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Universeller Abschreckungsgeruch Für Nager stinken Räuber gleich

Für Ratten und Mäuse stinken Löwen, Luchse und andere gefährliche Räuber scheinbar gleich. Im Urin dieser Raubtiere findet sich ein identisches Molekül, das die Nager wahrnehmen und das bei ihnen eine Angstreaktion hervorruft.

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Katze oder Löwe? Für die Maus gilt nur eins: Das ist ein Feind.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nager reagieren auf ein Duftmolekül im Urin von feindlichen Räubern. David Ferrero von der Harvard Medical School in Boston und seine Mitarbeiter hatten das Molekül – genannt 2-Phenylehtylamin – zunächst aus dem Urin des Rotluchses isoliert. Sie prüften dann, ob es sich auch bei anderen Säugetieren nachweisen lässt. Insgesamt testeten sie 38 Arten, von Nagetieren und Hasentieren über Paar- und Unpaarhufer bis hin zu Raubtieren und Primaten. Vor allem bei den Raubtieren wiesen die Forscher hohe Konzentrationen des Duftmoleküls im Urin nach. Diese war im Schnitt 50 bis 500 Mal höher als bei den anderen untersuchten Säugetier-Ordnungen.

Nager meiden Duftecke

In Zellversuchen wiesen die Forscher dann nach, dass 2-Phenylethylamin vor allem von Rezeptoren erkannt wird, die sich in der Riechschleimhaut der Nagetiere befinden. Als nächstes testeten die Wissenschaftler die Reaktion von Nagetieren auf das Molekül: Sie versprühten es dafür in einer Ecke eines kleinen Geheges, in dem sich eine Ratte befand. Die Ratte mied diese Ecke daraufhin. Eine ähnliche Reaktion zeigte die Ratte, wenn die Forscher Löwen- oder Coyoten-Urin verteilten. Mäuse reagierten ganz ähnlich auf das Molekül, auch sie vermieden Bereiche, in denen sie den Duft wahrnahmen. Bei den Ratten stieg zudem der Anteil eines Stresshormons im Blut, sobald sie 2-Phenylehtylamin wahrnahmen, fanden die Forscher weiter.

Die Daten zeigten, dass es sich bei dem Molekül 2-Phenylehtylamin um ein sogenanntes Kairomon handelt, das von Raubtieren freigesetzt und von Nagetieren erkannt und gemieden wird, schreiben die Wissenschaftler. Kairomone sind Botenstoffe, die der Kommunikation zwischen verschiedenen Arten dienen. Allerdings nützt die Wahrnehmung des Botenstoffs nur dem Empfänger, in diesem Fall also den Nagetieren. Sie können an dem universellen "Abschreckungsgeruch" auch potenziell gefährliche Raubtiere erkennen, denen sie zuvor nie begegnet sind. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften nachzulesen.

Quelle: ntv.de, dpa