Fußball

Der Ruhrpottgigant will zurück Rot-Weiss Essen kämpft um seinen Traum

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RWE will zurück in den Profifußball.

(Foto: picture alliance / BEAUTIFUL SPORTS/Marc Junge)

Seit mehr als zehn Jahren hängt Rot-Weiss Essen in der Regionalliga fest. In der aktuellen Saison stehen die Chancen lange gut, dass es der ehemalige Deutsche Meister diesmal in die dritte Liga schafft. Doch am Ende könnte es wieder kurz vor Schluss schiefgehen.

Es könnte einfach sein. Wenn es so läuft, wie bei den Grundschülern in der Halbzeit, dann müsste sich Rot-Weiss Essen keine großen Sorgen machen. Während RWE und der FC Wegberg-Beeck sich am Freitagabend auf die zweiten 45 Minuten vorbereiteten, spielten die Kinder auf dem Rasen die 10. Essener Stadtmeisterschaft aus. Weil es nach der achtminütigen Spielzeit keinen Gewinner gab, teilten sich die Schulen kurzerhand das Preisgeld und trugen den großen silbernen Pokal gemeinsam stolz durch das Stadion an der Hafenstraße.

Nun ist es mit der Meisterschaft in der Regionalliga West deutlich komplizierter. Am Ende kann nur ein Team in die dritte Liga aufsteigen und zudem herrscht zwischen RWE und Tabellenführer Preußen auch kein Gleichstand. Seit mehr als zehn Jahren hängt Rot-Weiss Essen in der vierten Liga fest, der Deutsche Meister von 1955 ist mittlerweile gefangen zwischen zweiten Abteilungen von Profiklubs. Der Traditionsklub, dessen Mythos zu groß für diese Liga ist, hat momentan nicht die beste Ausgangslage. Spitzenreiter Preußen Münster absolviert derzeit sein Restprogramm souverän. So auch am gestrigen Abend als sie im Parallelspiel gegen den KFC Uerdingen mit 3:0 gewannen. Damit steht Münster zwei Partien vor dem Saisonende mit zwei Punkten und einem Tor vor RWE.

Der Aufstieg liegt nun nicht mehr allein in Essens Händen. Die Rot-Weissen müssen weiter die eigenen Pflichtaufgaben lösen und hoffen, dass der direkte Konkurrent mit dem wohl leichteren Schlussprogramm patzt. Beim 3:1-Erfolg gegen den Abstiegskandidaten Wegberg-Beeck am gestrigen Abend erledigte RWE das mehr oder weniger überzeugend. Es reichten zwei Standardsituationen innerhalb weniger Minuten (28. und 32.), um das Spiel in die entscheidenden Bahnen zu lenken. Auch wenn es durch Wegberg-Beecks Anschlusstreffer zum 2:1 kurz nach der Halbzeit noch zwischenzeitlich knapp wurde, das Spiel drohte nicht zu kippen.

Sorge vor mürrischen Fans

Einen großen Anteil hatte daran auch der Essener Anhang. Der durchkreuzte den Plan des Außenseiters. Wegberg-Beeck hatte sich vorgenommen, für möglichst viel Unruhe auf den Rängen zu sorgen. "Das ist dann für die Spieler von Essen schwierig, wenn die Fans ein bisschen mürrisch werden", erklärte Gästetrainer Mark Zeh nach der Partie, der selbst gebürtiger Essener ist. Doch das Konzept ging nicht auf, zwar wurde hin und wieder gemeckert, doch die rot-weiße Unterstützung blieb ungebrochen. "Ich bin sehr froh darüber, dass die Fans uns über 90 Minuten immer wieder nach vorne getrieben haben", sagte RWE-Coach Christian Neidhart auf der anschließenden Pressekonferenz erleichtert.

Die Unterstützung kann nicht vorausgesetzt werden, schließlich liegen turbulente Monate hinter Rot-Weiss Essen. Allen voran mit dem fatalen Böllerwurf im Regionalliga-Spitzenspiel gegen Preußen Münster im Februar, der am Ende den Aufstieg kosten könnte. Zu jenem Zeitpunkt hatte Essen noch ein paar Punkte Vorsprung auf den direkten Konkurrenten. Als im Februar jedoch ein Fan von der Essener Westtribüne durchdrehte und einen Böller auf die Münster Ersatzspieler geworfen hatte, musste das Spiel nach langer Unterbrechung abgebrochen werden. Erst vergangene Woche wurden Preußen Münster die drei Punkte am Grünen Tisch final zugesprochen. Der Randalierer war unterdessen bereits ermittelt. Laut Polizei handelte es sich um ein 29-jährigen RWE-Fan ohne Dauerkarte, der anhand seines Gesichtstattoos identifiziert werden konnte.

Zum Drama um den Böllerwurf kommt die Unruhe in der Mannschaft. Im Sommer gab es den schmerzhaften Abgang von Kapitän Marco Kehl-Gomez, der in die dritte Liga zu Türkgücü München wechselte. Sein Nachfolger, Dennis Grote, wurde vor der Winterpause suspendiert, weil der Mittelfeldspieler mit einem Wechsel zum direkten Konkurrenten Münster liebäugelte. Danach sollte Torwart Daniel Davari das Team von Neidhart aufs Feld führen. Doch der verlor erst seinen Stammplatz an Jakob Golz und im Anschluss auch das Kapitänsamt. Suspendiert wurde er schließlich wegen "unsportlichen Verhaltens", wie es vom Verein hieß.

Was wird aus dem Traum?

Seitdem trägt Innenverteidiger Daniel Heber die Kapitänsbinde. Der 27-Jährige ist einer derer, dessen Qualitäten auch für den Profifußball reichen könnten. Denn am Kader sollte der Aufstieg eigentlich nicht scheitern. Mit Simon Engelmann stellt RWE den mit deutlichem Abstand besten Torschützen seiner Liga. Gegen Wegberg-Beeck traf er zum 3:1, nachdem er knapp 85 Minuten unauffällig über den Platz gelaufen war. Im Sommer verpflichtete RWE zusätzlich Niklas Tarnat, der die gesamte Jugendakademie des FC Bayern durchlaufen hatte. Und auf dem Platz mehr als nur seinen großen Namen mitbringt. Zudem kam im Winter noch Thomas Eisfeld dazu. Der Spielmacher schaffte zuletzt den Aufstieg mit dem VfL Bochum und wurde beim FC Arsenal und Borussia Dortmund ausgebildet.

Trotzdem lösten die jüngsten Ergebnisse nicht unbedingt Aufstiegseuphorie aus. Dafür sorgte auch das Remis gegen Abstiegskandidaten Alemannia Aachen oder das späte Unentschieden gegen die zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach. Damit ist aber nicht alles verloren. Die Chance, dass sich Rot-Weiss Essens große Sehnsucht erfüllt, sie besteht noch - das weiß auch das Heimpublikum. Nach dem Spiel feierten sie ihr Team noch minutenlang und sangen gemeinsam Schmährufe gegen Preußen Münster.

Den Fans ist bewusst, vor welcher großen Chance der Ruhrpottgigant steht. Im vergangenen Jahr platzte der Traum erst am letzten Spieltag, RWE holte nur drei Punkte weniger als die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund. In diesem Jahr soll es endlich klappen. Es komme jetzt darauf an, erklärte RWE-Trainer Neidhart auf der Pressekonferenz nach Wegberg-Beeck, "wer sein Nervenkostüm besser im Griff hat". Es sind nur zwei Punkte Rückstand in den letzten beiden Partien. "Wir werden alles reinballern, was wir haben und gucken dann, was am dabei rumkommt." Im besten Fall ist das der Aufstieg.

Quelle: ntv.de

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