Fußball

ManCity sehnt sich nach CL-Titel Guardiola gehen die Ausreden aus

imago43705740h.jpg

Pep Guardiola hat offensiv die Qual der Wahl - in der Defensive ist der Kader von Manchester City jedoch dünn besetzt.

(Foto: imago images/PRiME Media Images)

Wieder einmal ist Manchester City einer der Favoriten in der Champions League. Die Offensive um den überragenden Raheem Sterling rechtfertigt diese Stellung, das zeigt der Sieg gegen Atalanta Bergamo. Eine Garantie für den Titelgewinn ist das noch lange nicht.

Nach einer knappen Stunde war das Spiel vorbei, das wussten auch die Fans von Atalanta aus Bergamo. Sie hoben ihre Schals in die kühle nordenglische Luft und feierten ihr Team. Der Außenseiter hatte Manchester City eine Weile ziemlich zugesetzt und war sogar in Führung gegangen durch den Elfmeter von Ruslan Malinovskyi in der 28. Minute. Das war ein hübsches, kleines Ausrufezeichen. Nach einer knappen Stunde allerdings stand es 3:1 für die Gasteber, zweimal Sergio Agüero und Raheem Sterling hatten die Tore geschossen. Und wenn Manchester City erstmal 3:1 führt, dann gibt es für den Gegner kein Zurück ins Spiel. Dann ist die Frage nur noch, wie hoch der englische Meister den Sieg gestaltet.

imago43706318h.jpg

Dreierpack gegen Brügge: Im elften Pflichtspiel der Saison erzielte Sterling seine acht bis zehn.

(Foto: imago images/Sportimage)

5:1, so lautete die Antwort an diesem Dienstagbend im Herbst. Sterling gelangen noch zwei weitere Treffer, er war der Mann des Spiels mit einem Hattrick innerhalb von elf Minuten. Durch den dritten Sieg im dritten Vorrundenspiel der Fußball-Champions-League ist das Weiterkommen für das Team von Trainer Josep Guardiola nur noch Formsache. Wobei: Eigentlich war es das schon nach der Auslosung. Niemand hatte erwartet, dass die - laut CIES Football Observatory - erste mehr als eine Milliarde Euro teure Vereinsmannschaft in einer Gruppe mit Schachtar Donezk, Dinamo Zagreb und Atalanta Probleme bekommen würde. Es geht natürlich um mehr.

Manchester City ist wieder einmal für den Hauptpreis angetreten. Im zwölften Jahr nach dem Einstieg von Scheich Mansour und in der vierten Saison unter Guardiola soll es endlich klappen mit dem Gewinn der Königsklasse. Der Trainer bittet zwar um Geduld, er hat gerade geurteilt, dass seine Mannschaft “noch nicht bereit” sei für Europas Thron. Doch auch ihm ist klar, dass er wie beim FC Bayern auch in England daran gemessen wird, ob er irgendwann den silbernen Henkelpott in die Stadt bringt.

Sterling ist einer der besten Fußballer der Welt

Die bisherigen Vorrundenspiele sind noch kein Maßstab, aber sie haben zumindest auch keine Argumente dagegen geliefert. Gegen Atalanta fand Guardiolas Mannschaft nach dem Rückstand in die Spur und zeigte, dass sie, wenn es erst mal läuft, den Gegner auseinander spielen kann wie niemand sonst. Hattrick-Schütze Sterling ist im Moment einer der besten Fußballer der Welt. Doch er ist nur eine von vielen Optionen in der Offensive. Auch Riyad Mahrez, der junge Phil Foden (trotz Gelbroter Karte), Kevin De Bruyne und Doppeltorschütze Agüero spielten stark. Auf der Bank saßen unter anderem Bernardo Silva und Gabriel Jesus. Der verletzte Leroy Sané (Kreuzbandriss) wird nicht vermisst, so luxuriös ist Manchester Citys Offensive ausgestattet. Dieser Reichtum rechtfertigt die Favoritenstellung in der Champions League.

*Datenschutz

Eine Garantie ist er allerdings nicht. Auch in den vergangenen Jahren wurde die Mannschaft für ihr Arsenal an Hochbegabten bewundert, weiter als ins Halbfinale in der Saison 2015/2016 unter Trainer Manuel Pellegrini ging es nie. In Guardiolas bisher drei Versuchen war einmal im Achtel- und zweimal im Viertelfinale Schluss. Das lag auch daran, dass sich der Trainer heftig vercoachte. Er scheint so besessen davon zu sein, seinen beiden Champions-League-Titeln mit dem FC Barcelona einen dritten hinzuzufügen, dass er sich zu seltsamen Personalentscheidungen verleiten lässt.

Mangel in der Verteidigung

So groß die Auswahl im vorderen Teil des Teams ist, so dünn ist sie in der Verteidigung. Der Klub verpasste es im Sommer, Ersatz für Vincent Kompany zu beschaffen. Abwehrchef Aymeric Laporte fällt mit einer Knieverletzung lange aus, Nicolás Otamendi hat Guardiolas Vertrauen verspielt. Deshalb muss der Trainer improvisieren. Zuletzt bildeten die Mittelfeldspieler Fernandinho und Rekordtransfer Rodri die Innenverteidigung. Das bringt eine Unwucht ins Team. Gegen Atalanta musste Rodri zudem kurz vor der Pause mit einer Oberschenkelverletzung raus, er könnte laut Guardiola bis zu drei Wochen ausfallen. Das trifft City vor allem in der Liga.

Die Mannschaft ist in der englischen Premier League noch mehr gefordert als zuletzt und kann sich nicht auf die Champions League konzentrieren. Der Titelverteidiger muss einen frühen Sechs-Punkte-Rückstand auf den FC Liverpool aufholen, wenn es mit der dritten Meisterschaft in Folge klappen soll. Überhaupt Liverpool: Jürgen Klopps Team hatte schon Erfahrung mit dem Einzug ins Finale gesammelt, nämlich in der Saison zuvor, ehe in diesem Frühjahr der Triumph in der Champions League gelang.

Manchester City hat diese Erfahrung nicht, die Mannschaft ist unter Guardiola bislang immer am erstbesten Gegner gescheitert. Das sollte sich in dieser Saison ändern. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten und mit Spielern wie Sterling nimmt dem Trainer niemand mehr die Ausrede ab, dass sein Verein ein Neuling in der internationalen Elite sei.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema