Fußball

Was wir wissen - und was nicht Wer zum Teufel stoppt endlich den FC Bayern?

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Sie die Bayern vielleicht in diesem Jahr irgendwie zu stoppen?

(Foto: IMAGO/Revierfoto)

Obacht, es könnte etwas passieren: Der FC Bayern wird NICHT Deutscher Meister. Die Welt der Experten legt sich dagegen in einer anderen Sache fest. Was uns die neue Saison der Fußball-Bundesliga bringen kann und was nicht. Eine Blitzanalyse.

Eine Sache ist eh schon klar: Der VfL Bochum wird die 1. Fußball-Bundesliga am 27. Mai 2023 wieder verlassen. Man ist sich einig in der Expertenwelt. Immerhin. Denn ein anderes Gesetz im deutschen Oberhaus wird von den hiesigen Quassel-Ikonen außer Kraft gesetzt! Man glaubt es kaum, aber einige der Vielgehörten behaupten tatsächlich, dass der FC Bayern in dieser Saison NICHT Meister werden wird. In München waren sie vielleicht nicht pikiert, denn offiziell interessiert sie das Geschwätz der Experten nicht (was in einem gewaltigen Widerspruch zu ihren Reaktionen steht), aber immerhin so motiviert, dass sie im Supercup bei RB Leipzig 45 Minuten lang Angst und Schrecken verbreiteten.

Aber gemach, gemach, nach der Pause kassierte das Premium-Ensemble von Transfer-Gigant Hasan Salihamidžić den Eindruck schnell wieder ein. Die Abwehr wackelig, vorne nicht mehr so effektiv und die Fußball-Nation atmete auf, weil der Traum von einem Titel-Duell nicht geplatzt ist, bevor die erholsame Tiefschlafphase an diesem Freitagabend endet, wenn der Rekordmeister Mario Götze zum Leistungstest bittet. Der spielte als Königstransfer bei den tüchtig aufgerüsteten (unter anderem noch Lucas Alario und Randal Kolo Muani) Europapokal-Euphorikern von Eintracht Frankfurt im Pokal gegen Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg so stark auf, dass Hansi Flick in Abwesenheit zugerufen wurde: Mensch, nimm den Mario doch bitte mit nach Katar! Er könnte der Welt ja mal zeigen …

Saison startet ohne vorherigen Torschützenkönig

Egal, erstmal Bundesliga. Erstmal Kerngeschäft. Und tatsächlich steht ja die Frage dieses Mal nicht nur rhetorisch im Raum, ob Borussia Dortmund die Mannschaft aus München ernsthaft attackieren und überholen kann. Es gibt ein paar gute Argumente dafür. Jude Bellingham etwa, den hochgebaten Mittelfeldchef, der mit seinen 19 Jahren bereits zu den Spielern gehört, der die Fantasien aller großen Klubs für die Zukunft beflügelt. Und natürlich Ex-Neu-Trainer Edin Terzic. Der wird vor seinem ersten post-pandemischen Chefspiel im ausverkauften Tempel an der Strobelallee heroisiert. Er kann, Pardon, soll der neue Heiland werden, nach Erling Heiland, Pardon, Haaland den Klub verlassen hat. In dessen norwegischer Heimat schimpfen sie über den "Blutgeld"-Braut (Braut ist sein zweiter Vorname), in Dortmund gehen sie dagegen ziemlich gelassen damit um, dass ihr Tor-Phänomen weg ist.

Dafür hat Sebastian Kehl gesorgt. Der neue Sportvorstand ist neben Salihamidžić die prägendste (und natürlich ausgabenfreudigste) Figur des deutschen Transfersommers. Drei Nationalspieler (Nico Schlotterbeck, Niklas Süle und Karim Adeyemi) kamen, ein rustikaler Hoffnungsträger (Salih Öczan) und ein Stürmer. Doch Sébastien Haller fällt nach einem Krebs-Schock auf unbestimmte Zeit aus. Ein Ersatz soll zeitnah präsentiert werden. Große und größte Namen werden gehandelt. Aber schon jetzt ist klar: Zum ersten Mal in der Ligageschichte startet eine Saison ohne einen vorherigen Torschützenkönig. Es sei denn, die Dortmunder fischen nun noch Edin Dzeko oder Pierre-Emerick Aubameyang als neuen Torjäger aus der Emscher. Tja: Who the fuck is …

Es ist die Frage aller Fragen! Beantwortet hat sie bereits Sadio Mané. Er ist der neue Weltstar in der Bundesliga. Auch wenn er jeglichen Starkult ablehnt. Fun Fact: Sein Freund und Chaffeur Désiré Segbe Azankpo wird wohl ebenfalls Fußballer des FC Bayern. Der Nationalspieler Benins soll das Regionalliga-Team im Sturm verstärken. Zurück zu Mané. Wer so spielt wie der Senegalese, der wird sich gefallen lassen, dass die Leute ihn bestaunen. Und verehren. Bestaunt wird auch Matthijs de Ligt, der neue, junge Abwehrchef des Rekordmeisters. Man staunt über die etwa 80 Millionen Euro, die für ihn in Summe fällig werden dürften. Ob er verehrt wird, das hängt davon ab, wie sehr der 22-Jährige den wackelnden Lämmerschwanz "Bayern-Abwehr" stabilisiert bekommt.

Hertha wieder fürs Entertainment zuständig?

Fürs Entertainment bietet sich in dieser Saison wieder Hertha BSC an. Der Klub, der mit Präsident Kay Bernstein einen volksnahen Neustart hinlegen möchte, aber parallel noch die Wünsche von Visionär und Investor Lars Windhorst erfüllen muss. Das mündet vor dem ersten Bundesliga-Anpfiff in einer Pokal-Blamage und einem Kader, der so ein bisschen das "Hmpf"-Gefühl bei den Fans heraufbeschwört. Daran kann auch Trainer Sandro Schwarz nichts ändern, der aggressiven Pressing-Fußball verspricht. Um direkt mal die Verhältnisse im Westend zu klären, bittet die DFL am ersten Spieltag zum Berlin-Derby gegen den 1. FC Union in der Alten Försterei.

Union Berlin, das ist der Klub, der in der 1. Bundesliga als einziger behaupten kann, immer besser geworden zu sein. Man kann also sagen: Die Hertha muss zum besten Union Berlin aller Zeiten. Niemand in Blau-Weiß wird diesen Satz (jemals) aussprechen wollen. Dazu ist die Abneigung für den Klassenkameraden aus der eigenen Stadt doch zu groß. Und womöglich auch schon bald überholt. Mit Taiwo Awoniyi verlieren die Eisernen ein halbes Jahr nach Max Kruse (gleich mehr) ihre zweite offensive Spitzenkraft. Umtriebig waren die Bosse indes, holten Jordan Siebatcheu als Ersatz und Milos Pantovic als Mann für Tore aus allen Lagen. Gerne auch aus 50 plus X Metern Distanz. Er könnte den Wahnsinn an der Alten Försterei wieder kultivieren, der seit Kruses Abgang ein wenig darbt.

Kruse, der spielt in Wolfsburg. In der Rückrunde hatte er mit Florian Kohfeldt einen Trainer, der ihn machen ließ. Wer Kruse will, muss Kruse unbedingt Kruse sein lassen. Dazu gehört dann wohl auch die Akzeptanz eines nicht immer höchst professionellen Lebenswandels. Nun ist Kohfeldt bereits wieder Geschichte (keine rühmliche). Die Wiederauferstehung der Elf vom Mittellandkanal liegt in den Händen des fleißigen Niko Kovac. Der schätzt einen disziplinierten Fußball. Nun ist Starspieler Kruse aber genau das etwa so fies wie dem Teufel das Weihwasser. Die Vorbereitung verlief äußerst harmonisch. Kovac schwärmt sogar von seinem Schlüsselspieler.

Ducksch nach Umweg erstligareif?

Fremde Luxusprobleme für einen Giganten wie den FC Schalke 04. Gemeinsam mit Werder Bremen haben die Gelsenkirchener den Abstiegs-GAU schnell repariert und sind zurück. Träumen von einer schnellen Rückkehr nach Europa, sie waren dem Rausch der Glückseligkeit nach einem furiosen Zielsprint entsprungen, erteilt Sportvorstand Rouven Schröder eine krachende Absage. Es geht NUR um den Klassenerhalt. Mit Maloche, mit wenig Geld und einem neuen Trainer, der eher kritisch (um es vorsichtig auszudrücken) beäugt wird. Frank Kramer war jetzt nicht unbedingt die Wunschlösung des eigenen Anhangs, nachdem Eurofighter "Buyo" (Mike Büskens) dem Klub nachdrücklich gezeigt hatte, was für den Erfolg braucht: einen leidenschaftlichen Trainer, der das miefige Grau der alten Industriemetropole als Lebenselixier in sich aufsaugt. Auf dem Spielermarkt sind den Schalkern ein paar Malocher-Coups gelungen, mit Sebastian Polter, Maya Yoshida oder Königstransfer Alex Král.

Bei den Norddeutschen, also den Bremern, wird viel davon abhängen, ob sich die Angreifer Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch als weiterhin treffsicher erweisen. Zumindest Ducksch konnte seine Erstligareife in der Vergangenheit bei Borussia Dortmund, dem SC Paderborn und Fortuna Düsseldorf nicht unter Beweis stellen. "Jetzt aber bin ich älter und stärker", sagte der 28-Jährige der "Sport Bild".

Und sonst so? Am Rhein, da ist was los. Borussia Mönchengladbach spielt jetzt Farkeball. Das ist eine Form des klassischen Fußballs, die sich durch viel Ballbesitz und hohes Pressing auszeichnet. Allerdings ist im Kader noch reichlich Bewegung, ein paar Stars könnten gehen. Alassane Pléa gehört nicht dazu, er hat seinen Vertag gerade langfristig verlängert. Gezittert wird dagegen noch um Marcus Thuram. Bayer Leverkusen will oben angreifen, spricht das Wort Meisterschaft nicht aus, wehrt sich aber auch nicht dagegen, mit dem Titel in lose Verbindung gebracht zu werden. Auch weil Leistungsträger wie Patrik Schick, Florian Wirtz und Moussa Diaby geblieben sind. Und in Köln, da ist alles im Rausch. Baumgart, Europapokal, Karneval. Die Welt könnte fast nicht schöner sein, nur finanziell ein bisschen besser ausgestattet. Für die Dreifachbelastung, Pardon, Zweifachbelastung (im DFB-Pokal ist die Saison ja schon vorbei) könnte der eine oder andere Zugang noch helfen. Und im Hintergrund ist da ja noch das verdrängte Szenario, dass Stürmer Anthony Modeste womöglich geht (zum BVB?).

Ein Coup hat in diesem Sommer auch RB Leipzig gelandet. Der umworbene Christopher Nkunku hat sich für einen neuen Vertrag entschieden, nun könnte nur noch der Abgang von Konrad Laimer zum FC Bayern für Schmerzen sorgen. Die Saison soll nach dem Pokalsieg derweil noch großartiger werden und vor allem ganz anders als die ersten 45 Supercup-Minuten. Neuigkeiten mit Donnerschlag gibt es dagegen aus den anderen Regionen der Liga nicht zu vermelden. Der SC Freiburg spielt mal wieder europäisch - was für eine herausragende Leistung. Und schmückt sich dafür mit Weltmeister Matthias Ginter und Offensiv-Allrounder Ritsu Doan, der mit 8,5 Millionen Euro der zweitteuerste Transfer der Klubhistorie ist. Die Zeiten ändern sich, auch im Breisgau.

Stuttgart hat Silas zurück

Der FC Augsburg hat sich mit Trainer Enrico Maaßen neu aufgestellt und möchte noch nach den Unruhen um die zurückgetretenen Ex-Trainer und Ex-Präsidenten einfach mal wieder Ruhe haben. Der Kader scheint ein solider Mix aus Talenten und Veteranen zu sein. Mit viel Energie und Leidenschaft. Ein Kader für wilde Erfolgsfantasien ist er aber wohl nicht. Vermutlich hegen sie ähnliche Wünsche in Hoffenheim (auch hier ist der Trainer neu, sein Name: André Breitenreiter) und beim VfB Stuttgart. Allerdings ist die Lage in Hoffenheim auch so: Nach zwei schwachen Jahren erhöht Mäzen Dietmar Hopp den Druck und wünscht sich seine TSG dauerhaft auf Platz sechs oder höher. Mit Stanley Nsoki und Grischa Prömel kommen zwei hoch interessanten Männer in den Kraichgau. Perspektivisch dürfte das auch für Finn Ole Becker gelten, das Top-Talent kommt vom FC St. Pauli.

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In Stuttgart dürfte die Sehnsucht nach Ruhe noch vom Wunsch überlagert werden, dass die Topspieler Borna Sosa und Sasa Kalajdzic bleiben. Mit Orel Mangala ist schon ein Schlüsselspieler für teuer Geld gegangen. Gute Nachrichten gibt es aber auch: Die Hochveranlagten Silas Wamangituka und Mohamed Sankoh sind nach Horrorverletzung wieder fit und höchst motiviert, der Welt zu zeigen, wie gut sie eigentlich sind. Bleibt noch Mainz. Ach Mainz, dieses Fast-schon-Urgestein, befreit von enthemmten Fantasien und existenziellen Sorgen. Immer bemüht, sich selbst und seine Spieler weiterzuentwickeln. Jonathan Burkhardt etwa, der an der DFB-Elf kratzt. Oder auch Maxim Leitsch, ein großes Abwehrtalent und Angelo Fulgini. Den Spielmacher leistete man sich von Angers SCO für fünf Millionen Euro Ablöse.

Aber zurück zu den Existenzsorgen. Die liegen ja, laut Experten, sowieso beim ersten FSV-Gegner der Saison, beim VfL Bochum. "Danke dafür", sagt Trainer Thomas Reis und verspricht, das Beste (und Ekeligste) dafür zu tun, dass sich die Experten in der übernächsten Saison wieder anderen, drängenden Fragen zuwenden können: "Der Gegner darf keinen Spaß haben, Fußball zu spielen. Dann ist es egal, ob du ein kleines Budget hast. Wenn wir am Ende Platz 15 erreichen, haben wir etwas Riesiges geschafft." Na dann, Anpfiff.

Quelle: ntv.de

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