Fußball

Langeweile statt Angriffsfußball Hertha-Coach Covic verordnet Passivität

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Nun ja, immerhin zwei Tore konnte das Team von Ante Covic erzielen.

(Foto: dpa)

Vor der Bundesliga-Saison prahlt Herthas neuer Coach Ante Covic damit, künftig Angriffsfußball spielen zu wollen. Nach fünf Spieltagen ist davon nichts zu sehen. Das soll allerdings tatsächlich Absicht sein, wie der Trainer nach dem knappen Sieg gegen den SC Paderborn erklärt.

Es war ein Bild der Gegensätze, das sich am Samstag um kurz vor halb sechs auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions bot. Auf der einen Seite die Spieler des SC Paderborn, die mit dem Abpfiff zu Boden sanken. Allen voran Uwe Hünemeier, der mit der letzten Aktion die (Kopfball-)-Chance zum 2:2-Ausgleichstreffer vergeben hatte. Auf der anderen Seite die Hertha-Profis, die einfach nur erleichtert schienen, dass das Spiel endlich vorbei war. Am fünften Spieltag der Fußball-Bundesliga war es der erste Sieg für das Team von Ante Covic, das den weiterhin sieglosen Gästen damit die Rote Laterne mit auf die Rückreise nach Ostwestfalen gab.

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Ein überzeugender Sieg war es nicht, eher ein glücklicher. Paderborn war die aktivere, die bessere Mannschaft, der aber die letzte Konsequenz im Torabschluss fehlte. Hertha stand tief und machte kaum Anstalten, selbst das Spiel in die Hand zu nehmen. Womit es wieder um Gegensätze geht.

Denn vor Saisonbeginn, gefragt nach seinem taktischen Ansatz, hatte Covic erklärt: "Ich möchte, dass wir unser Spiel aktiv gestalten. Solange wir den Ball haben, kann uns kein Gegner etwas anhaben." Davon war an diesem Samstag nichts zu sehen. Die Berliner standen tief in der eigenen Hälfte, der Großteil fand zwischen Hertha-Strafraum und Mittellinie statt. Aktiv gestalten? Selbst den Ball haben? Keineswegs. Das war allerdings Absicht, wie Covic anschließend zugab: Besonders in der ersten Hälfte habe er seine Mannschaft angehalten, "dass wir selbst nicht unbedingt den Ball haben müssen, sondern ihn Paderborn geben".

Reine Defensivtaktik geplant

Ein Satz, der in der Pressekonferenz unterging und seine Wirkung erst mit etwas Abstand entfaltete. Covic war damit angetreten, der alten Dame frischen, attraktiven Fußball zu vermitteln. Und erklärte nun also, dass der "Big City Club", der Hertha mit den 125 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst in dessen eigenen Worten werden soll, sich gegen den Aufsteiger aus Paderborn eine reine Defensivtaktik verordnet hatte. Gegen das Team, das im Sommer laut SCP-Sportdirektor Martin Przondziono rund 100.000 Euro für neue Spieler zur Verfügung hatte. Sicher, Geld ist nicht alles, nicht einmal im Fußball. Aber eben doch ziemlich viel.

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Sie haben sich nichts vorzuwerfen, sind aber dennoch frustriert - die Spieler des SC Paderborn.

(Foto: imago images/Eibner)

Covic' Gegenüber Steffen Baumgart bescheinigte seiner Mannschaft ein gutes Spiel, leider mit Fehlern, darunter einem besonders dämlichen. Er sprach vom Führungstreffer der Berliner in der zehnten Spielminute, als Javairo Dilrosun von der linken Seite in den Sechzehner zog und bei seinem ersten Startelfeinsatz gleich zeigte, warum er so schmerzlich vermisst wurde. Die "vier Mann", die der Hertha-Angreifer dabei aussteigen ließ, hätten das besser lösen müssen, so Baumgart. Trotzdem "kann ich meiner Mannschaft nichts vorwerfen".

14 Schüsse aufs Hertha-Tor

Seine Paderborner scheiterten an ihrer Chancenverwertung. Von 14 Schüssen auf das Tor von Hertha-Torwart Rune Jarstein fand nur einer den Weg ins Netz, als Ben Zolinski in der 54. Minute auf 1:2 verkürzte. Covic konnte sich derweil bei Javairo Dilrosun dafür bedanken, dass die vollständige Abkehr von der selbsterklärten Spielidee ungestraft blieb. Zumindest, was das reine Ergebnis betraf.

Das 1:0 erzielte der 21-jährige Niederländer selbst nach feiner Einzelleistung, das 2:0 legte der 21-Jährige so mustergültig auf, dass Marius Wolf (52.) nur noch vollenden musste. Es waren die ersten beiden von insgesamt nur sechs Torschüssen, die Berlin zustande brachte. Was dazu führte, wie Covic sagte, "dass wir […] bis zum Ende zittern mussten". Weil Covic nicht wie angekündigt aktiv das Spiel gestalten ließ, sondern Passivität verordnete.

Quelle: n-tv.de

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