Wirtschaft

Weitere Zinssenkung in Aussicht EZB schaltet in den Krisenmodus

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(Foto: picture alliance/dpa)

In der Eurozone trübt sich die Konjunktur weiter ein und auch weltweit sind die Aussichten bestenfalls verhalten. Die EZB beginnt nun gegenzusteuern. Für Sparer setzen sich die harten Zeiten damit unverändert fort.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten die Weichen in Richtung Zinssenkung. Die Währungshüter deuteten in ihrem neuen Ausblick auch die Möglichkeit noch tieferer Schlüsselzinsen bis Mitte 2020 an. Laut ihrer bisherigen Prognose wollte die EZB bis dahin nicht an den Schlüsselsätzen rütteln. Den Leitzins beließ die EZB derweil bei 0,0 Prozent.

Zudem beauftrage die Notenbank ihre Ausschüsse, alle Optionen zu prüfen, darunter Staffelzinsen sowie erneute Anleihenkäufe. Eine Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik, wie sie vor allem in Deutschland gefordert wird, rückt damit in immer weitere Ferne.

EZB-Chef Mario Draghi blickt skeptisch auf die Konjunktur. Die noch vor Wochen erhoffte Erholung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte sei "nun weniger wahrscheinlich". Dabei spiele die Bedrohung durch den Protektionismus eine Rolle, sagte Draghi mit Blick auf den von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreit mit China. Hinzu komme als zusätzliche Sorge die Möglichkeit eines harten Brexit. Das Risiko einer Rezession sei allerdings ziemlich gering.

"Wir diskutiert, wann wir diskutieren wollen"

Weiter sagte er, dass der EZB-Rat noch nicht darüber diskutiert habe, wie stark die Zinsen gesenkt und wie groß neue Nettokäufe werden sowie wie diese zusammengesetzt sein könnten. Auch über die derzeit gültigen Ankaufobergrenzen habe der Rat noch nicht debattiert. "Wir haben darüber diskutiert, wann wir diskutieren wollen, und das ist der September." Dann würden auch die neuen makroökonomischen Projektionen des volkswirtschaftlichen Stabs vorliegen. Draghi verwies darauf, dass die von der EZB regelmäßig befragten Professional Forecasters ihre Inflationsprognosen gesenkt hätten.

An den Börsen wird bereits fest damit gerechnet, dass die Währungshüter den sogenannten Einlagensatz im September weiter in den negativen Bereich drücken. Schon seit 2014 müssen Geldhäuser auf ihre Einlagen bei der EZB Strafzinsen zahlen. Aktuell liegt der Satz bei minus 0,4 Prozent.

Draghi hatte schon im Juni eine weitere Lockerung der Geldpolitik signalisiert, sollte die Inflation nicht anziehen. Zinssenkungen und Maßnahmen, um unerwünschte Nebenwirkungen der Negativzinsen einzudämmen, gehörten zu den Möglichkeiten. Es gebe auch Spielraum für weitere Anleihenkäufe.

Neue Runde weltweiter Zinssenkungen?

Damit läutet die EZB eine Runde von Zinssenkungen der großen Notenbanken ein. An der Börse gilt als sicher, dass die US-Notenbank Fed den Schlüsselsatz in der kommenden Woche um mindestens einen Viertel-Prozentpunkt senkt. Um die wirtschaftlichen Belastungen durch den drohenden ungeordneten Brexit abzuwenden, könnte auch die Bank von England (BoE) demnächst ihre Geldschleusen öffnen.

Das ZEW-Institut begrüßte, dass der EZB-Rat "nicht jetzt bereits die Leitzinsen weiter gesenkt hat und zunächst eine Reflexionsphase abwartet". Dies wirke souverän und gelassen. "Ein Zinsschritt hätte die Sorge um Europas Konjunktur aufgrund der Signalfunktion möglicherweise sogar noch verschärft." Unbestreitbar aber werde die EZB ihre Politik der Null-und Negativzinsen, wahrscheinlich im Verbund mit neuen Anleihekäufen, noch auf Jahre hinaus weiterführen.

Der Bankenverband warnte derweil die EZB, "sich nicht übereilt selbst unter Druck zu setzen". Zwar sei es richtig, Handlungsmöglichkeiten zu prüfen. "Doch angesichts der bereits sehr expansiven Geldpolitik sprechen die Konjunkturdaten keinesfalls zwingend dafür, den Geldhahn - auf welche Weise auch immer - noch weiter aufzudrehen", sagte Hauptgeschäftsführer Christian Ossig.

An den Börsen griffen Anleger verstärkt bei Aktien zu. Die Aussicht auf eine lockerere Geldpolitik trieb einige Investoren zudem in Staatsanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf ein Rekordtief von minus 0,417 Prozent. Parallel dazu rutschte auch die Rendite der 50-jährigen Schweizer Bonds erstmals seit August 2016 in den negativen Bereich. Damit sind sämtliche Papiere der Alpenrepublik für Anleger ein Verlustgeschäft. Auch Gold - gemeinhin als Absicherung gegen Inflation gekauft - wird nachgefragt. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1433,46 Dollar je Feinunze.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

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