Fußball

Mit Neuwahl zu noch mehr Macht? Jansen erklärt sich nach Rücktritt beim HSV

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Jansen werden gute Chancen zugerechnet, im Sommer wieder an die Spitze des Klubs gewählt zu werden.

(Foto: imago images / Eibner)

Im Frühjahr 2020 krachte es in der Führungsriege beim Hamburger SV, elf Monate später tritt das komplette Präsidium zurück. Laut Ex-Präsident Marcell Jansen gehe es dabei nicht um persönliche Befindlichkeiten. Seine Rückkehr deutet sich jedoch bereits an.

Am Tag nach dem großen Knall herrschte beim Hamburger SV eine fast schon gespenstische Ruhe. Selbst das Rauschen im berüchtigten hanseatischen "Blätterwald" fiel wenige Stunden nach dem Rücktritt des kompletten Präsidiums um Präsident Marcell Jansen ausgesprochen leise und ziemlich unaufgeregt aus.

Jansen, der am Dienstag zu den neuesten Entwicklungen noch beharrlich geschwiegen hatte, wandte sich nun an die HSV-Mitglieder. "Liebe HSV'er", schrieb der Ex-Nationalspieler in seinem publikumswirksamen Post bei Twitter, "es geht um die Raute, ums Wir, nicht um Einzelpersonen. Darum halte ich den geschlossenen Rücktritt des e.V.-Präsidiums für sinnvoll und zielführend. Es ist längst überfällig, dass wieder Ruhe einkehrt. #nurderHSV"

Jansen, der weiterhin im Kontrollgremium des HSV sitzt, hat gut reden. Er darf sich als heimlicher Gewinner des wochenlangen Machtkampfes beim Zweitliga-Tabellenführer fühlen. Wenn bei der Mitgliederversammlung im Sommer eine neue Vereinsführung (bis dahin leitet Geschäftsführer Kumar Tschana die Geschicke) gewählt wird, tritt Jansen wohl erneut an. Diesmal mit einem eigenen Team. Ob seine bissigen Widersacher, die beiden Ex-Präsidiumskollegen Thomas Schulz und Moritz Schaefer, eine Gegenkandidatur starten, ist offen.

Im Vorjahr folgte auf Führungskrise der Nichtaufstieg

Viele im Klub wünschen sich, dass das wochenlange Schmierenstück mit Jansen sowie Schulz und Schaefer in den Hauptrollen nun ein Ende hat. Eine öffentliche Schlammschlacht bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, auf deren fristgerechten Termin sich das heillos zerstrittene Trio zuletzt nicht einigen konnten, ist seit Dienstagabend jedenfalls vom Tisch. Und auch eine Neubesetzung des Aufsichtsrats der Profifußballer, über die zuletzt heftig gestritten wurde, ist vorerst hinfällig.

Dennoch dürften bei einigen Beobachtern die Erinnerungen an das vergangene Jahr wieder hochkommen. Damals, im März 2020, gab es den letzten großen Knall in der Führungsetage des Klubs, als der damalige Vorstandschef Bernd Hoffmann nach einem wochenlang internen Machtkampf gehen musste. Der HSV, seinerzeit nach 25 Spieltagen als Dritter noch dick im Aufstiegsrennen, verpasste die Rückkehr in die Bundesliga am Ende jener Saison erneut.

Es gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich dieses Szenario in diesem Jahr nicht wiederholt. Zum einen wirkt die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune trotz der beiden Unentschieden zuletzt deutlich gefestigter. Zum anderen könnte das Präsidiums-Beben vom Dienstagabend tatsächlich für klare Verhältnisse sorgen. Jansen werden gute Chancen eingeräumt sich in einer möglichen Kampfabstimmung gegen Schulz, der als Vertrauter von Ex-Boss Hoffmann gilt, oder Schaefer durchzusetzen.

Von der Wahl des neuen Präsidiums hängt dann auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrates ab. Jansen wird seit jeher eine Nähe zu Groß-Investor Klaus-Michael Kühne nachgesagt. Dessen Position dürfte sich durch die Geschehnisse von Dienstagabend jedenfalls nicht verschlechtert haben.

Quelle: ntv.de, tsi/sid