Fußball

Zukünftiger DFB-Boss Keller Frauen und Amateure bitte hinten anstellen!

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Kann der 62-jährige Fritz Keller wirklich für die Erneuerung des DFB stehen?

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Der DFB will sich mit Präsident in spe Fritz Keller neu ausrichten. In Berlin fallen visionäre Worte, aber der Verband betreibt erneut Eliten-Klüngelei - und am Ende entscheidet wieder ein alter Mann aus dem Profibereich über Frauen-, Amateur- und Jugendfußball.

Machen wir es kurz: Der DFB hat die Chance auf einen Wandel vertan. Wie seine Vorgänger zaubert der Fußballverband den designierten Neu-Präsident Fritz Keller, derzeit noch Präsident des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg, aus dem Eliten-Topf hervor. Wieder einer aus dem Profi-Fußball, wieder ein Mann, wieder ein Oldie. Nach verschiedensten Skandalen um Kellers Vorgänger und nach immer hartnäckigerer Kritik am morastigen DFB-Sumpf nutzt der Verband die Möglichkeit nicht, zu zeigen, dass er aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat: Anstatt endlich mal den Millionen von Amateuren mehr Macht zuzusprechen oder mit der Nominierung einer Frau Gleichberechtigung im Fußball wirklich voranzutreiben, mauschelt sich der DFB im Hinterzimmer seinen Klüngel-Kandidaten zurecht.

Ja, Keller ist nicht Präsident des FC Bayern München. Und ja, der SC Freiburg ist im Frauen- und Amateurfußball äußerst aktiv. Der DFB versucht in Berlin, Keller als Mittler zwischen Profis und Amateuren zu positionieren - aber steht der Freiburger wirklich für den gesunden Mittelweg? Letztendlich geht es hier nicht so sehr um die Person Keller, sondern um das, wofür er steht. Profifußball, Oberschicht. Seine Nominierung zeigt dem Amateur-Bereich, dass die Probleme an der Basis weiterhin nicht ernst genommen werden. Die oberen 0,2 Prozent, die 54 Profivereine der Ersten, Zweiten und Dritten Liga, haben die DFL auf ihrer Seite und die 25.000 Amateurklubs haben im DFB nun weiterhin keinen starken Partner, der in Zeiten von Mega-Monetarisierung, Korruption und Ausverkauf konsequent zu ihnen hält.

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Bewerbungen aus dem Amateurbereich lagen dem DFB durchaus vor. Ute Groth, Vorsitzende eines Amateurvereins, hatte sich beworben, wurde aber eiskalt ignoriert. Sie brachte auch eine Agenda und Vorschläge zur Entsumpfung des DFB mit; ein Programm von Keller ist dagegen noch nicht bekannt.

Überhaupt: Der DFB will sich wandeln und Vertrauen zurückgewinnen - sträubt sich aber immer noch resolut gegen Frauen in Führungspositionen. Eine Präsidentin hätte neue Sicht- und Arbeitsweisen in die Zentrale in Frankfurt gebracht. Und sie wäre mit Sicherheit das Thema Gleichberechtigung endlich mal richtig angegangen - anstatt der ewigen hohlen DFB-Parolen, auf die keine Umsetzungen folgen - damit vor allem auch Fußballerinnen und Fußballer im Kinder- und Jugendalter gleichen Voraussetzungen begegnen.

Wer glaubt noch an die Versprechungen?

Keller betont nun bei seiner Vorstellung, den Mädchen und Frauenfußball konsequent fördern und auch Frauen in die DFB-Gremien holen zu wollen. Aber glaubt dem DFB das noch irgendjemand? Schon 2016 brachte der Verband ein Leadership-Programm auf den Weg, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Auch Ex-Boss Reinhard Grindel hatte diesen Schritt angekündigt. Im aktuellen DFB-Präsidium sitzen trotzdem 16 Männer und nur eine Frau. So wird auch die Frauennationalmannschaft auf gleiche Behandlung und dieselben Prämien wie die der Männernationalmannschaft wohl weiter erfolglos warten dürfen. Erneut haut der DFB hier eine Chance in die Tonne: Allein schon eine Nominierung einer Frau, so dass der DFB-Bundestag hätte abstimmen können, wäre ja zumindest ein klitzekleines Zeichen für Gleichberechtigung und Diversität gewesen.

Und auch mit einer Nominierung eines Kandidaten oder einer Kandidatin mit Migrationshintergrund hätte der DFB, gerade nach den rassistischen Tönnies-Kommentaren, ein klares Zeichen setzen können. Aber Frau und nicht-weiß sind wohl noch viel zu viel für die verstaubte Führungsetage. Doch muss es immer ein Oldie sein? Laut DFB soll der neue Präsident den Verband in die Zukunft führen, dafür seien visionäre Gedanken erforderlich. Mit 62 Jahren ist Keller nur beim DFB und im Vatikan noch ein Jüngling. Für Wandel und neue Sichtweisen hätte beispielsweise ein U40-Kandidat gestanden, selbst wenn es mit Christoph Metzelder ebenfalls jemand aus der Fußball-Elite gewesen wäre.

Stattdessen wird also wieder im Hinterzimmer gemauschelt - und die Transparenz mit Füßen getreten. Manche Bewerber werden nicht in Betracht gezogen, die DFB-Findungskommission zaubert eigenmächtig Männer aus dem Hut, die sich nicht einmal beworben haben und bezieht die Amateurvereine in ihren Prozess erst gar nicht ein. Man stelle sich die Empörung vor, verliefe die Suche nach der neuen SPD-Spitze ähnlich. DFB-Vize Christian Seifert findet in Berlin aber natürlich, dass der Prozess hervorragend gelaufen ist: "Das ist hier ja keine Instagram- oder Twitterabstimmung." Na dann.

Neuausrichtung sieht anders aus. Keller präsentiert sich vor seiner offiziellen Vorstellung den Amateuren zum Abnicken. Die haben kaum eine Wahl, als sich gutzustellen mit dem zukünftigen Boss, der nach der DFB-Umstrukturierung hauptsächlich für ihren und den Frauenbereich zuständig sein soll. Und so entscheidet am Ende wieder einmal ein alter Mann aus dem Profi-Bereich über Frauen-, Amateur- und Jugendfußball.

Quelle: n-tv.de

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