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WM-Countdown (78) Muss man sich in Russland registrieren?

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Es gibt vermutlich schönere Begegnungen als eine mit der Polizei in der Metro. Also immer schön registrieren!

(Foto: imago stock&people)

Nachdem wir gestern geklärt haben, wie das in Russland mit der Registrierung funktioniert, bleibt für heute die Frage: Muss das denn sein? Oder kann man das auch einfach sein lassen?

Gestern ging es hier um die Sache mit der Registrierung - also der Pflicht von WM-Besuchern, sich bei den russischen Behörden zu melden. Hotels, Hostels, Campingplätze und so weiter erledigen das für ihre Gäste, doch bei Privatunterkünften ist man darauf angewiesen, dass der Vermieter weiß, was zu tun ist und einen dabei unterstützt.

Was uns zu der Frage bringt: Muss das denn sein? Fällt es auf, wenn man sich nicht registriert? Und kann man, wenn man erwischt wird, nicht einfach einen auf dummer Tourist machen und die Sache weglächeln?

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So sieht so eine Registrierung übrigens aus.

(Foto: Katrin Scheib)

Die Antwort ist einfach: So eine Registrierung braucht kein Mensch - bis man sie dann doch mal braucht. In all den Jahren, in denen ich jetzt in Moskau lebe und Dutzende von netten Leuten bei uns im Gästezimmer geschlafen haben, ist noch nie jemand von denen nach einer Registrierung gefragt worden (und ich auch nicht nach meiner). Auch großflächiges Rumfragen im Freundeskreis ergibt: Die Registrierung ist sowas wie das Latinum. Auch wenn du eins hast, fragt nie einer danach.

Lässt sich diese Erfahrung verallgemeinern? Eher nicht, stattdessen ist es Zeit für eine Runde "Check your privilege". Denn ein Freund erinnert sich dann doch, dass eine Freundin von ihm mal kontrolliert und dann auf einer Polizeiwache in der Metro festgehalten wurde, weil sie ihre Registrierung nicht vorzeigen konnte. Dort saß sie dann, bis ihr jemand die Papiere von zu Hause brachte. Die Freundin kam aus Japan, die Kontrolleure in der Metro hatten sie für eine Zentralasiatin gehalten, da griff das Prinzip "Schikane" und sie wurde rausgewinkt.

Genau das meine ich mit dem Privileg: Dass meine Gäste und ich noch nie in die Verlegenheit gekommen sind, unsere Registrierung vorzeigen zu müssen, liegt auch daran, dass wir sichtbar weiß, wohlhabend, westlich und in vielen Fällen auch weiblich sind. Die Rasterkontrolle greift bei uns nicht - bei anderen, vor allem Männern, die als Tadschiken, Kirgisen, Usbeken oder einfach als diffus "fremd" wahrgenommen werden, aber schon. Und wie das Raster aussehen wird, das Polizei und Sicherheitskräfte während der WM anlegen - wer weiß das schon?

Was bleibt unterm Strich? Die Erkenntnis, dass sich die Registrierung vor allem lohnt, um den Alltag in Russland entspannter zu machen. Um sicherzustellen, dass man nicht doch in eine Debatte mit einem Polizisten verwickelt ist, wenn nebenan im Stadion schon die Hymnen gesungen werden. Die Frage "Hilfst du mir beim Registrieren?" kann man dem Vermieter einer Privatwohnung schließlich genauso bei der Buchungsanfrage stellen wie "Muss ich Handtücher mitbringen?" oder "Gibt es einen Aufzug?".

Und wenn man schon gebucht hat oder der Vermieter sich nach der Ankunft als wenig hilfsbereit entpuppt? Dann lohnt sich ein Anruf beim nächstgelegenen Hostel. Unter der Hand findet sich da eigentlich immer eins, dessen Rezeption die Registrierung für ein paar Hundert Rubel so erledigt, als wäre man dort zu Gast.

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Quelle: ntv.de