Wirtschaft

Zäsur in der Geldpolitik Fed senkt Zinsen erstmals seit Finanzkrise

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Fed-Chef Jerome Powell.

(Foto: imago images / UPI Photo)

Der Schritt kommt zwar nicht überraschend, dürfte aber für neuen Schwung an den Börsen sorgen: Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren schraubt die Notenbank in den USA den Zinssatz nach unten, zu dem sich die Banken Geld leihen können.

Die US-Notenbank hat ihren Leitzins erwartungsgemäß um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Der Zinssatz befindet sich damit in der Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent, wie die Federal Reserve (Fed) erklärte. Zudem werde die Bank die Drosselung ihres Anleihenprogramms im August beenden, zwei Monate früher als geplant.

Es gehe darum, "angemessen zu handeln", um den Aufschwung der US-Wirtschaft "zu erhalten", sagte Fed-Chef Jerome Powell. "Die von Handelsfragen bestimmte Unsicherheit war größer als erwartet", sagte Powell im Hinblick auf die von US-Präsidenten Donald Trump angezettelten Handelskonflikte. Die Zinsentscheidung sei in gewisser Weise eine Absicherung gegen globale Risiken, erklärte er. "Wir gucken uns die globale Wirtschaft genau an. Wir gucken uns auch den Handel genau an."

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Die Entscheidung der Notenbank dürfte der Börse und der US-Konjunktur neuen Schwung verleihen. Es ist die erste Zinssenkung der Fed seit Dezember 2008. Angesichts der Abkühlung der Weltwirtschaft und schwelender Handelskonflikte hatte sich der Schritt abgezeichnet. Im vergangenen Jahr hatte die Fed noch vier Mal die Zinsen angehoben.

Die Notenbank begründete ihre geldpolitische Lockerung mit "globalen Entwicklungen" und der verhaltenen Inflation. Zugleich ließ die Notenbank die Tür für weitere Zinssenkungen offen. Die nächste Zinssitzung der Fed findet im September statt.

Die damit von der Notenbank eingeleitete Zinswende markiert eine Zäsur in der Geldpolitik: Im Zuge der verheerenden globalen Finanzkrise 2008/2009 hatte die Notenbank die Zinsen aggressiv gesenkt, um die Wirtschaft zu stabilisieren. 2015 begann sie, den Leitzins wieder sukzessive zu erhöhen.

Zinssenkung soll US-Wirtschaft stärken

Zuletzt sorgte sich die Notenbank jedoch wegen der von US-Präsident Donald Trump vorangetriebenen Handelskonflikte und weltweit schlechteren Konjunkturaussichten um die US-Wirtschaft. Analysten zufolge will die Fed mit ihrem Schritt eine drohende Abschwächung der seit nunmehr zehn Jahren wachsenden US-Wirtschaft auffangen.

Der Leitzins, die sogenannte Federal Funds Rate, ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken über Nacht Geld leihen. Eine Senkung des Zinssatzes verbilligt Kredite, weswegen Firmen leichter investieren können und viele Bürger weniger für Schuldendienst ausgeben müssen und damit mehr Einkommen zur Verfügung haben.

"Politische Erwägungen spielen für uns nie eine Rolle"

Mit der Zinssenkung kam die unabhängige Notenbank auch ihrem prominentesten Kritiker - Präsident Trump - entgegen. Er äußert seit Monaten öffentlich harsche Kritik am Kurs der Notenbank und fordert niedrigere Zinsen. Er hatte die Fed etwa als "völlig ahnungslos" oder auch als "hartnäckigstes Problem" der US-Wirtschaft bezeichnet. Auf die Frage, ob Trumps Kritik bei der Entscheidung der Notenbank eine Rolle gespielt habe, sagte Powell: "Politische Erwägungen spielen für uns nie eine Rolle."

Noch am Dienstag hatte er die Notenbank angesichts der erwarteten leichten Senkung des Leitzinses zu einem größeren Einschnitt aufgefordert. Die US-Arbeitslosenquote lag im Juni bei nur 3,7 Prozent. Das Wachstum der Wirtschaft ist noch robust, verlangsamt sich aber. Die Inflation indes liegt unter dem Ziel der Notenbank von zwei Prozent. Einige Analysten hatten daher argumentiert, es brauche eine größere Zinssenkung um 0,5 Prozent, um Inflation und Wirtschaft anzuheizen.

Die Bilanzreduzierung war eigentlich erst ab Oktober geplant. Sie war notwendig geworden, weil die Fed nach der Finanzkrise Staatsanleihen und Hypothekenpapiere im Wert von mehreren Billionen Dollar erworben hatte. Der Abbau dieser Vermögenswerte wurde parallel zum seit Ende 2015 vollführten Zinsanhebungskurs vorgenommen. Die Entscheidung der Fed fiel nicht einstimmig. Zwei Notenbanker in dem neunköpfigen geldpolitischen Ausschuss FOMC stimmten gegen die Zinssenkung. Die Notenbanker Esther George und Eric Rosengren wollten den Leitzins lieber unverändert lassen.

Quelle: n-tv.de, hul/dpa

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