Fußball

Bayern-Spektakel im Schnellcheck Wer war noch mal dieser Robert Lewandowski?

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Lewandowski ist nicht mehr da, der FC Bayern tanzt trotzdem.

(Foto: IMAGO/osnapix)

Der FC Bayern schickt direkt zum Auftakt der Bundesliga-Saison eine Machtdemonstration an den Rest der Liga. Das Zeichen an die Konkurrenz lautet: Lewandowski ist weg - na und? Die Münchner-Offensive, die "schnellste Europas", ist so gefährlich, dass nicht nur Frankfurt Angst und Bange wird.

Der FC Bayern schickt direkt zum Auftakt der Bundesliga-Saison eine Machtdemonstration an den Rest der Liga. Das Zeichen an die Konkurrenz lautet: Lewandowski ist weg - na und? Die Münchner-Offensive, die "schnellste Europas", ist so gefährlich, dass nicht nur Frankfurt Angst und Bange wird.

Was ist passiert im Deutsche Bank Park?

Wie gut ist dieser neue FC Bayern wirklich? War der Transfersommer, in dem die Münchner unzählige Euro für neue Spieler - darunter Megastar Sadio Mané vom FC Liverpool - ausgegeben haben, wirklich der große Erfolg? Und wie steckt der Rekordmeister den Abgang von Rekordtorjäger Robert Lewandowski weg? Das waren die Fragen, die Fußball-Deutschland umtrieben vor dem Auftakt der 60. Bundesliga-Saison.

Dass die erste wirkliche Kraftprobe ausgerechnet beim Europa-League-Sieger Frankfurt stattfinden musste, mag den Bayern-Bossen vor dem Spiel nicht unbedingt geschmeckt haben. Die Eintracht zeigte sich in der Vorbereitung sehr stark und legte einen überaus überzeugenden Auftritt im Pokal hin. Besonders auffällig dabei: Ex-Bayern-Star und Neuzugang von PSV Eindhoven, Mario Götze.

Die Eintracht-Fans machten deshalb richtig Alarm vor dem Spiel und zündelten eifrig im Block. Auch sie wussten: Seit Beginn der Saison 2019/20 fuhren die Hessen drei Bundesliga-Siege gegen den FC Bayern ein - kein Team schaffte mehr. Überhaupt gelangen im deutschen Profifußball keiner Mannschaft wettbewerbsübergreifend mehr Heimsiege gegen den Rekordmeister als der SGE (23).

Ging da also was für den Europapokalsieger? Die kurze, harte Antwort lautet: Nein. Definitiv nicht. Nicht mal annähernd. Das 6:1 (5:0) war nicht einfach ein Sieg für den FC Bayern. Es war eine Demontage. Eine Blamage für die Eintracht, die schon nach 45 Minuten mit 0:5 hinten lag. Und eine Machtdemonstration des Dauerchampions. Ein Zeichen an die Konkurrenz à la: Und ihr dachtet, wir verkraften den Abgang von Lewandowski nicht?

"Die Offensive mit Serge Gnabry, Kingsley Coman, Sadio Mané, Leroy Sané und Jamal Musiala ist die schnellste Europas", sagte Karl-Heinz Rummenigge am Donnerstag. Die Bayern-Gala zeigte: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Münchner könnte durchaus Recht haben. Bayern überrollte Frankfurt nach allen Regeln der fußballerischen Kunst. Der Sieg hätte durchaus noch höher ausfallen können. Der Rest der Liga darf schon wieder zittern.

Schema

Frankfurt: Trapp - Toure, Tuta (81. Hasebe), Ndicka - Knauff, Rode (46. Jakic), Sow, Kostic (74. Alidou) - Lindström (46. Lenz), Mario Götze - Borre (46. Kolo Muani). - Trainer: Glasner

München: Neuer - Pavard (82. Mazraoui), Upamecano, Hernandez (81. de Ligt), Davies - Kimmich, Sabitzer (57. Gravenberch) - Thomas Müller (65. Leroy Sane), Musiala - Mane, Gnabry (65. Tel). - Trainer: Nagelsmann

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)
Tore: 0:1 Kimmich (5.), 0:2 Pavard (11.), 0:3 Mane (29.), 0:4 Musiala (35.), 0:5 Gnabry (43.), 1:5 Muani (64.), 1:6 Musiala (83.)
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)

Der Action-Spielfilm

1. Minute: Die Frankfurt-Fans legen los: Pyro legen die gesamte Kurve hinter Trapp in dichten Nebel.

3. Minute: Die Bayern beginnen mit mächtig Tempo und zeigen, wer Herr im Haus ist.

5. Minute: Tooooooooor für den FC Bayern, 1:0 Kimmich:

Der Traumstart für die Bayern durch einen Bayern-Trick: In halbrechter Position 25 Meter vor dem Tor rechnet alles mit einer Flanke, aber Kimmich jagt die Kugel einfach rechts an der Mauer vorbei flach ins kurze Eck. Trapp sieht nicht gut aus, macht sich noch lang, jedoch ohne Erfolg. Ob die Pyro-Show der Frankfurt-Fans da den eigenen Torhüter beeinträchtigt haben?

11. Minute: Toooooooooooor für den FC Bayern, 2:0 Pavard:

Wieder ein Standard! Nach einer Ecke von rechts kriegen die Hessen den Ball nicht geklärt und nachdem Müller zunächst noch geblockt wird, landet das Leder bei Pavard. Der Franzose hat acht Meter vor dem Tor viel zu viel Platz und knallt den Ball ins linke Eck.

24. Minute: Mega-Konter des FC Bayern über Mané, Gnabry und Müller, der es aber irgendwie schafft, den Ball nicht im freien Tor unterzubringen, sondern an den Pfosten zu stolpern.

29. Minute: Tooooooooooooooor für den FC Bayern, 3:0 Mané:

Direkt das Premierentor im ersten Spiel für den Neuzugang: Die Münchner gewinnen im Mittelfeld den Ball, Kimmich schickt Gnabry auf der linken Seite in den Strafraum, der legt per Lupfer in den Lauf von Mané ab und der Neuzugang trifft aus neun Metern per Kopfballaufsetzer zum 0:3.

35. Minute: Tooooooooooooooooor für den FC Bayern, 4:0 Musiala:

Was. Ist. Denn. Hier. Los? Die Bayern nehmen Frankfurt komplett auseinander. Mané bekommt den Ball 40 Meter vor dem Tor und schüttelt Tuta einfach ab. Am Strafraum passt er den Ball nach rechts in den Lauf von Müller, der dann vor Trapp nur noch querlegen muss und Musiala schiebt ohne Mühe ein.

43. Minute: Toooooooooooooor für den FC Bayern, 5:0 Gnabry:

Es kommt noch dicker für die Eintracht: Wieder bringt Mané die Kugel zu Müller. Der Routinier schaltet schnell und schiebt das Leder im Liegen in den Lauf von Gnabry, der rechts auf und davon ist. Gnabry lupft den Ball dann über den hinausstürzenden Trapp hinweg.

Halbzeit. Durchatmen.

56. Minute: Tor für die Eintracht, aber nicht mit dem VAR: Götze macht den Ball nach einer geklärten Ecke nochmal scharf und Jakić drückt den Ball aus kurzer Distanz irgendwie an Neuer vorbei, stand zuvor aber im Abseits. Der VAR nimmt den Treffer zurück.

64. Minute: Tooooooooooooooor für Eintracht Frankfurt, 1:5 Kolo Muani:

Patzer von Neuer: Der Bayern-Torhüter ist mal wieder außerhalb seines Strafraums unterwegs und wird dort von Hernández angespielt. Neuer hat eigentlich Zeit und Platz, vertändelt den Ball aber irgendwie und wird dann von Kolo Muani gestört, der daraufhin aus 18 Metern ins leere Tor einschiebt.

70. Minute: Da war mehr drin! Götze schickt Knauff auch rechts, aber sein Schuss verpufft am Außennetz.

74. Minute: Der erste Abschluss der Münchner und mit ihm auch fast das 6:1! Kimmichs Steilpass landet im Fuß von Mané, der Trapp am rechten Fünfereck umkurvt, dann aber nicht einschieben kann, weil Trapp stark zurückhechtet und pariert.

83. Minute: Tooooooooooooooooooor für den FC Bayern, 6:1 Musiala:

Die Bayern machen doch noch eins! Mané legt vor dem Strafraum ab zu Sané, der mit dem ersten Kontakt einen ganz starken Steckpass in den Lauf von Musiala spielt. Der Youngster bleibt zehn Meter vor dem Tor gegen zwei Frankfurter stabil und spitzelt die Kugel dann mit links am herauseilenden Trapp vorbei.

Abpfiff

Was war gut

Zunächst einmal dieser unglaublich quirlige, zielstrebige und torgefährliche 19 Jährige Namens Jamal Musiala. Nach einer Gala im Pokal zeigte der Offensivkünstler die nächste ganz starke Show, die auch Bundestrainer Hansi Flick im Stadion mit Blick auf die WM in Katar sehr gefreut haben dürfte. Nicht nur seine zwei Tore waren beeindruckend, Musiala ließ sich auch auf kleinsten Räumen nicht aus der Ruhe bringen und behielt stets die Oberhand. Im Vergleich zur vergangenen Saison hat der Youngster noch mal einen enormen Sprung gemacht. "Ich weiß nicht, ob er beim Obelix am Zaubertrank war", spekulierte Kommentator Sandro Wagner über Musialas Sommerpause bei DAZN.

Ohnehin erwischte aber die komplette Bayern-Offensive einen Sahnetag. Fluide und unglaublich flink auf den Beinen machten Musiala, Mané, Gnabry, Müller und später auch Sané den abgewanderten Lewandowski zumindest für den Bundesliga-Auftakt vergessen. Ihr unfassbares Tempo und ihr starkes Konterspiel waren stets zu viel für die Eintracht. Oft auf einer Reihe laufend, startete dann urplötzlich einer der Offensivakteure blitzschnell vertikal durch, was fast immer zu einem gefährlichen Abschluss führte.

Hungrig gegen den Ball, im offensiven Drittel wie im Mittelfeld, waren die Bayern den Frankfurtern komplett überlegen. Mit tiefem, aber sehr schnellem und gradlinigen Aufbauspiel, hebelten sie die sonst so kompakte Glasner-Truppe aus. Fünf unterschiedliche Torschützen: Wer braucht da noch einen Lewandowski? Nun, die wichtigen Spiele, besonders die in der Champions League, kommen noch.

Was war schlecht?

Frankfurts Defensive ist der ersten Hälfte. Besonders nach Standards verhielt sich die gesamte Mannschaft stümperhaft. Immer wieder begleitete sie den Gegner nur ehrfürchtig. Enge Deckung, auch bei den zweiten Bällen, war quasi nicht vorhanden. Die 50:50-Bälle landeten alle bei den Bayern. Zwei frühe Tore machten Frankfurts Plan zwar komplett kaputt, sich aber im Aufbauspiel immer wieder so sehr aus dem Konzept bringen zu lassen, darf nicht passieren.

Immerhin: Frankfurt gab sich in der zweiten Hälfte nicht auf, was aber natürlich auch mit den Münchnern zu tun hatte, die mindestens zwei Gänge herunterschalteten. Die Eintracht stand tiefer, spielte mit einer 5er- statt 3er-Kette und rannte aggressiver gegen den Ball an.

Ebenfalls schlecht: Die Nachrichten für den Rest der Liga. Wer soll diese Bayern noch aufhalten?

Stimmen zum Spiel

Julian Nagelsmann: "Die Energie, die man spürt, ist schon herausragend. Die erste Halbzeit war schon herausragend und gut anzusehen."

Joshua Kimmich: "Ein Kritikpunkt ist wie immer, dass wir es wieder nicht geschafft haben, zu Null zu spielen."

Quelle: ntv.de

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