Fußball

NRW-Duelle ohne Zuschauer Geister-Derbys sorgen für Bundesliga-Novum

Das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 am kommenden Spieltag der Fußball-Bundesliga findet als "Geisterspiel" statt. Zuvor hatte die Stadt Mönchengladbach offiziell bestätigt, dass das Rheinderby ohne Zuschauer ausgetragen wird.

Das rheinische Derby geht als erstes "Geisterspiel" in die Geschichte der Bundesliga ein - und es bleibt nicht das einzige: Das Coronavirus hat endgültig auch das deutsche Fußball-Oberhaus eingeholt. Nicht nur die Nachholpartie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch (18.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) findet ohne Publikum statt, auch dem 178. Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 müssen Zuschauer am Samstag (15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) fernbleiben. Auch am Montag (20.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) findet Werder Bremen-Bayer Leverkusen ohne Fans statt.

Mit der Entscheidung in Mönchengladbach setze man einen für Dienstagnachmittag vom Land Nordrhein-Westfalen angekündigten Erlass des Landesgesundheitsministeriums um, teilten die Städte Mönchengladbach und Dortmund mit. "Es ist der Tag eingetreten, den wir uns lange nicht gewünscht haben. Das trifft in erster Linie die Zuschauer, aber auch den Verein Borussia Mönchengladbach ins Mark", sagte Gladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers.

Gladbach-Trainer Marco Rose sieht "keine einfache Situation" für alle Beteiligten: "Es geht darum, sich mit allen Leuten zu solidarisieren, die Schaden davontragen können." Dortmunds Trainer Lucien Favre äußerte sich vor dem Abflug nach Frankreich, wo sein Team am Mittwoch bereits ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten muss. "Niemand weiß, ob das die richtige Entscheidung für den Fußball ist. Der Terminplan ist eng und es ist schwer, das zu annullieren", sagte der Schweizer. Es gilt als denkbar, dass sogar der gesamten Bundesliga mindestens ein kompletter Spieltag unter Ausschluss der Öffentlichkeit droht.

Bislang sechs Spiele ohne Zuschauer

Bisher hatten im deutschen Profifußball sechs Spiele ohne Zuschauer stattgefunden - allerdings stets unterhalb des Oberhauses mit jeweils drei Spielen in der 2. Bundesliga sowie der 3. Liga. In Gladbach war am vergangenen Samstag das Westduell zwischen Gladbach und Borussia Dortmund (1:2) noch ohne größere Einschränkung ausgetragen worden. Zu dieser Entscheidung bekannte sich die Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners (CDU) am Dienstag: "Vor diesem Spiel gab es weder eine klare Empfehlung von Bundesseite noch klare Vorgaben durch das Land. Die Mediziner, mit denen wir uns intensiv beraten haben, hielten es für verantwortbar, das Spiel nicht zu untersagen."

In Deutschland sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstagvormittag 1139 Infektionen bekannt. Am Montag waren die ersten zwei Todesfälle in Deutschland infolge der Covid-19-Erkrankung bestätigt worden. Auch das RKI riet klar von der Austragung von Veranstaltungen vor vollem Haus ab. "Aus meiner Sicht kann man darauf verzichten, zu einem Fußballspiel zu gehen", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Die Profiklubs treffen derweil Maßnahmen als Reaktion auf die Ausbreitung des Virus. So stoppten unter anderem der 1. FC Köln und den SC Freiburg den Ticketverkauf für alle kommenden Heimspiele, Gladbach und Schalke verzichten vorerst auch auf öffentliche Trainingseinheiten. "Wenn Karteneinnahmen wegbrechen, wäre das natürlich ein Problem. Aber nicht nur für uns, sondern für fast alle Bundesligisten", hatte Kölns Sport-Geschäftsführer Horst Heldt bereits am Montag gesagt.

Die DFL hatte am Montag ein weiteres Mal darauf hingewiesen, dass eine Aussetzung oder ein Abbruch der Meisterschaft nicht infrage komme. "Die laufende Saison 2019/20 muss wie vorgesehen bis zum Sommer 2020 zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln", hatte die DFL mitgeteilt. In der kommenden Woche soll bei einem Treffen mit Vertretern aller Vereine der 1. und 2. Bundesliga die Situation in Frankfurt erörtert werden.

Quelle: ntv.de, tno/sid