Olympia

"Insgesamt in Ordnung" Deutsche Olympia-Bilanz historisch schwach

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Alfons Hörmann fand die Bilanz der deutschen Mannschaft in Tokio "insgesamt in Ordnung".

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei den Olympischen Spielen in Tokio sammelt die deutsche Mannschaft 37 Medaillen - so wenig wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Aus den Teamsportarten trägt am Ende nicht eine einzige Medaille zum Gesamtergebnis bei.

Die deutsche Mannschaft kehrt aus Tokio mit der schlechtesten Olympia-Medaillenbilanz bei Sommerspielen seit der Wiedervereinigung in die Heimat zurück. Die Sportler und Sportlerinnen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gewannen bei den Olympischen Spielen in Japans Hauptstadt 10-mal Gold, 11-mal Silber und 16-mal Bronze.

Mit insgesamt 37 Medaillen gab es in der Abrechnung fünf Medaillen weniger als bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro und vier weniger als beim bislang schlechtesten Abschneiden seit 1990. "Damit liegen wir etwa in dem Bereich der Spiele von Rio und London, aber unterhalb des Korridors von 40 bis 45 Medaillen. Wir haben deutlich weniger Goldmedaillen als in Rio", rechnete Dirk Schimmelpfennig, Chef der deutschen Olympia-Mission. In Peking waren es 2008 insgesamt 41 Medaillen und damit genau halb so viele wie beim ersten Auftritt der gesamtdeutschen Mannschaft 1992 in Barcelona. Die Zahl der Medaillenentscheidungen war in Tokio dabei mit 339 um 33 im Vergleich zu Rio deutlich gestiegen.

Zum ersten Mal seit 1996 gab es in keiner Teamsportart Edelmetall: nicht im Hockey, nicht im Fußball, nicht im Handball und auch nicht im Beachvolleyball. Auch die erfolgsverwöhnten Reiterinnen und Reiter konnten nicht wie seit Jahrzehnten gewohnt eine große Zahl Medaillen zum Mannschaftsergebnis beisteuern, genauso die Ruderer und Kanuten. Die Schwimmer dagegen waren 2012 und 2016 noch leer ausgegangen - in Tokio dagegen fischten Freiwasser-Olympiasieger Florian Wellbrock und Co. drei Medaillen aus dem Wasser. Alexander Zverev machte sich zum ersten deutschen Tennis-Olympiasieger im Einzel.

Damit bestätigte sich die Prognose von Schimmelpfennig bei Halbzeit der Tokio-Spiele, als er ein Abrutschen im Medaillenspiegel vorhergesagt hatte. "Wir gehen davon aus, zwischen Position acht bis zwölf einzulaufen", hatte er gesagt. Am Ende stand Platz neun. In Rio hatte die deutsche Mannschaft Platz fünf belegt, seit 1992 lag sie stets mindestens unter den Top sechs. Schimmelpfennig forderte: "Wir müssen die Finalplätze noch stärker in den Mittelpunkt stellen und das auch Richtung Paris schon ausgeben", sagte Schimmelpfennig mit Blick auf die nächsten Sommerspiele 2024 in der französischen Hauptstadt und nahm die Spitzenverbände in die Pflicht: "Wir glauben, dass sich die Spitzenverbände, jetzt wo wir die Rahmenbedingungen und Strukturen haben, die sich in den letzten Jahren verbessert haben, noch stärker auf konkrete Ziele in Richtung Finalplätze, Medaillen konzentrieren" sollten. "Diese Ziele bestimmen auch den Weg dorthin."

"Mehr Geld, weniger Medaillen"

Als Konsequenz der sportlichen Ergebnisse der deutschen Mannschaft sprach sich Schimmelpfennig dafür aus, die Sportförderung zu "vereinfachen" und zu "entbürokratisieren". "Die Verbände sind an dieser Stelle sehr hoch belastet. Es wäre sehr sinnvoll, wenn wir die Förderrichtlinien so gestalten, dass wir ähnlich wie auch unsere internationale Konkurrenz einfachere Wege gehen können, um Kapazitäten freizuhaben, um uns stärker auf die Inhalte des Leistungssports selbst zu konzentrieren." Die Leistungssportsteuerung in anderen Ländern sei "deutlich einfacher als bei uns. Das ist ein Aspekt, den wir versuchen müssen zu optimieren."

Der Journalist Jens Weinreich, seit vielen Jahren einer der profiliertesten Analysten sportpolitischer Vorgänge weltweit, kommentierte die Forderungen mit Blick auf eine 2016 beschlossene drastische Anhebung der Förderung des Leistungssports aus Steuermitteln zynisch: "Ich übersetze das mal schnell: mehr Geld, weniger Kontrolle, weniger Medaillen, (...)." Die Bundesmittel seien seit der 2016 verabschiedeten Leistungssportreform "exorbitant gestiegen, wie wohl niemals seit Ende der 1960er-Jahre. Die Medaillenzahl wird, trotz mehr als zehn Prozent mehr olympischer Entscheidungen, aber deutlich geringer." Schimmelpfennig hatte darauf verwiesen, dass die Leistungssportreform "mit Wirkung zum 1.1.2022 vollständig umgesetzt werde". Immerhin: DOSB-Präsident Alfons Hörmann befand: "Die sportliche Bilanz ist insgesamt in Ordnung."

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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