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"Alles Fotzen, Digger" Eko Fresh rappt gegen die AfD

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Nimmt kein Blatt vor den Mund: Eko Fresh.

(Foto: imago/Future Image)

Nach den Wahlerfolgen der AfD packt Eko Fresh die Rap-Keule gegen die Partei und ihre Unterstützer aus. Sein in a cappella gesungener Diss-Track verzeichnet binnen kürzester Zeit mehr als 1,5 Millionen Aufrufe. Doch ist das der richtige Weg?

Er wurde 1983 in Köln geboren, ist türkischer Abstammung und rappt seit seinem 15. Lebensjahr. Spätestens seit 2011, als er mit seinem Album "Ekrem" das erste Mal die deutschen Top Ten enterte, gehört Eko Fresh zu den prominentesten Gesichtern der Deutsch-Rap-Szene. Und wie es in dem Genre üblich ist, nimmt er in seinen Texten für gewöhnlich kein Blatt vor den Mund.

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Ganz besonders scheint den mit bürgerlichem Namen Ekrem Bora heißenden Musiker die aktuelle politische Situation umzutreiben. Bereits nach den sexuellen Übergriffen und Diebstählen in seiner Heimatstadt an Silvester machte er auf Youtube und in den sozialen Netzwerken mit einem Rap-Video seinem Unmut Luft.

In "Domplatten Massaker" nahm sich Eko Fresh die Täter zur Brust. "Wir sind grade Jungs und ziehen euch die Ohren lang, ihr Unehrenhaften, Hauptbahnhof-Fummler, zieht den Ruf von allen Ausländern runter, allein dafür müsstet ihr schon Schellen kriegen, abgeschoben werden und bis dahin in 'ner Zelle liegen", heißt es unter anderem in dem Anfang Februar veröffentlichten Song.

"Höcke ist der Möchtegern-Goebbels"

Die Wahlerfolge der AfD in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt beflügelten den Sänger nun, sich abermals mit einem eindeutigen Statement zu Wort zu melden. Der "AfD = Albtraum für Deutschland" überschriebene Track entstand dabei ganz offensichtlich wesentlich spontaner als Eko Freshs Kommentar zu den Ereignissen in Köln. Der Musiker rappt seine Zeilen a cappella zu Bildern, die ihn etwa beim Schreiben des Textes und in der Tonkabine zeigen.

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Und der Text ist überdeutlich. "AfD bedeutet: Alles Fotzen, Digger", geht es bereits los. "Du findest Waffeneinsatz an der Grenze ganz okay. Stell dir mal vor, du müsstest Schutz in anderen Ländern suchen gehen. Seid ihr in eurem Kopf etwa dumm oder leer, ist es so unglaublich schwer, sich vorzustellen, wie es umgekehrt wär. Und Björn Höcke ist der Möchtegern-Goebbels in Modern", heißt es unter anderem im weiteren Verlauf des Liedes.

Am Montag veröffentlicht, verzeichnete das Video auf der Facebook-Seite von Eko Fresh bis Mittwochvormittag nahezu 1,6 Millionen Aufrufe. Auch bei Youtube sahen den Clip knapp 100.000. Der "Bild"-Zeitung sagte der Musiker dazu: "Es war mein künstlerisches Empfinden, darum war es mir egal, wie oft das Video klickt. Desto mehr freue ich mich, dass der Song gut ankommt. Anscheinend habe ich vielen aus der Seele gesprochen." Zugleich übte er Kritik daran, dass sich zu wenige bekannte Personen öffentlich zur aktuellen politischen Situation äußern würden: "Ich finde außerdem, dass sich zu viele Promis aus der Affäre ziehen, weil sie Angst haben oder das als komische Grauzone sehen."

"Dann wundern, wenn's kracht"

Wie kaum anders zu erwarten, löste der Rapper mit seiner Aktion höchst unterschiedliche Reaktionen aus. Viele der mehr als 3.500 Kommentatoren bei Facebook äußerten sich zustimmend. "Hammer geil, Eko. Danke für die wahren Worte. Hoffentlich kommt die Botschaft und der Weckruf auch bei allen an", schrieb einer zum Beispiel. Und ein anderer erklärte: "Normalerweise hör ich weder Hip Hop noch Rap. Ist nicht meine Musik. Aber das Video ist einfach großartig! Meinen vollsten Respekt!"

Doch genauso gab es natürlich auch jede Menge Kommentare, die sich mehr oder minder qualifiziert kritisch mit den Aussagen des Rappers auseinandersetzten. "Jetzt müssen wir Deutsche uns im eigenen Land von Türken schon sagen lassen, wo es lang geht ... Und dann wundern, wenn's kracht", meinte ein Facebook-Nutzer. "Diesen Eko Fresh merken wir uns. Wenn es so weit ist, werde ich persönlich diesen Typen verhaften und zur Ausweisung bringen", schrieb ein weiterer. Und ein dritter User kommentierte: "So ein Bullshit, Deutsch-Türke, wenn ich so was schon höre. Entweder ist man Deutscher oder Türke." Seine Schlussfolgerung: "Auch wegen so einer Musik wird die AfD gewählt."

Tatsächlich darf bezweifelt werden, dass Beschimpfungen der AfD und ihrer Wähler wie in Eko Freshs Diss-Track der richtige Weg sind, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Viele der aktuellen AfD-Anhänger werden sich dadurch in ihrer Haltung womöglich eher bestätigt fühlen. Andererseits gab es auch in der Vergangenheit schon Beispiele, in denen Musiker mit einem klaren Statement das politische Klima eher positiv als negativ beeinflussten - 1994 etwa, als Die Ärzte mit "Schrei nach Liebe" gegen rassistische und rechtsradikale Umtriebe Stellung bezogen. Zumindest auf nachwachsende Generationen haben manche Bands und Sänger vermutlich einen größeren Einfluss als jedweder Politiker.

Quelle: n-tv.de, vpr

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