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Immer weniger Gesprächsthemen Männer werden desinteressierter

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Sie unterhalten sich über Sport, Autos, Computer und Musik. Das geht am besten von Mann zu Mann.

(Foto: picture alliance / dpa)

Umfragen zufolge galten die unter 30-jährigen Männer in Deutschland vor zehn Jahren als wissbegierig und aufgeschlossen. Heute können sie das nicht mehr von sich behaupten. Eine Studie zeigt, dass junge Männer bei immer weniger Themen mitreden können - und wollen.

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Das Interesse der Männer an Politik, Wirtschaft und Finanzen ist insgesamt rückläufig ...

(Foto: IfD-Allensbach)

Männer reden gern über Sport. Das ist nichts Neues. Und nebenbei können sie sich weit mehr als die meisten Frauen für die neuesten technischen Trends begeistern. Das war vor 15 Jahren schon so, und das ist heute nicht anders. Was sich aber in den letzten Jahren in Deutschland geändert hat, ist das Interesse der unter 30-jährigen Männer an Politik, Wirtschaft und Finanzfragen. Die männliche Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 29 Jahren interessiert sich für immer weniger Themen. Sport und Technik stehen weiterhin hoch im Kurs, auch Autos, Filme und Musik. Insgesamt jedoch wird ihr Interessenspektrum immer enger. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie "Typisch Frau, typisch Mann? Kommunikationsstile zwischen Klischee und Wirklichkeit", die das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag eines Kaffeeherstellers durchgeführt hat.

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... in der jungen Generation jedoch besonders ausgeprägt.

(Foto: IfD-Allensbach)

Renate Köcher, die die Studie als Geschäftsführerin des IfD in Berlin vorgestellt hat, nennt für diese Entwicklung insbesondere einen Grund: Junge Männer ließen sich mehr und mehr durch die neuen Medien von den Tageszeitungen wegziehen. Während man das Internet nutze, wenn man etwas Bestimmtes wissen wolle, ließe man sich beim Lesen von Tageszeitungen auf Themen ein, nach denen man nicht aktiv gesucht habe. So würde sich über Jahre hinweg ein Interesse an wirtschaftlichen und politischen Themen aufbauen. "Es ist wichtig, den Jugendlichen die Tageszeitung anzutrainieren", sagt Köcher. Hier sieht sie vor allem die Schulen in der Verantwortung.

Das Schweigen der Männer

Der Studie zufolge, die als dritter Berichtsband in der 2009 begonnenen Reihe "Gesprächskultur in Deutschland" veröffentlicht wird, vergeht jungen Männern auch zunehmend die Lust am Reden. Nur 21 Prozent der männlichen Befragten im Alter von 16 bis 29 Jahren stufen sich als "sehr kommunikativ" ein, bei den jungen Frauen sind es mit 47 Prozent mehr als doppelt so viele. Frauen interessieren sich nach wie vor besonders für Bücher – eine Vorliebe, die nicht so viele Männer teilen – und sie haben stabile, breitgefächerte Interessen.

Wie die Untersuchung belegt, gewinnen Frauen an Selbstbewusstsein. 53 Prozent der befragten Frauen meinen, sie können sich gut durchsetzen. Fast jede Dritte hat den Eindruck, Frauen können sich bei Diskussionen besser behaupten als Männer.

Frauen führen kaum anders

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Die Rollenbilder sind in den Köpfen noch sehr präsent, ...

(Foto: IfD-Allensbach)

Weitere interessante Ergebnisse liefert die Studie im Hinblick auf Führungspositionen: Weder Frauen noch Männer sind die besseren Chefs. Auch ihr Kommunikations- und Führungsstil unterscheidet sich kaum voneinander. Allerdings sind die über viele Jahre geprägten Rollenbilder in den Köpfen noch sehr präsent. In der Studie zeigt sich eine Mehrheit der Arbeitnehmer davon überzeugt, dass Frauen anders führen als Männer. "Im Widerspruch zur verbreiteten Überzeugung zeigen sich aber keine signifikanten Unterschiede im Führungsstil von Männern und Frauen, wenn man die persönlichen Erfahrungen der Berufstätigen untersucht", so Köcher. In ihrem Berufsalltag ist es heute annähernd 60 Prozent der Befragten gleichgültig, ob ihr Vorgesetzter Mann oder Frau ist. Da sind sich weibliche und männliche Berufstätige einig.

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...bestätigen sich in der Praxis aber kaum.

(Foto: IfD-Allensbach)

Werden überhaupt Unterschiede im Führungsstil ausgemacht, punkten Frauen als Vorgesetzte vor allem mit Empathie. Sie gelten als verständnisvoll, haben ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter und sparen nicht mit Lob und Anerkennung. Männlichen Chefs wird dagegen häufiger attestiert, Kritik sachlich und nicht persönlich zu äußern, sehr bestimmt aufzutreten und keinen Widerspruch zu dulden.

Für die Studie befragte das Institut für Demoskopie Allensbach Ende 2010 insgesamt 1852 Deutsche ab 16 Jahren.

Quelle: ntv.de, asc