Wirtschaft

Gefährlichster Moment seit 2009 Warum die Welt vor dem Währungskrieg zittert

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Der Handelskrieg zwischen Donald Trump und Xi Jinping könnte zum Währungskrieg eskalieren.

(Foto: REUTERS)

Im Handelskonflikt mit den USA lässt China erstmals den Wechselkurs des Renminbi deutlich abrutschen. Die Drohgebärde versetzt die Börsen weltweit in Panik. Denn ein Währungskrieg zwischen Peking und Washington würde weltweit enorme Verwüstung anrichten.

117 Milliarden Dollar an einem Tag - so viel Geld haben die 500 reichsten Menschen der Welt am Montag auf dem Papier verloren, als die US-Aktienmärkte aus Sorge um den eskalierenden Handelskrieg zwischen den USA und China den größten Tagesverlust des Jahres erlitten. Schon bald könnten die Verluste nicht mehr nur Milliardäre treffen: An den Börsen geht die Angst um, dass der Handelskrieg zwischen Washington und Peking nun in einen Währungskrieg mündet. Die Folgen könnten verheerend sein - für die USA, für Europa und China selbst.

Nachdem US-Präsident Trump neue Zölle auf chinesische Importe im Wert von fast 300 Milliarden Dollar angekündigt hatte, antwortete Peking prompt: Fortan will China keine landwirtschaftlichen Produkte aus den USA mehr kaufen. Und Chinas Zentralbank wertete am Montag den Renminbi ab, indem sie den Wechselkurs erstmals seit 2008 über die psychologisch wichtige Marke von 7 Renminbi pro Dollar steigen ließ. Washington erklärte China daraufhin offiziell zum Währungsmanipulator.

"Gefährlichster Moment seit der Finanzkrise"

Trump wirft Peking schon lange vor, seine Währung abzuwerten, um die Exporte anzukurbeln. Denn wenn der Renminbi im Vergleich zum Dollar günstiger wird, werden chinesische Produkte im Ausland billiger - und chinesische Firmen haben einen Wettbewerbsvorteil. "Beggar-thy-neighbor"-Politik nennen Ökonomen diese Strategie, weil sie darauf zielt, den Nachbarn zum eigenen Vorteil "zum Bettler" zu machen.

China weist den Vorwurf zurück: Der Einbruch des Wechselkurses gehe auf Marktkräfte zurück, weil Investoren aus Angst vor dem eskalierenden Handelskrieg Chinas Währung abstießen. Schuld an der Abwertung seien die Zölle der USA auf chinesische Waren, teilte die Zentralbank mit.

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Dass China erstmals andeutet, seine Währung im Handelskrieg als Waffe einzusetzen, rüttelt die Märkte auf: "Auf einer Skala von 1 bis 10 ist das eine 11", zitiert Bloomberg den Analysten Chris Krueger vom Analysehaus Cowen. Chinas "massive" Vergeltung sei ein "direkter Schuss gegen das Weiße Haus." Es sei "enorm bedeutsam", dass die Zentralbank sich zu diesem Schritt entschlossen hat, warnt auch Michael Every von der Rabobank. "Das wird schnell und schlimm eskalieren". Und der ehemalige Harvard-Präsident und Finanzminister Lawrence Summers fürchtet: "Wir befinden uns wahrscheinlich im gefährlichsten finanziellen Moment seit der Finanzkrise 2009".

Denn mit der Drohgebärde demonstriert Chinas Zentralbank vor allem Entschlossenheit. Die Abwertung der Währung puffert den Schaden, den Trump der Volksrepublik mit seinen Zöllen zufügen will, teilweise ab, weil chinesische Waren dadurch im Ausland billiger werden. China signalisiert Washington damit deutlich, dass es trotz der Zoll-Attacken nicht einknicken wird. Denn formal wird der Wechselkurs zwar von der Zentralbank festgelegt. Aber “das war ganz klar eine Entscheidung, die weiter oben getroffen wurde", zitiert die "New York Times" Michael Pettis, einen Finanzprofessor an der Guanghua School of Management in Peking.

Ein Abwärtsspirale, in der alle verlieren

Die berechtigte Sorge der Finanzmärkte ist daher, dass die Eskalation zwischen China und den USA nun wohl noch zunehmen dürfte und den Handel – und damit das weltweite Wachstum – weiter abwürgt. Bereits jetzt zeigen sich die Bremsspuren deutlich. Chinas Wirtschaft wächst inzwischen so langsam wie seit 1992 nicht mehr. Das kühlt auch die globale Konjunktur immer mehr ab: In den USA wächst die Wirtschaft zwar noch solide, aber aus Angst vor einem Einbruch hat die US-Notenbank bereits erstmals seit der Finanzkrise wieder die Zinsen gesenkt. Auch in Europa herrscht zunehmend Flaute, hier steht die EZB ebenfalls mit noch niedrigeren Zinsen und Anleihekäufen in den Startlöchern.

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Hinzu kommt die Furcht, dass auch die USA unter Trump genau wie die Chinesen bald zur Währungs-Waffe greifen könnten. Denn der US-Präsident fordert die Währungshüter der Fed inzwischen fast täglich auf, es China gleichzutun und den Dollar abzuwerten. Sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow hat bereits offen zugegeben, dass er mit dem Präsidenten über Interventionen am Währungsmarkt gesprochen hat, um den Dollar künstlich zu schwächen. Es besteht daher die reale Gefahr, dass der jüngste Schlagabtausch zwischen Washington und Peking eine Abwertungsspirale auslöst, in der alle verlieren - so wie vor der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren.

Zwar würde ein solcher Währungskrieg vor allem China selbst schaden. Chinesische Konzerne haben im kreditgetriebenen Wachstumsboom einen enormen Schuldenberg in Dollar angehäuft. Sollte Peking den Renminbi wirklich abwerten, würde der Wert dieser Schuldenlast explodieren. Auch die Ölimporte würden sich massiv verteuern und die Inflation im Reich der Mitte antreiben. Und schließlich würden die Chinesen selbst versuchen, ihr Geld vor dem Wertverlust ins Ausland zu retten.  

Doch der Raum für einen gesichtswahrenden Kompromiss im Handelskrieg wird geringer. Trump will sich mit Härte gegen China die Wiederwahl im kommenden Jahr sichern. Und Chinas Präsident Xi Jinping hofft offenbar darauf, Trump aussitzen zu können, um mit seinem Nachfolger einen besseren Deal zu machen. Die jetzige Situation sei "wie ein perfekter Sturm", zitiert Bloomberg den früheren US-Sicherheitsberater Dennis Wilder. "Beide haben in diesem Poker mit hohem Einsatz, eine Menge zu verlieren."

Quelle: n-tv.de

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