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Der Himmel über Berlin weint Adieu, Bruno Ganz

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"Ganz andere Flügel werden mir wachsen als die gewohnten." Bruno Ganz als Damiel in "Der Himmel über Berlin".

(Foto: picture alliance / -/StudioCanal)

"Ich kann dich nicht sehen, aber ich weiß, du bist hier. Ich fühle es." Das sagt Peter "Columbo" Falk in "Der Himmel über Berlin" über den Engel Damiel, gespielt von Bruno Ganz, an der Imbissbude am Anhalter Bahnhof. Und daran sollten wir uns nun festhalten und versuchen, ihn weiterhin zu fühlen.

Ganz sicher ist er nun ein Engel - wie sollte es anders sein? Er, der so vielen Menschen Freude gebracht hat, bescheiden war und wirklich etwas konnte. Der sich mit Leidenschaft in seine Rollen vertiefte und dem Oberflächlichkeit fern war. Mit 77 ist er gestorben - die einen finden, das ist ein ganz ordentliches Alter. Aber nein, es ist viel zu früh. Natürlich ist es zu früh! Denn für einen wie Bruno Ganz hätte es noch jede Menge Rollen gegeben.

So richtig berühmt geworden ist er mit "Der Untergang", denn dieser Film hat seine Karriere international deutlich nach vorne gebracht. So richtig im Herzen bleibt er für viele aber sicher der Engel Damiel aus "Der Himmel über Berlin". Gibt es solche Dialoge noch, solche Filme? "Manchmal wird mir meine ewige Geistesexistenz zu viel. Ich möchte dann nicht mehr so ewig drüberschweben. Ich möchte ein Gewicht an mir spüren, das die Grenzenlosigkeit an mir aufhebt und mich erdfest macht." Schön, poetisch, warm, wahr. So überzeugend gab er den Engel, dass die Menschen sich, sobald er den Raum betrat, sicherer, besser fühlten. Nun ist es umgekehrt.

Im Jahr 1987, als Wim Wenders seinen Damiel durch das geteilte Berlin streifen ließ und er, für die Menschen unsichtbar, ihren Gedanken und ihren Gesprächen lauschte, trifft dieser eine Entscheidung: Er verlässt sein himmlisches Dasein für die Liebe und tauscht seine Unsterblichkeit gegen ein irdisches Leben ein. Plötzlich sieht er sich mit einer neuen Welt konfrontiert. An seiner Seite: ein weiterer Engel, Cassiel, dargestellt von dem bereits 2013 verstorbenen Otto Sander.

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So fand er sich selbst unheimlich: Bruno Ganz als Adolf Hitler im deutschen Kinofilm "Der Untergang".

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Nun tauscht Bruno Ganz dieses ganz und gar auf der Erde verhaftete, für einen Schauspieler durchaus bodenständig wirkende Leben, gegen einen Platz im Himmel ein. Diese Entscheidung hat jedoch nicht er selbst getroffen, sondern eine Krankheit. Der Darmkrebs zwang ihn bereits 2018, sein Engagement bei den Salzburger Festspielen abzusagen, nun ist er der Krankheit erlegen. Bereits 2017 fasste Ganz mit seinem mittlerweile liebenswert zerknautschten Gesicht, den eindringlichen Augen und der unverkennbaren Stimme zusammen, wie er sein Leben, zumindest sein Arbeitsleben, betrachtete: "Wenn man so eine Arbeit gefunden hat, dann ist das schon ein Geschenk", erzählte er der NZZ und ergänzte: "Ich habe die Zeit gut verbracht. " Bereut hat er, dass er dem Alkohol zu sehr zugeneigt war, mit 60 hörte er auf zu trinken.

Sein Werk besteht aus großen Rollen ("Der Untergang"), aus kleineren Rollen ("Brot und Tulpen") und aus Rollen, die er nicht gespielt hat ("Schindlers Liste"). Das alles machte ihn zu dem Schauspieler, der international so begehrt war, dass er sich aussuchen konnte, wann, wo und mit wem er spielte.

Wir können an dieser Stelle aufzählen, dass er von "Der amerikanische Freund" (Wim Wenders) bis zu seiner letzten Rolle - er war in Lars von Triers "The House That Jack Built" zu sehen - so ziemlich alles beherrschte. Auch das Theater, das lange vor der Filmkarriere schon seine Heimat war: die Rollen des Hamlet, Odysseus und Faust gehörten zu ihm wie die Regisseure Peter Stein, Peter Zadek oder auch Luc Bondy. Ganz, der Schweizer, der so lange den "deutschen Träumer" spielte, sagte einmal, dass er den Hitler in Oliver Hirschbiegels "Untergang" wohl kaum hätte spielen können, wenn er ein Deutscher gewesen wäre. Seine Fans, seine Kollegen verabschieden sich nun mit warmen Worten von einem großen Künstler, einem feinen Menschen, von einem, der es verstand, mit seinen Rollen und mit seiner Art zu berühren. Man bedankt sich vor allem für seine Leidenschaft und seine Authentizität.

Die Romantiker werden sagen, dass er nun an der Seite von Otto Sander ist und das ist garantiert auch so. Aber die, die hier noch auf der Erde verhaftet sind, die werden ihn schmerzlich vermissen. Von Typen wie Ganz und Sander gibt es nicht mehr all zu viele.

Quelle: n-tv.de

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