Wirtschaft

Industrieflaggschiffe gestoppt Auch Porsche stellt die Produktion ein

Mit Porsche hat jetzt der letzte deutsche Autobauer ein Produktionsstopp für seine Werke ausgerufen. Damit hat die Coronavirus-Pandemie das deutsche Industrieflaggschiff mit einer vollen Breitseite erwischt. Wie hart die Einschnitte sind, ist kaum abzuschätzen.

In letzter Sekunde hat nun auch Porsche die Produktion für die nächsten zwei Wochen gestoppt. Der Sportwagenhersteller reagiert damit als letzter deutscher Autobauer auf die erheblich beschleunigte Infektionsrate durch das Coronavirus und die daraus resultierenden Empfehlungen der Behörden. "Neben dem primären Schutz der Belegschaft lassen auch Engpässe bei globalen Lieferketten eine geordnete Produktion derzeit nicht mehr zu", heiß es in einer Erklärung aus Zuffenhausen. Was das für das Unternehmen bedeutet, ist nach Angaben von Porsche_Chef Oliver Blume nicht absehbar. "Klar ist, dass 2020 ein sehr herausforderndes Jahr wird", so Blume.

Mit der Stilllegung der Porsche-Werke hat die Coronavirus-Pandemie jetzt mit voller Wucht das deutsche Industrieflaggschiff, die Autobauer, erwischt, denn auch bei Volkswagen, Audi, Opel, Daimler und Ford werden in den kommenden Wochen die Bänder stillstehen.

BMW will, wie die anderen Hersteller auch, der zu Erwartenden sinkenden Nachfrage ebenfalls mit einem Produktionsstopp in seinen Werken in Europa und Südafrika bis zum 19. April begegnen. Vorstandschef Oliver Zipse sagte, dem absehbaren Rückgang der Nachfrage begegne BMW mit einer "frühzeitigen Anpassung der Produktion".

Betriebsratschef Manfred Schoch sagte, die Gesundheit der Mitarbeiter müsste geschützt und ihre Arbeitsplätze und Einkommen müssten abgesichert werden. Neben den Werksschließungen gebe es drei mit dem Betriebsrat vereinbarte Instrumente, hieße es am Dienstag aus München: Arbeitszeitkonten, Homeoffice und Kurzarbeit. Ein Tarifmitarbeiter bekomme auch bei Kurzarbeit mindestens 93 Prozent seines Nettolohns. Mit diesen drei Instrumenten werde BMW die Belegschaft sicher durch die Coronakrise steuern, verspricht BMW.

Ergebnismarge wird enorm sinken

Im laufenden Jahr werde die Ergebnismarge im Autogeschäft voraussichtlich auf zwei bis vier Prozent vom Umsatz fallen, hieße es aus München. Die Finanzdienstleistungen erwarteten weniger Neuverträge und eine höhere Risikovorsorge. Deshalb dürfte "das Konzernergebnis vor Steuern gegenüber 2019 deutlich zurückgehen", teilte der Autokonzern weiter mit. Es war bereits im vergangenen Jahr von 9,6 auf 7,1 Milliarden Euro gefallen.

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VW stoppt die Bänder an allen Standorten in Europa.

(Foto: picture alliance/dpa)

In diesen Tenor stimmt auch Volkswagen ein. "Wir werden alles tun, um unsere Mitarbeiter zu schützen und unser Geschäft zu stabilisieren", erklärte der Finanzvorstand der VW-Kernsparte, Alexander Seitz, in Wolfsburg. "Wie groß die Auswirkungen sind, können wir heute noch nicht abschätzen." Es sei aber bereits absehbar: "Die Coronakrise ist beispiellos und wird ohne Zweifel einen Einfluss auf die Geschäftsentwicklung haben." Einen genaueren Ausblick auf die kommenden Monate gab das Unternehmen noch nicht.

Alle deutschen sowie viele weitere europäische Fabriken von VW Pkw und auch Standorte der konzerninternen Zuliefersparte sollen ab Donnerstagabend vorsichtshalber für zunächst mindestens zehn Tage geschlossen werden, um die Gefahr weiterer Ansteckungen von Mitarbeitern mit dem Sars-CoV-2-Virus zu vermeiden. Es gibt auch im Konzern bereits bestätigte Fälle.

Hinzu kommen Probleme bei externen Zulieferern: "Durch die zunehmend herausfordernde und dynamische Situation im Bereich der Zulieferer und Logistik kann eine stabile Versorgung der Werke nicht mehr dauerhaft gewährleistet werden." Das vergangene Geschäftsjahr war für die Wolfsburger noch einmal gut verlaufen. Trotz konjunktureller Abkühlung in vielen Ländern konnte das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen bei den Autos mit dem VW-Emblem von 3,2 auf 3,8 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Umsatz legte um 4,5 Prozent auf 88,4 Milliarden Euro zu, die Marke verkaufte weltweit knapp 6,3 Millionen Fahrzeuge.

Daimler beziffert Verluste noch nicht

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Auch bei Mercedes wurde ein Produktionstopp angeordnet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch beim Autobauer Daimler stehen wegen des Coronavirus vorerst in vielen Werken die Bänder still. Wie groß die finanziellen Belastungen für die Stuttgarter werden, hat die Konzernleitung noch nicht bekannt gegeben. Ein Großteil der Produktion in Europa werde von dieser Woche an für zunächst zwei Wochen geschlossen, teilte Daimler am Dienstag mit. Betroffen seien sowohl die Pkw- und Transporter- als auch die Nutzfahrzeug-Produktion. Bis zum Ende dieser Woche sollen die Werke heruntergefahren werden. "Mit diesen Maßnahmen leistet das Unternehmen seinen Beitrag, die Belegschaft zu schützen, Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung dieser Pandemie einzudämmen", hieß es. "Gleichzeitig trägt diese Entscheidung dazu bei, Daimler auf eine Phase vorübergehend niedrigerer Nachfrage vorzubereiten und die Finanzkraft des Unternehmens zu sichern."

Richtig hart dürfte es für Opel werden. Zwar hatten auch die Rüsselsheimer im vergangenen Jahr recht gute Ergebnisse eingefahren, aber ob das ausreicht, um kommende Produktionsausfälle zu puffern, bleibt abzuwarten. Im Stammwerk Rüsselsheim wird momentan die Produktion heruntergefahren. Dort gab es allerdings bereits vor der Coronakrise Kurzarbeit, weil sich das dort produzierte Mittelklassemodell Insignia nur noch mäßig verkaufte. Opel spricht derzeit mit den Arbeitnehmern und der Arbeitsagentur über die Ausweitung der Kurzarbeit, hieß es in einer internen Information vom Montag.

Ford wird ab Donnerstag an den deutschen Standorten in Köln und Saarlouis sowie anderen Standorten in Europa die Bänder anhalten, wie der Autobauer am Dienstag mitteilte. Ausnahme seien die Motorenwerke in Großbritannien. Wie lange der Produktionsstopp anhalten werde, sei noch unklar, sagte ein Sprecher. Kurzarbeit bis Ende des Jahres hatte der Autobauer für den Kölner Standort bereits im Februar beantragt. Ob diese Maßnahme auch für weitere Standorte geplant sei, konnte das Unternehmen zunächst nicht bestätigen.

Quelle: ntv.de, hpr/dpa