Wirtschaft

Aktie im freien Fall "Tesla hat keine Überlebenschance"

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Wie ernst ist die Lage bei Tesla? Elon Musk hat Anlass zur Sorge.

(Foto: REUTERS)

Selbst Telsa-Chef Elon Musk gibt seiner E-Autoschmiede nur noch zehn Monate, bis die Kasse leer ist. "Das Wasser steht ihm bis zum Hals", sagt Helmut Becker n-tv.de. Der Kurssturz der Aktie sei nur "der Gipfel des Eisbergs". Sogar für chinesische Investoren sei Tesla inzwischen nicht mehr attraktiv.

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n-tv.de: Teslas Börsenwert schrumpft immer weiter, Übernahmefantasien schießen ins Kraut. Vor fünf Jahren soll Tim Cook schon einmal mit Elon Musk über einen Kauf gesprochen haben. Könnte Apple beim aktuellen Niedrigkurs Appetit verspüren? Oder jemand anders?

Helmut Becker: Grundsätzlich ist alles möglich. Dennoch spricht einiges dagegen. Teslas Aktienkurs spiegelt ja das nicht funktionierende Geschäftsmodell wider. Bei einer Übernahme würde Apple-Chef Cook nicht nur einen Elektroautobauer, sondern auch die zehn Milliarden Dollar Schulden kaufen, die Elon Musk angehäuft hat. Deshalb macht ein Kauf keinen Sinn. Ich halte das Gerücht für eine Nebelkerze. Allenfalls die Chinesen kämen noch in Frage. Die brauchen Knowhow, haben Geld und kaufen alles, was innovativ ist. Aber im Handelskonflikt mit den USA ist eine Übernahme aus China wohl kaum denkbar.

Die US-Investmentbank Morgan Stanley schockte mit dem Szenario, dass die Aktie im schlimmsten Fall auf zehn Dollar fallen könnte. Wie schlimm steht es um Tesla?

Aus meiner Sicht hat Tesla keine Überlebenschance. Der Kursverfall ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Schlimmer ist, dass die Führungskräfte, allen voran Finanzvorstand sowie Entwicklungs- und Technikvorstand aus dem Unternehmen flüchten. Hinzu kommen Sparmaßnahmen im Vertrieb, weniger Verkaufsstellen, Entlassung von Mitarbeitern in der Produktion. Das macht doch keinen Sinn: Genau dort fehlen doch Kapazitäten, wie man an den endlosen Produktionsproblemen sieht. Sparprogramme in Notsituationen kündigen meiner Erfahrung nach immer das Ende eines Unternehmens an. Elon Musk gibt sich selber noch zehn Monate, dann ist die Kasse leer. Das Wasser steht ihm bis zum Hals. Mit seiner Ankündigung hat er zumindest bewirkt, dass man ihm später keine unterlassene Konkursankündigung vorwerfen kann. 

Sie sagen, Musks angekündigte "Hardcore"-Sparmaßnahmen werden nichts Positives mehr bewirken können?

"Hardcore" bedeutet in dem Fall doch nur noch weitere Entlassungen und die Senkung von Reise- und Kommunikationskosten. Das bringt nichts.

Und wenn Musk abtreten und jemand anderem die Konzernführung überlassen würde, wie Kritiker schon länger fordern?

Helmut Becker schreibt für n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt. Becker war 24 Jahre Chefvolkswirt bei BMW und leitet das "Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK)". Er berät Unternehmen in automobilspezifischen Fragen.

Helmut Becker schreibt für n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt. Becker war 24 Jahre Chefvolkswirt bei BMW und leitet das "Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK)".

Das ändert auch nichts am maroden Geschäftsmodell: Tesla ist zu klein und bewegt zu wenig Volumen. Außerdem hat der Konzern zu große fixe Strukturkosten, um mit den Großen der Branche mithalten zu können. Zudem ist das Projekt Gigafactory auf Eis gelegt, weil Panasonic den Geldhahn zugedreht hat.

Die älteren Tesla-Modelle S und X verkaufen sich immer schlechter. Das Model 3 sollte helfen. Könnte der Mittelklassewagen bei allen Problemen, die es gibt, vielleicht doch noch überraschend die Wende bringen?

Nein, auf keinen Fall. Jedes Model 3 wird unter Kosten verkauft. Das kann logischerweise also den Verlust nur erhöhen. Der Preis wurde schon mehrfach angehoben. Er liegt heute bei 35.000 Dollar. Die Ausstattung ist mittelmäßig und muss vom Kunden, wenn er auch nur etwas Komfort haben möchte, teuer dazu gekauft werden. Trotzdem dürften die Kosten im zweistelligen Prozentbereich über dem Verkaufserlös liegen.

Tesla bekommt bald jede Menge Konkurrenz: im Premiumbereich durch den Audi e-tron, den Mercedes EQC, die BMW-Modelle i3 und i8 sowie den Porsche Taycan. Im Mittelklassesegment greift VW mit seinem ID.3 an. Was bedeutet das für Tesla?

Tesla verliert seine Alleinstellungsmerkmale. Viele Hunde sind des Hasen Tod. Die Meute ist da, Sie haben sie alle genannt. Der Jaguar i-pace kommt auch noch hinzu. Und all diese Hersteller können nicht nur wirkliche Qualitätsautos bauen, sie haben auch eine Verkaufs- und Werkstattorganisation. Tesla nicht.

Sie sagen also, die Größe macht's?

Ja, Tesla ist zu klein. VW dagegen kann 30 Milliarden Dollar Strafe für den Dieselskandal allein in den USA zahlen, aber auch locker eine Milliarde in E-Mobilität investieren. Tesla kann da nicht mithalten.

Im Westen wird immer von den westlichen Autobauern berichtet. Wie stark ist die chinesische Konkurrenz, wie Build Your Dream und Geely?

Es gibt inzwischen 500 chinesische Elektroautobauer. Zu fürchten ist wohl nur die Marke "Weltmeister" (lacht). Aber im Ernst: Auf den Autobahnringen um Schanghai sieht man tagtäglich die gestrandeten E-Autos von chinesischen Wettbewerbern. Das ist alles nur heiße Luft. Die Chinesen können nur Batterie-Elektromobilität. Ohne Strom bleiben sie reihenweise liegen.

Mit Helmut Becker sprach Diana Dittmer.

Quelle: n-tv.de

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