Fußball

Umschulung zum Psychologen Magath macht Hertha ein allerletztes Angebot

Im ersten Relegationsspiel zwischen Hertha BSC und dem Hamburger SV sind die Verhältnisse umgekehrt. Die Gäste aus der Hansestadt spielen wie ein Erstligist, die Berliner nicht. Abgesänge werden angestimmt. Trainer Felix Magath macht seinen Spielern jedoch ein überraschendes Angebot.

Felix Magath sprach bereits in der Vergangenheit: "Wir haben die ganze letzte Saison in der ersten Liga gespielt und der HSV hat die ganze Saison in der zweiten Liga gespielt. Soll ich da irgendwas anderes erzählen?", sagte der 68-jährige Übergangstrainer der Berliner nach dem 0:1 (0:0) gegen den HSV und verortete den Hauptstadtklub in dieser seltsamen Zwischenzeit der Relegation: "Damit das so bleibt, müssen wir uns halt steigern am Montag in Hamburg."

Eine Leistungssteigerung ist dringend notwendig, wollen die Berliner nach drei durchgehend chaotischen Spielzeiten ab kommenden Dienstag kein Zweitligist sein. Zu sehr hatte der Hamburger SV das Spiel im vollbesetzten Berliner Olympiastadion bestimmt. Denn es war ja so, dass der HSV mit dem Selbstvertrauen eines Heranstürmenden und die Hertha mit dem eines Taumelnden spielten. Ganz normal: Der Zweitligist war mit der Empfehlung von fünf Siegen im Saisonabschluss in die Hauptstadt gereist. Dort wartete Hertha mit bereits drei vergebenen Matchbällen zum Klassenerhalt.

Sie hatten es nicht geschafft gegen Arminia Bielefeld, nicht gegen den FSV Mainz 05 und nicht gegen Borussia Dortmund. Mehrfach galt der Ligaverbleib bis in die Schlussminuten der Spiele als gesichert, dann wendete sich das Blatt gegen Hertha, die Chancen vergaben, Tore kassierten und hilflos mit ansehen mussten, wie immer irgendwas passierte und sie wieder in Bedrängnis gerieten.

"Schon wieder so ein Drecksding"

Gegen Hamburg nun waren die Berliner ängstlich, überließen den Gästen den Ball und blieben lange Zeit jedoch bei diesem Spiel auf beschaulichem Niveau ohne Gegentor. Der Debütant zwischen den Pfosten, Oliver Christensen hatte den verletzten Marcel Lotka ersetzt, bekam wenig zu tun und musste dann doch mit anschauen, wie Ludovit Reis der Ball bei einer Flanke über den Schlappen und damit ins Tor rutschte.

"Ich habe mir dann auch gedacht: 'Das kann ja wohl nicht wahr sein. Schon wieder so ein Drecksding.' Aber es ist, wie es ist. Bei solchen Toren ist es so, dass wir auch im Spiel alles dagegensetzen müssen", sagte Ex-Kapitän Niklas Starck nach seinem letzten Heimspiel im Olympiastadion: "Wir haben jetzt noch ein Spiel, gefestigt oder nicht, wir müssen in dem einen Spiel einfach alles raushauen, das ist ein Finale für uns."

Ein Finale, in das Hertha nach den etlichen sportlichen Nackenschlägen und dem Chaos neben dem Platz als Außenseiter geht. Magath, der Schleifer, sah sich nach dem Spiel auch eher in der Rolle des Psychologen. Er sprach davon, dass er seine Spieler nun wieder "aufrichten" müsse, denn natürlich seien die nach den letzten Wochen "enttäuscht". Es gelte "viel zu reden" und weniger zu trainieren und wenn, dann müsse man vielleicht weiter "üben", wie der so harmlosen Offensive etwas mehr Durchschlagskraft eingehaucht werden könne.

"Die letzte verbale Planke"

"Sie können Spieler nicht backen", sagte Magath: "Spieler sind so, wie sie sind. Manche sind zweikampfstark, so wie Santi Ascasibar, der heute gesperrt war, und es gibt Spieler, die sind es nicht. Das kann ich denen aber nicht vorwerfen." Ein Satz, auch an Vorstand Fredi Bobic gerichtet, der diesen Kader mitzuverantworten hat. Aber bevor die Scherben aufgeräumt werden, Hertha in jedem Fall eine turbulente Mitgliederversammlung ins Haus steht, geht es noch einmal mindestens 90 Minuten gegen Hamburg. Viel war auf beiden Seiten von einer "ersten Halbzeit" die Rede und Magath, der Neu-Psychologe, hoffte auf die Rückkehr des zwölften Manns. "Heute war Hamburg die glücklichere Mannschaft, warum sollten wir das nicht am Montag sein?", fragte er.

"Das ist der Zweckoptimismus eines sportlich Schiffbrüchigen, der sich an die letzte verbale Planke klammert", schleuderte der lokale Sender RBB ihm zurück und setzte damit den Ton für die mediale Abrechnung mit Hertha. "Dieser Klub hat keine Kraft mehr", schrieb der "Spiegel" und folgerte: "Nach all den Aufgeregtheiten muss Hertha vielleicht einfach mal in den Wald, der "Tagesspiegel" konstatierte: "An Einsatz ließ es Hertha nicht vermissen, aber das spielerische Vermögen reicht nicht, um dem Spiel noch eine Wende zu geben."

Die Reaktionen waren so vernichtend wie treffend. Der Zerfall des Klubs auf allen Ebenen lässt kaum noch eine andere Schlussfolgerung zu: Hertha BSC agiert auf und neben dem Platz wie ein Zweitligist. Nur noch ein Wunder wird die Alte Dame aus der Hauptstadt vor dem Sturz in den Abgrund bewahren.

Quelle: ntv.de, sue

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