Wirtschaft

"Keine guten Aussichten" DIW erwartet schrumpfendes BIP im Sommer

122337432.jpg

Daumen nach unten: Die DIW-Forscher erwarten ein sinkendes BIP.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Auftragslage verschlechtere sich, die Verbraucher seien skeptischer, der Arbeitsmarkt verliere an Fahrt: Die Experten vom DIW sehen im laufenden Quartal einige Probleme für die deutsche Wirtschaft. Sie erwarten, dass das BIP sinkt. Wirklich schlimm sei die Lage aber nicht.

Die deutsche Wirtschaft dürfte nach Prognose der Berliner DIW-Forscher vor allem wegen der schwächelnden Industrie im dritten Quartal schrumpfen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde von Juli bis September wohl um 0,1 Prozent zum Vorquartal sinken, sagte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung voraus. Denn die Industrie-Flaute setze sich zusehends fort und strahle auf die gesamte Wirtschaft aus. "Die Auftragslage verschlechtert sich, die Verbraucher werden skeptischer, und selbst der bislang so robuste Arbeitsmarkt verliert an Fahrt - keine guten Aussichten für das laufende Quartal", erklärte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Zuletzt hatte bereits die Bundesbank für das Frühjahr ein sinkendes BIP prognostiziert. Wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge schrumpft, sprechen Fachleute von einer technischen Rezession. Das DIW selbst geht für die Zeit von April bis Juni von einer Stagnation aus. "Das ist eher eine schwarze Null, wir haben jetzt aber die zweite Delle in Folge", sagte DIW-Experte Simon Junker. Derzeit gebe es wegen der internationalen Handelskonflikte zwar kaum Impulse vom Außenhandel. Junker betonte aber: "Die Lage ist nicht so schlimm wie von vielen befürchtet."

Die Wirtschaftslobby äußert sich derweil skeptisch und sieht vor allem die Regierung am Zuge. Deutschland hinke beim Wachstum hinterher, und die drohende Krise sei auch hausgemacht und nicht nur Brexit und Zollstreit geschuldet, sagte Mittelstandspräsident Mario Ohoven. "Anstatt in unsere Zukunft zu investieren, hat die Große Koalition mit den jahrelang üppig sprudelnden Steuern die Umverteilung befeuert."

"Wachstumspaket gegen Abschwung schnüren"

Wegen der fast eine Billion teuren Energiewende müssten die Firmen die mit Abstand höchsten Strompreise weltweit schultern. "Die Politik ist obsessiv auf den Klimaschutz fixiert und demontiert dafür unsere Automobilindustrie", kritisierte Ohoven. Er forderte einen Kurswechsel, weg von einer "weiteren Aufblähung der Sozialausgaben" hin zu Investitionen in Bildung, Innovation und Infrastruktur. "Die Bundesregierung sollte ein Wachstumspaket gegen den Abschwung schnüren."

Wichtig sei es, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu kappen, die Körperschaftsteuersatz um einen Punkt auf 14 Prozent zu senken und den Solidaritätszuschlag sofort vollständig abzuschaffen, so Ohoven. Zudem sollten steuerliche Abschreibungsbedingungen verbessert und insbesondere Geringverdiener von "der hohen Abgabenlast" stärker verschont werden, sagte der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW).

Quelle: n-tv.de, mli/rts

Mehr zum Thema