Fußball

"Er würde zum FC Bayern passen" Havertz kann Löws Probleme lösen

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Havertz könnte sich als die eierlegende Wollmilchsau der DFB-Elf entpuppen.

(Foto: imago/Schüler)

In seinem zweiten Fußball-Länderspiel beeindruckt Kai Havertz seine DFB-Kollegen und den Bundestrainer. Auf viele von Joachim Löws Sorgen scheint der 19 Jahre alte Spielmacher eine Antwort zu haben.

Der Fußballer Joshua Kimmich kann viel. Er kann zum Beispiel sehr gut auf der rechten Abwehrseite verteidigen, selbst wenn das bei der Weltmeisterschaft in Russland teilweise nicht so gut geklappt hat. Der 23 Jahre alte Kimmich erledigt auch im defensiven Mittelfeld einen guten Job. Er gewinnt sehr viele Zweikämpfe, er kann präzise flanken und Ecken treten. Er kann sogar Tore schießen. Und nun in Leipzig, am Donnerstag beim Test der deutschen Nationalelf gegen Russland, offenbarte er noch eine Kompetenz: das Live-Scouting. Auf seiner Liste: Kai Havertz. Vorrangiges Ziel: ein Transfer von Bayer 04 Leverkusen zum FC Bayern. Dort spielt Kimmich und dort sollte künftig auch Havertz spielen. Findet Kimmich. "Ich kann ihn nicht kaufen, aber er ist ein Spieler, der gut zu uns passen würde."

Deutschland - Russland 3:0 (3:0)

Deutschland: Neuer - Ginter, Süle, Rüdiger (60. Tah) - Kehrer, Kimmich, Havertz (65. Rudy), Hector (70. Schulz) - Sané (77. Goretzka), Gnabry (73. Müller), Werner (65. Brandt). - Trainer: Löw
Russland: Lunew - Nababkin (79. Semjonow), Neustädter, Dschikija, Rausch (71. Kudrjaschow) - Gasinski, Kusjajew (71. Kambolow) - Ionow (75. Polos), Jerochin, Alexej Mirantschuk (61. Anton Mirantschuk) - Ari (55. Sabolotni). - Trainer: Tschertschessow
Schiedsrichter: Schärer (Schweiz)
Tore: 1:0 Sané (8.), 2:0 Süle (25.), 3:0 Gnabry (40.)
Gelbe Karte: Jerochin (64.)
Zuschauer: 35.288

Seine Empfehlung an den Münchner Klubpräsidenten Uli Hoeneß, der das "Mannschaftsgesicht" des altersschwächelnden Tabellenfünften der Bundesliga im nächsten Jahr ohnehin liften will, steht auf einem stabilen Fundament. Denn dieser Havertz, das ist wirklich ein Guter. Und er ist erst 19 Jahre alt. Bei seinem Startelfdebüt dirigierte er in seinem zweiten Länderspiel eine Halbzeit lang eine forsche DFB-Elf vor 35.288 Zuschauern zu einem 3:0 (3:0)-Erfolg gegen einen allerdings ganz schwachen Gegner aus Russland. "Kai Havertz hat mir sehr gut gefallen", sagte Bundestrainer Joachim Löw. "Er ist sehr ballsicher, hat eine wahnsinnig gute Übersicht, erkennt Situationen sehr schnell und will den Ball immer mit nach vorne nehmen. Er nutzt immer die erste Möglichkeit." Für jemanden in seinem Alter sei Havertz schon sehr abgeklärt. "Außergewöhnlich" sei das. Und ja: Havertz könne in Zukunft eine wichtige Rolle in der Nationalmannschaft spielen. Da ist auch der Wunsch Vater des Gedankens.

Tempo, Tiefe und Abschlussstärke

Normalerweise lobt Löw bei jungen Spielern, die in die Nationalelf drängen oder gedrängt werden, höchst dosiert. Dass er er diesmal seine Begeisterung offen zeigte, hat einen Grund: Havertz könnte sich als die just auch in Fußball-München wieder in Mode gekommene eierlegende Wollmilchsau entpuppen. Viele Probleme, die der Trainer nach der WM-Katastrophe in Russland erkannt hat, scheint der Spielmacher lösen zu können. Mit seinem Tempo, seiner Tiefe im Spiel und seiner Abschlussstärke.

Nur: Havertz ist erst 19 Jahre alt, seine Entwicklung längst nicht abgeschlossen. Es ist erst gut zwei Jahre her, dass er in Deutschlands höchster Spielklasse debütierte. Da war er exakt 17 Jahre und 126 Tage alt. Seitdem lief er 65 Mal für Leverkusen auf, schoss zehn Tore und bereitete 17 vor. In diesem Alter spielte niemand zuvor schon so oft in der Bundesliga wie er. All das deutet darauf hin, dass Havertz den hohen Erwartungen gerecht werden kann. Überfrachten sollte man ihn mit überhöhten Ansprüchen jedoch nicht.

Bisher hat bei Havertz alles so geklappt, wie er es sich erträumt hat. Nur einen Rückschlag musste er in seiner noch so jungen Karriere hinnehmen. Weil in der Schule Prüfungen anstanden, durfte er im März 2017 nicht mit zum Champions-League-Spiel bei Atlético Madrid, seinerzeit noch im legendären Vicente Calderón. Das hat ihn schon geärgert, "zumal es eines der letzten Spiele in dieser grandiosen Schüssel war. Ich habe schon als Kind davon geträumt, eines Tages in solchen Stadien aufzulaufen - und während die Kollegen dort spielten, musste ich mich mit Erdkunde oder so etwas beschäftigen". Diese Zeiten sind vorbei, das Abitur hat er bestanden.

Gibt es eine Ausstiegsklausel?

Für Heiko Herrlich, seinen Trainer in Leverkusen, ist er "das größte Talent, das ich seit Toni Kroos gesehen habe". Sein Kollege und Freund Julian Brandt sagt: "Was er spielerisch und technisch leistet, ist grandios. Kai hat das Talent und Potenzial, ein Weltstar zu werden." Und wenn Manager Rudi Völler darüber spricht, was Havertz am Ball alles kann, vergleicht er ihn gerne mit Mesut Özil. Der ist für Havertz ein Vorbild: "Er spielt Fußball, wie ich ihn mag, strahlt Ruhe am Ball aus und wirkt nie gestresst." Tatsächlich gilt das alles bislang auch für Havertz.

In Leipzig war er bis zu seiner Auswechslung in der 65. Minute für den Schalker Sebastian Rudy genau 50 Mal am Ball. Fast jedes Mal kam etwas Gescheites heraus. So spielte er in der dritten Minute Leroy Sané sehenswert frei. 20 Minuten später flankte er perfekt auf den Kollegen, dessen Kopfball geriet aber zu einer Rückgabe. Gekrönt wurde Havertz' Spiel dann durch die Vorlage auf Serge Gnabry in die Nahtstellte der russischen Viererkette vor dem 3:0. "Kais Pass bei meinem Tor war genial, da hat er ein starkes Auge. Er spielt überragend", sagte Gnabry. Der spielt auch beim FC Bayern - so wie bald auch Havertz? Die Leverkusener waren allerdings so schlau, ihr Mittelfeldjuwel bis 2022 vertraglich an sich zu binden. Wie man hört, ohne Ausstiegsklausel.

Quelle: ntv.de