Fußball

Aufbauarbeit statt CL-Festtage? Hütters Sorge muss sehr, sehr groß sein

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Hat Adi Hütter seine Zukunft inzwischen längst geregelt?

(Foto: imago images/Christian Schroedter)

Borussia Mönchengladbach hat die offene Trainerfrage zur kommenden Saison wohl geklärt. Von Liga-Konkurrent Eintracht Frankfurt soll Medienberichten zufolge Adi Hütter kommen. Der ist mit den Hessen derweil maximal erfolgreich. Was steckt also dahinter?

Max Eberl muss sich nichts nachsagen lassen. Den Verlust seines Trainers Marco Rose zu Borussia Dortmund nahm der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach souverän hin. Anders als viele Fans des Klubs. Die waren wütend. Vor allem auf Rose. Nachdem dessen Abgang offiziell war, hängten einige von ihnen am Borussia-Park ein Banner auf. Mit dem forderten sie den Rauswurf des "charakterlosen Schweins." Die Empörung im Verein war groß, Rose blieb im Amt. Und wird es aller Voraussicht nach bis Saisonende noch bleiben. Denn nach einer amtlichen Pleitenserie hat sich die Mannschaft stabilisiert.

Eberl verteidigte sein Festhalten am Trainer mit dem eigenen Handeln. Weder wollte er dem BVB einen Vorwurf machen, der Rose wegen der Ausstiegsklausel bekam, noch dem Trainer. "Ich bin weit davon entfernt, auf irgendjemanden mit dem Finger zu zeigen. Wir in Gladbach, wenn ich das sagen kann, machen es ja auch nicht anders. Wir haben ja auch schon Spieler und Trainer von anderen Vereinen geholt." Gesagt noch Mitte Februar, gehandelt nun Mitte April. Denn nachdem der "Kicker" am Morgen berichtet hatte, dass die Borussen in ihrem Bemühen um eine Verpflichtung von Eintracht Frankfurts Erfolgscoach Adi Hütter schon sehr weit seien, legte sich die "Bild" am Mittag fest und meldete "Alles klar mit Hütter." Offiziell ist das alles noch nicht. Der Verein hat sich bislang nicht geäußert.

Und er tut mutmaßlich auch gut daran, es dabei zu belassen. Denn am kommenden Samstag treffen die beiden Mannschaften in der Bundesliga aufeinander. Für die Eintracht geht es dann darum, im Kampf um die Champions League das starke Sieben-Punkte-Polster auf Borussia Dortmund mindestens mal zu halten, die Gladbacher dagegen brauchen den Dreier dringend, um sich weiter im Rennen um die Europa League zu halten. Und das müsste ja auch das "Ziel" von Hütter sein, wenn die Meldung denn stimmt.

Denn die sportliche Entscheidung des Frankfurter Erfolgstrainers ist ja auf den ersten Blick durchaus kurios: Statt Königsklasse (wie schön Reisen durch Europa mit der Eintracht sind, hat er in der Saison 2018/19 erfahren, als er erst im Halbfinale beim FC Chelsea dramatisch scheiterte) droht ihm bei seinem neuen Arbeitgeber ja ein Jahr ganz ohne Europapokal. Es droht ihm ein Jahr des sportlichen Neuaufbaus. Umworbene Topleute wie Marcus Thuram oder aber Florian Neuhaus wären wohl kaum zu halten - immerhin würden sie reichlich Geld einspielen. Fraglich wäre sicher auch, wie es mit Leuten wie Nico Elvedi (trotz Vertragsverlängerung vor wenigen Wochen), Denis Zakaria oder Alassane Pléa weitergeht. Auch sie haben Ambitionen, auch sie würden indes gutes Geld bringen - auch in Zeiten der Corona-Pandemie.

Hütter kann nur die Sorge umtreiben

Was hinter einem möglichen Abgang von Hütter steckt, das ist reichlich Spekulation. Aber in Frankfurt verliert er nach Sportdirektor Bruno Hübner (offiziell) und Sportvorstand Fredi Bobic (noch nicht offiziell, aber mit viel Druck in Arbeit) zwei Bauherren des aktuellen Erfolgs. Gemeinsam haben die drei in den vergangenen Jahren eine Top-Mannschaft zusammengebaut, dabei zahlreiche Coups auf dem Transfermarkt gelandet.

Unvergessen ist die Büffelherde um Luka Jović, Ante Rebić und Sébastien Haller. In diese Kategorie gehören aber auch ein André Silva, ein Kevin Trapp, ein Martin Hinteregger und natürlich der phänomenale Filip Kostic. Hinzu kommen Talente wie Evan N'Dicka, Schüsselspieler wie Daichi Kamada oder ein Amin Younes, dessen Karriere mächtig im Tief steckte, bevor er zur Eintracht wechselte.

"Ich wüsste nicht, was ihn momentan nicht in Frankfurt halten sollte", verkündete Eintrachts Mittelfeldspieler Sebastian Rode jüngst nach dem 4:3 gegen den VfL Wolfsburg noch unbeirrt. Doch womöglich treibt Hütter die Sorge um, dass dieser erfolgreiche Weg künftig nicht mehr so erfolgreich ist. In Gladbach dagegen weiß er mit Max Eberl eine Konstante an seiner Seite, die seit Jahren auf dem Transfermarkt ebenfalls erfolgreich wildert und immer wieder eine sehr starke Mannschaft zusammenbaut.

Womöglich ist es also nicht die kurzfristige Perspektive, die ihn aus Frankfurt per Ausstiegsklausel treibt, sondern die mittelfristige. Die Borussen sind als etabliertes Spitzenteam der Bundesliga in ihrer Entwicklung bereits ein ganzes Stück weiter als die Hessen, ungeachtet der aktuellen Tabellenkonstellation. Die Aussicht auf ein neues Projekt mit Potenzial und strukturell gesichertem Überbau schlüge dann die Lust auf Champions-League-Festtage in einem stressigen Umfeld in Neuordnung.

Man werde sich - so hatte es Gladbachs Vize-Präsident Rainer Bonhof zuletzt gesagt - "zu gegebener Zeit äußern" und so wird es dann auch Hütter halten. Zuletzt hatte er zu Spekulationen um seine Zukunft schlicht gar nichts mehr gesagt. Im Februar war das noch anders: "Ich bleibe", betonte Hütter noch im Februar und erteilte damit Spekulationen über seinen möglichen Abgang aus der Mainmetropole eine Absage. "Mit Spekulationen beschäftige ich mich gar nicht. Ich habe Vertrag bei der Eintracht, wo ich mich sehr wohl fühle. Deswegen gibt es überhaupt keine Diskussion." Nun kommt alles offenbar doch ganz anders und ganz ähnlich wie im Falle von Marco Rose, der Tage vor diesem Zitat seinen Wechsel zur neuen Saison verkündet hatte.

Spannend wird indes allemal sein, wie die Fans ihn empfangen. Denn im Prinzip wäre ein Wechsel nicht anders einzuordnen, als der von Rose zum BVB. Dem war es eben auch um den nächsten Schritt gegangen. Und der hat für viel, viel Ärger gesorgt.

Quelle: ntv.de

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