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Retten oder Naschen? Ratten befreien ihre Gefährten

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Ratten in einem Tempel in Indien.

(Foto: Richard, pixelio)

Schokolade fressen oder lieber dem Gefährten helfen: Ratten können erstaunlich mitfühlend und selbstlos sein, wie eine Studie ergab. Die sozialen Tiere befreien zuerst einen Gefährten, bevor sie sich mit ihm Süßigkeiten teilen, die sie auch allein fressen könnten.

Ratten fühlen mit ihren gefangenen Freunden und helfen ihnen - sogar wenn sie selbst davon keinen Vorteil haben. Es sei die erste Beobachtung dieser Art bei Nagetieren, berichten US-Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Science".

Die Forscher von der Universität Chicago hielten Laborraten paarweise in Käfigen, so dass die Tiere sich aneinander gewöhnten. Anschließend sperrten sie eine der Ratten in einen durchsichtigen Behälter innerhalb eines größeren Test-Käfigs. Wie erwartet reagierte auch die andere Ratte mit Unruhe auf die Gefangenschaft ihres Gefährten. Nach einigen Versuchen jedoch lernten die freien Ratten, die Gefängnis-Tür zu öffnen. Sie halfen ihren Gefährten hinaus, öffneten jedoch nie die Tür für Stoffmäuse oder andere Gegenstände.

Empathie reicht wesentlich weiter

Das Verhalten ging weit über alle bisher beobachteten empathischen Verhaltensweisen bei Nagetieren hinaus, berichteten die Forscher. Die Ratten befreiten ihre Gefährten meist schnell und auch dann, wenn diese nicht in den gemeinsamen Käfig, sondern nach außen entlassen wurden. Es gab also keine Belohnung in Form eines sozialen Kontaktes.

Selbst wenn die Ratten die Wahl hatten, entweder ihren Gefährten zu befreien oder mit dem selben Trick einen Behälter mit Schokolade zu öffnen und diese allein zu vernaschen, wählten sie sehr oft die Befreiung. "Sie hätten zuerst die ganze Schokolade alleine fressen können. Stattdessen öffneten sie ebenso oft zuerst die Käfigtür und teilten sich die begehrten Süßigkeiten. Das sagt uns, dass die Befreiung ihres Gefährten für sie auf einer Stufe mit Schokolade stand", erläuterte Peggy Mason. "Das hat uns wirklich überrascht."

Die Ratten erkannten nicht nur die Notlage ihres Artgenossen. Sie behielten auch einen kühlen Kopf und handelten, um diese Situation zu beenden - und das, obwohl sie keinen direkten materiellen oder sozialen Vorteil davon hatten. Das zeigt nach Ansicht der Forscher, dass uneigennützige Hilfe tief in der Evolution verankert sein muss.

Quelle: ntv.de, dpa