Wirtschaft

Das Geld reicht noch zehn Monate Tesla-Chef schickt Warnung an Mitarbeiter

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Elon Musk soll sich nicht verzetteln, fordern Analysten.

(Foto: REUTERS)

Elon Musk ruft um Hilfe: Tesla taumelt der Pleite entgegen. In einer Rundmail verordnet der Firmenchef seinen Mitarbeitern "Hardcore"-Sparen. "Ersatzteile, Gehälter, Reisekosten, Mieten", alles muss auf den Prüfstand. Die Aktionäre suchen scharenweise das Weite.

Selbst eingefleischte Tesla-Fans fallen offenbar langsam vom Glauben ab: Allein am Montag verlor die Aktie des E-Autobauers mehr als sieben Prozent. Mit weniger als 200 Dollar waren die Papiere so billig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Im Juni 2017 waren sie mit knapp 390 Dollar fast doppelt zu teuer. Und Analysten gehen davon aus, dass das noch nicht der Tiefpunkt ist.

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Auslöser für die Panik ist eine Rundmail, die Tesla-Chef Elon Musk laut Medienberichten vergangenen Donnerstag an seine Mitarbeiter geschickt haben soll. Darin soll er die Belegschaft informiert haben, dass die Barmittel von Tesla nur noch für zehn Monate reichen. Wenn das Geld weiter so verbrannt würde wie im ersten Quartal, könne Tesla die Gewinnschwelle in diesem Jahr nicht mehr erreichen, warnt Musk.

Mit Finanzchef Zachary Kirkhorn ergreift Musk nun "Hardcore"-Maßnahmen: "Alle Ausgaben jeglicher Art, einschließlich Teile, Gehalt, Reisekosten, Miete, buchstäblich jede Zahlung, die unser Bankkonto verlässt", müssten überprüft werden, zitiert Reuters aus der Mitarbeiter-Mail. Das sei "extrem wichtig, egal wie klein die Ausgaben sein mögen". Bei Tesla herrsche "Alarmstufe rot", zitiert der US-Sender CNBC den Analysten des US-Investmenthauses Wedbush, Dan Ives. Tesla müsse einen Aufstieg wie auf den Kilimandscharo hinlegen, um seine Ziele noch zu erreichen. Ives, der auch von einer "Herkulesaufgabe" für Musk spricht, gilt eigentlich als einer der Tesla-freundlichen Analysten.

"Alarmstufe rot"

Zu denken geben dürfte Beobachtern, dass es nicht der erste Spar-Appell bei Tesla ist. Als Musk sich vor einen Jahr mit einer ähnlichen E-Mail an die Mitarbeiter wandte und sein Finanzteam anwies, "alle Ausgaben weltweit durchzukämmen", feuerte er kurz darauf neun Prozent der Belegschaft. Außerdem sollte der Vertrieb der Elektrowagen umgestellt werden, Tesla wollte sein Händlernetz stutzen und vorrangig Online verkaufen. Später ruderte er jedoch zurück. Es dürfte spannend werden, welche Konsequenzen Musk diesmal zieht.

Laut US-Medien will Musk seinen Geldgebern, die Tesla Anfang des Monats eine Milliarden-Finanzspritze gegeben haben, beweisen, dass sich das Investment lohnt. Denn die Zweifel an Musks vollmundigen Versprechen wachsen. Die Tesla 3-Produktion hinkt nicht nur hinterher, das angeblich erste massentaugliche E-Auto ist in der Herstellung immer noch viel zu teuer.

Erst vor einem Monat rutschte der Autobauer erneut in die Verlustzone. Rund 700 Millionen Dollar verlor Tesla im ersten Quartal, mehr als im Vorfeld erwartet. Eigentlich sollte es im dritten Quartal wieder bergauf gehen. Doch angesichts der vielen Probleme könnte das lediglich ein frommer Wunsch bleiben.

Verzweifelter Hilferuf aus dem Chefbüro

Denn die Konkurrenz hat kräftig aufgeholt. VW sitzt dem US-Pionier bereits im Nacken. Die Wolfsburger wollen 2021 einen Elektro-Geländewagen in China auf den Markt bringen und Tesla auf dem weltgrößten Automarkt so unter Druck setzen. Auch Daimler, BMW und General Motors elektrifizieren unter Hochdruck ihre Flotten. Für den ID.3, das erste E-Auto von Volkswagen, das mit Teslas Model 3 konkurriert und für knapp 30.000 Euro zu haben ist, gab es nach Unternehmensangaben in den ersten 24 Stunden 10.000 Vorbestellungen.

Zudem kämpft Tesla mit gravierenden Sicherheitsproblemen rund um seinen Autopiloten. Bei einem tödlichen Unfall mit einem Lkw hatte ein Fahrzeug im Autopilot-Modus Anfang März das Tempo nicht gedrosselt. Es war bereits die dritte verheerende Kollision, bei der ein Fahrer seine Hände nicht mehr am Steuer hatte.

Musk rechtfertigte sich. Die Autopilot-Funktion, bei dem das Fahrzeug selbstständig beschleunigen, bremsen und lenken kann, sei "für den Einsatz mit einem voll aufmerksamen Fahrer bestimmt, der die Hände auf dem Lenkrad hat und jederzeit bereit ist, die Kontrolle zu übernehmen". Experten bemängeln jedoch, dass die Technik es zulasse, dass der Fahrer nicht auf den Verkehr achte. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde hat deshalb verfügt, dass der Autopilot künftig nicht mehr in "unsicheren Situationen" benutzt werden darf.

Angesichts der vielen Baustellen wirkt Musks Appell an die Mitarbeiter fast wie ein Hilfeschrei. Der Rückhalt bei den Investoren bröckelt zu Recht rapide: Erst kürzlich verlor Tesla einen seiner größten und treuesten Aktionäre. Die Investmentgesellschaft T. Rowe Price verkaufte im ersten Quartal gut 80 Prozent ihrer Tesla-Aktien. Analysten gehen davon aus, dass die Sorgen über die weitere Geldbeschaffung, Lieferprobleme beim Model 3 und der Streit mit den Regulierungsbehörden wegen Musks umstrittener Tweets der Auslöser waren.

Wedbush-Analyst Ives forderte deshalb von Tesla ein radikales Umdenken. Musk solle sich ab jetzt voll und ganz auf das Model 3 konzentrieren, statt sich in immer neue Projekte zu verrennen. Analysten prognostizieren ansonsten einen weiteren Kurssturz. Ein Horroszenario kommt von Morgan Stanley. Hier heißt es, der Preis könnte schlimmstenfalls auf zehn Dollar fallen.

Quelle: n-tv.de