagen?

(Foto: Ibrahim Ot/action press/Pool via xim.gs)

Was sich am Sonntagnachmittag in Hamburg abspielt, das ist durchaus erstaunlich: Der einst so stolze HSV erlebt eine der größten Peinlichkeiten der Vereinsgeschichte - und verpasst erneut die Rückkehr in die 1. Fußball-Bundesliga. Ausreden? Werden nicht akzeptiert.

Die vermutlich noch größere Ratlosigkeit herrschte am späten Sonntagnachmittag rund 250 Kilometer von der Hamburger Fußball-Arena entfernt. In Bielefeld konnte der geprügelte 1. FC Heidenheim nach dem Schlusspfiff der Zweitliga-Partie bei der Arminia selbst nicht so recht glauben, dass eine ganz schwache Leistung tatsächlich reicht, um Werder Bremen ab Donnerstag im Kampf um das letzte noch offene Erstliga-Ticket herauszufordern. Die ganze schwache Leistung des Teams von Frank Schmidt (0:3) hatte gereicht, weil der rätselhafte Hamburger SV noch mal schlechter spielte als die Heidenheimer. Und zwar deutlich. Das verdiente (!) 1:5 (!) gegen den kleinen SV Sandhausen war eine der größten fußballerischen Peinlichkeiten, die sich der er einst so große Klub je geleistet hatte.

Der von Trainer Dieter Hecking ausgerufene Charaktertest für seine Spieler, er endet im Desaster, er endet erneut in der Zweitklassigkeit, er endet im Chaos, denn niemand weiß, wie es nun weitergeht. Wer bleibt, wer geht? Das gilt auf fast allen sportlichen Positionen im Klub. Mit dem zweiten GAU nacheinander verabschiedet sich der Klub endgültig von dem stolzen Erbe, das Legenden wie Uwe Seeler, wie Horst Hrubesch oder Kevin Keegan einst geschaffen hatten. Mit dem zweiten GAU nacheinander reduziert sich der Verein vom Bundesliga-Dino mit einem Betriebsunfall zu einem Klub, dem auf lange Sicht die schnöde Bedeutungslosigkeit droht.

Und niemand mag schönreden, was nun gegen Sandhausen den dramatischen Höhepunkt erreicht hatte - die zahlreichen verspielten Führungen der vergangenen Wochen, die vielen Last-Minute-Dramen, die so unerklärlich waren und die krassen konditionellen Defizite, mit der sich die Mannschaft aus der Corona-Zwangspause zum Saisonende schleppte. "Die Beine waren schwer, der Kopf war langsam", sagte HSV-Präsident Marcell Jansen bei Sky: "So eine Leistung ist nicht zu entschuldigen." Zur Zukunft von Coach Hecking, dessen Vertrag sich beim Aufstieg automatisch verlängert hätte, wollte sich der 34-Jährige nach der "brutalsten Enttäuschung" nicht äußern: "Jeder Gedanke ist jetzt fehlplatziert."

Diekmeiers Tor verspottet den HSV

Der Trainer selbst wollte nicht "irgendwas aus der Emotion heraus sagen", er sei aber "der Letzte, der sagt: Ich habe keine Fehler gemacht." Gegen den SV Sandhausen gab's erneut zahlreiche Indizien dafür, was beim HSV in den vergangenen Wochen alles schiefgelaufen ist: anfällig in der Abwehr, nicht konsequent genug im Abschluss, nervös im Spiel mit dem Ball, dazu zahlreiche Leistungsträger ohne Form. Ein Eigentor von Rick van Drongelen brachte den HSV früh aus dem Konzept (13.). Kevin Behrens (22.) erhöhte gegen konfuse Hamburger, die zur Pause noch deutlich höher hätten zurückliegen können. Der souverän verwandelte Foulelfmeter von Aaron Hunt (67.) gab den Hamburgern vorübergehend neue Hoffnung - erfüllt wurde sie nicht.

Denn auch nach dem Anschlusstreffer fehlte den Hamburgern die "Galligkeit" und die "letzte Entschlossenheit, es nochmal zu erzwingen", wie Hecking frustriert feststellte. An der grundsätzlichen Einstellung der Spieler habe es allerdings nicht gelegen, befand der Coach: "Ich glaube, dass sie es versucht haben. Man hat gesehen, dass wir in gewissen Situationen zu einfache Fehler machen. Deshalb ist das ein Stück weit erklärbar. Natürlich wünscht man sich als Trainer was anderes, aber das haben wir nicht abgeliefert." Vollends zerstört wurden die kleinen Resthoffnungen durch Behrens nach einem fürchterlich naiven Foul von Josha Vagnoman per Elfmeter (84.), von Mario Engels (89.) von und Dennis Diekmeier (90.+3), der den Ball aus zwölf Metern gnadenlos unter die Latte nagelte.

Diekmeier, ausgerechnet Diekmeier, der Mann, der von 2010 bis 2018 für die Hamburger spielte, der am 26. Mai im 288. Profispiel seiner Karriere sein erstes Tor erzielte hatte und dafür sogar von der "Zeit" mit einem eigenen Artikel gewürdigt wurde. Sein nun zweites Profi-Tor wurde schließlich zum Running Spott in den sozialen Medien, auch wenn es zunächst von den Hamburger prominent ignoriert wurde. "Diekmeier sichert dem HSV den Klassenerhalt. Schöne Geschichte", wurde da unter anderem getwittert. Oder auch: "DIEKMEIER. Die nehmen jede Demütigung mit." Die Social-Media-Abteilung des HSV reagierte derweil ganz nüchtern, aber in aller Klarheit: "Verdient ist verdient. Wer sein Heimspiel gegen Sandhausen nicht gewinnen kann, der darf auch nicht auf die Relegation hoffen. Glückwunsch an den FCH. Wir selber können unsere Enttäuschung nicht in Worte fassen."

Quelle: ntv.de