Olympia

Das gab es bei Olympia noch nie Hochspringer einigen sich auf doppeltes Gold

Das Hochsprung-Finale der Männer ist einmalig in der langen olympischen Historie der Leichtathletik. Nicht wegen eines Weltrekords, sondern weil der Italiener Gianmarco Tamberi und Mutaz Essa Barshim aus Katar für einen außergewöhnlichen Sportmoment sorgen.

Eigentlich sind die Regeln im Hochsprung eindeutig. Wenn es zwei Athleten gibt, die nicht nur dieselbe Höhe übersprungen haben, sondern auch dieselbe Zahl an Fehlversuchen produziert haben, dann muss ein Stechen her. Denn zwei Sieger sind in der Leichtathletik nicht vorgesehen, die Vorgaben des Weltverbandes sehen einen alleinigen Sieger vor. Im Finale der Olympischen Spiele von Tokio trat genau dieser Fall ein. Der Italiener Gianmarco Tamberi und Mutaz Essa Barshim aus Katar hatten alle Höhen bis einschließlich 2,37 Meter im Gleichschritt gemeistert, scheiterten anschließend dreimal an 2,39 Meter. Und sorgten mit einer Absprache für eine Premiere in der langen olympischen Historie des Hochsprungs.

Ein kurzer Videoausschnitt zeigt die beiden im Gespräch mit einem Kampfrichter, der offenbar den Modus für das Stechen erklären möchte. Ob "zwei Goldmedaillen" denkbar wären, fragt Barshim darin, der Offizielle überlegt kurz, antwortet dann "das ist möglich". Barshim und Tamberi schauen sich an, scheinen sich ohne Worte zu verständigen. "Wenn ihr euch dazu entscheidet ...", leitet der Kampfrichter noch ein, aber die Entscheidung ist längst gefallen. "Das ist Geschichte", sagt Barshim, während Tamberi ausholt, um auf die Einigung einzuschlagen. Dann fallen sich die beiden Hochspringer, die in diesem Moment zu zwei Olympiasiegern werden, in die Arme.

Es ist einer der großen Momente der olympische Historie, den der irische Journalist Gavan Reilly auf Twitter als "die wahre Essenz des Sports" zusammenfasst. Natürlich gibt es Kritik, die beiden Sportler hätten einen alleinigen Sieger ausspringen sollen, so wie es die Regeln eben vorgeben. Tamberi aber erklärte anschließend, warum er "niemals mit einem anderen meine Medaille geteilt hätte", mit Barshim aber schon: "Mutaz hat dasselbe erlebt wie ich", sagt er nach dem Wettkampf und meint dabei die schwere Knöchelverletzung, die beiden in den vergangenen Jahren zurückgeworfen hatte: "Es ist eine magische Nacht."

Barshim betonte in Interviews nach dieser Einigung, dass "niemand entschieden" habe, "wir haben uns einfach angeschaut." Viel mehr sei es "ein großartiges Gefühl, das Gold mit Marco zu teilen". Die Konkurrenten betonten dazu wiederholt ihre Freundschaft, die trotz der zahllosen Wettkämpfe gegeneinander mit der Zeit gewachsen sei. Tamberi jubelte anschließend mit einem Gips, den er nicht nur von seiner Verletzung behalten hatte, sondern sogar mit ins Stadion genommen hatte. "Road to Tokyo" stand darauf geschrieben, die "2020" durchgestrichen, darunter eine "2021". Ein Weg, an dessen ein Moment steht, in dem Sportgeschichte geschrieben wurde.

Tamberi schreit anschließend seine Freude in das weitgehend menschenleere Olympiastadion heraus, als er ungläubig zu Boden. Die Spiele in Rio 2016 hatte der Italiener, der oftmals mit seinem ungewöhnlichen Bart - eine Gesichtshälfte rasiert, die andere nicht - für Aufsehen sorgt, als amtierender Hallen-Weltmeister und Freiluft-Europameister verletzungsbedingt verpasst, war seitdem nie mehr so hoch gesprungen wie im olympischen Finale am heutigen Sonntag. Barshim hatte 2012 in London Bronze gewonnen, 2016 in Rio dann Silber, jetzt sind beide Olympiasieger. "Es ist ein Traum, der wahr geworden ist", erklärt er anschließend, auch Tamberi spricht von einem Traum. Den sich nun beide gemeinsam erfüllen konnten, auf eine bemerkenswerte und außergewöhnliche Art und Weise.

Quelle: ntv.de

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