Fußball

"Nahezu perfekte Mannschaft" Heidel hebt Klopp in den Trainer-Olymp

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Damals in Mainz: Mit Trainer Klopp und Manager Heidel stieg der FSV 2004 erstmals in die Bundesliga auf.

(Foto: imago/Alfred Harder)

Vor knapp einem Jahr tritt Christian Heidel als Manager des FC Schalke 04 zurück, den Fußball hat er aber weiter im Blick. Dass Jürgen Klopp, den er einst in Mainz vom Spieler zum Trainer machte, in Liverpool so erfolgreich ist, überrascht ihn nicht. Warum, erklärt Heidel im exklusiven Interview mit RTL/ntv.

Für Christian Heidel ist Jürgen Klopp einer der größten Fußballlehrer, die der Sport je gesehen hat. "Ich glaube, wenn man heute darüber redet, wer in den letzten 100 Jahren die besten Trainer waren - dann ist er vielleicht nicht ganz oben, aber sicher unter den ersten drei." Das verriet der ehemalige Manager der Fußball-Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 und FC Schalke 04 im exklusiven Interview mit RTL/ntv. "Deswegen wird er jetzt auch mit 20 Punkten Vorsprung englischer Meister werden, hat die Champions League gewonnen und ist Welttrainer", schwärmte Heidel über den Teammanager des FC Liverpool.

In der gemeinsamen Mainzer Zeit hatte Heidel den Abwehrspieler in der Saison 2000/01 kurzerhand zum Trainer gemacht. Klopp galt bereits zuvor als "verlängerter Arm des Trainers" und rettete Mainz mit sechs Siegen aus den ersten sieben Spielen vor dem Abstieg in die Dritte Liga.

Mittlerweile steht Klopp kurz davor, den englischen Traditionsklub FC Liverpool zur ersten Meisterschaft seit 1990 zu führen. Und das nicht irgendwie, sondern mit einer Saison für die Geschichtsbücher. "Es ist völlig verrückt, das muss man schon sagen", sagte Heidel zur Erfolgsserie Liverpools. Von den 29 bisherigen Premier-League-Spielen haben die Reds 27 gewonnen, in einem Unentschieden gespielt - und nur eines verloren. Für den 46-Jährigen, der vor rund einem Jahr als Manager des FC Schalke 04 zurücktrat und seitdem ohne Job im Profifußball ist, ist das jedoch keine Sensation: "Das Interessante ist, Liverpool ist eine typische Klopp-Zeit."

Reichlich gefüllte Transferkasse als "glücklicher Umstand"

Für Heidel entspricht der Weg, den Liverpool seit Klopps Amtsantritt 2015 genommen hat, einem klaren Muster: "Er kam da hin, hat sich erst einmal alles angeschaut" und "eine Idee gehabt, wie er Fußball spielen will". Beim Umbau des Kaders nach seinen Vorstellungen habe natürlich der "glückliche Umstand" geholfen, "dass ab und auch mal was in der Kasse war". Eine humorvolle Untertreibung angesichts der Summen, die Klopp etwa für Torwart Alisson (62,5 Millionen Euro), Mittelfeldspieler Naby Keita (60 Millionen) und besonders Innenverteidiger Virgil van Dijk (84,65 Millionen) investierte.

Insgesamt steckte Liverpool in den vergangenen fünf Jahren rund 430 Millionen Euro in neue Spieler, erlöste mit Verkäufen allerdings auch rund 320 Millionen Euro. Heidel: "Er hat eine nahezu perfekte Mannschaft für ein Klopp-System entwickeln können." Der LFC-Teammanager ist in den Augen seines ehemaligen Vorgesetzten und Freundes "einfach ein überragender Trainer mit der Möglichkeit, sich auch die entsprechenden Spieler dazu zu holen."

Heidel nennt Klopp einen "absoluten Experten, der alles, wirklich alles hinterfragt". Bereits in seiner Mainzer Zeit habe er "immer gefordert", dass sich die Trainingsplätze und die Rahmenbedingungen verbessern. So habe er den Abstiegskandidaten Mainz in die Bundesliga geführt. "Das ist teilweise unangenehm", sagte Heidel, dessen Problem es dann eher war, "dass ich Dinge so schnell nicht umsetzen konnte".

Der Wechsel nach Dortmund im Jahr 2008 sei im Voraus klar abgesprochen worden zwischen den beiden. Mit der Borussia holte Klopp 2011 und 2012 die Meisterschaft, im zweiten Jahr zudem den DFB-Pokal, 2013 führte er den BVB ins Finale der Champions League. Oder wie Heidel die Entwicklung, die Klopp seit seinem Wechsel aus der Abwehrreihe auf den Trainerstuhl nahm, zusammenfasste: "Das ist eine Erfolgsgeschichte, wie es glaube ich in der Art im Trainer-Bereich noch keine gab."

Quelle: ntv.de, tsi