Fußball

"Laufen der Musik hinterher" Sammer ist enttäuscht vom deutschen Fußball

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Ex-DFB-Spieler Matthias Sammer hat ein düsteres Bild vom deutschen Fußball gezeichnet.

(Foto: dpa)

Steckt der deutsche Fußball in der Krise? Zumindest zeichnet Matthias Sammer ein düsteres Bild, sogar von Identitätsverlust ist die Rede. Beim Branchenkongress erklärt der Ex-DFB-Spieler, woran es gerade hapert. Er selbst wolle aber nicht mit anpacken.

Der ehemalige Europameister Matthias Sammer sorgt sich um den deutschen Fußball und sieht diesen in einer schwierigen Phase. "Wir laufen aktuell der Musik hinterher, sowohl in der Nationalmannschaft als auch zum Teil bei den Klubs", sagte der 51-Jährige auf dem Branchenkongress Spobis in Düsseldorf. Mit Blick auf das WM-Debakel des DFB-Teams 2018 und die zuletzt schwache Europapokal-Bilanz der Bundesligisten in den vergangenen Jahren konstatierte er: "Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass der deutsche Fußball seine Identität verloren hat."

Gerade diese Identität beschrieb Sammer, der nach dem Titelgewinn bei der EM 1996 als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet worden war, als "ganz wichtig" und führte aus: "Der deutsche Fußball war immer geprägt von einer Siegermentalität: nie aufgeben." Dazu müsse er "mit individueller Klasse und Raffinesse gespickt sein", forderte Sammer. Als Paradebeispiel dieser Mentalität nannte Sammer Weltmeister Frankreich. Dieser sei "vielleicht das Spiegelbild, der Spielstil hätte deutscher gar nicht sein können."

Deshalb forderte der frühere Bundesliga-Coach, im deutschen Fußball wieder mehr auf die individuelle Qualität der Spieler zu achten. "Die besten Mannschaften sind geprägt von den besten Einzelspielern, Teamplayern und den Anführern - da brauchst du eine gute Mischung", so Sammer. Demnach mache der Einzelne die Mannschaft gut. Der deutsche Fußball sei gut aufgestellt, "doch wir haben noch so, so viel Potenzial. Auch im Verband, wo wir Fußball-Kompetenz brauchen." Dann mahnte Sammer: "Wer die Nachwuchsarbeit aufgibt, wird als Fußballland pleitegehen."

Er selbst schloss in seiner Rede eine Rückkehr als Funktionär in den Fußball erneut aus. "Ich habe meine Kämpfe alle ausgefochten, bin zufrieden und möchte nichts Operatives mehr irgendwo tun", sagte der Berater des Bundesliga-Tabellenführers BVB, den er 2002 als Trainer zum Meistertitel geführt hatte. Später war er Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund und Sportvorstand beim FC Bayern. Nach einer Auszeit wegen einer Erkrankung arbeitet er nun neben seinem Job beim BVB auch als TV-Experte.

Quelle: ntv.de, cri/sid/dpa