Unterhaltung

Wind- und Sandkunst für "Dune" Gerd Nefzer holt sich Oscar für Spezialeffekte

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Nefzer wurde bereits 2018 mit seiner Arbeit an "Blade Runner 2049", auch unter der Regie von Denis Villeneuve, mit dem Oscar für Visuelle Effekte ausgezeichnet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Für den Science-Fiction-Film "Dune" hat Nefzer Palmen brennen und Fluggeräte in Dünen crashen lassen. Die US-Filmakademie verleiht ihm für diese Effekte den Academy Award. Der gebürtige Schwabe konnte sich bereits 2018 eine Auszeichnung sichern.

Der Deutsche Gerd Nefzer gewinnt den Oscar in der Kategorie Visuelle Effekte für den Science-Fiction-Film "Dune" von Regisseur Denis Villeneuve. Das gab die US-Filmakademie in Los Angeles bekannt. Nefzer wurde bereits 2018 mit seiner Arbeit an "Blade Runner 2049", auch unter der Regie von Denis Villeneuve, mit dem Oscar für Visuelle Effekte ausgezeichnet. Auch der Filmkomponist Hans Zimmer, der in den USA lebt, aber deutsche Wurzeln hat, gewinnt dieses Jahr einen Oscar für die Musik zu "Dune".

Nefzer strahlte mit dem Oscar in der Hand Backstage, hinter den Kulissen, vor der internationalen Presse. Mit dem roten Sieger-Umschlag fächerte er sich frische Luft zu. Was wollte er auf der Bühne in seiner Dankesrede sagen, als ihm die Musik ins Wort fiel? Er hätte natürlich gerne einige Worte in Deutsch an seine geliebte Heimat gerichtet, sagte er auf Englisch - und fügte grinsend hinzu: "Das ist wunderbar".

Er wollte sich auch unbedingt bei dem "unglaublichen" Regisseur Denis Villeneuve bedanken. "Er ist ein großartiger Kerl und ich liebe ihn sehr", sagte er weiter auf Englisch. Natürlich wollte er auch seiner Frau Regina, seinen beiden Kindern, seiner Mutter und seinem Schwiegervater danken, der ihn vor 35 Jahren in dessen Effekte-Firma hineingeholt habe. Dann zählte er stolz die Namen seiner "fantastischen" Mitarbeiter auf. Den Oscar-Gewinn wollte er jetzt auf einigen Partys in Hollywood feiern. "Die Nacht ist lang", grinste Nefzer - aber sie müssten morgen schon wieder nach Deutschland zurückfliegen.

Nefzer kurz vor Verleihung an Corona erkrankt

Mitte März hatte Nefzer, der aus Schwäbisch Hall stammt, bereits in der Londoner Royal Albert Hall seinen Bafta-Sieg gefeiert. "Dune" gewann dort fünf der britischen Filmpreise, darunter auch für Nefzer und seine Hollywood-Kollegen in der Sparte "Visuelle Effekte".

Doch noch etwas brachte er mit zurück. "Wir sind vorige Woche positiv auf Corona getestet worden", sagte er am Mittwoch. Eigentlich wollten Nefzer und seine Frau da schon für die Oscars in Los Angeles sein. "Das ist halt der dümmste Zeitpunkt, den man sich aussuchen konnte", sagte der 56-Jährige. Sie hätten nur leichte Beschwerden, aber ohne negativen Test darf das Ehepaar die Reise nach Hollywood nicht antreten.

Nach einem negativen Test am Freitag konnte er am Samstag noch schnell von Deutschland nach Los Angeles fliegen, teilte Nefzer nach seiner Ankunft in Kalifornien mit. Er habe eigentlich nicht mehr daran geglaubt, dass es noch klappen würde. Die Filmakademie hat für Nominierte und Gäste der Show strikte Corona-Auflagen.

400 Tonnen schweren Kran in die Wüste geschafft

Bei seiner ersten Oscar-Verleihung sei alles so neu und aufregend gewesen, jetzt wäre er "ein klein bisschen lockerer" und könnte die Oscar-Gala entspannter angehen, so Nefzer. War er bei "Blade Runner 2049" für Nebel, Regen und Schnee zuständig, so war er bei "Dune" der Experte für Sandstürme, Staub und Wind. Das bildgewaltige Science-Fiction-Epos spielt auf dem Wüstenplaneten Arrakis, auf dem gute und böse Mächte um die wertvolle Substanz Spice kämpfen. Gedreht wurde in der Wüste in Jordanien und in Studios in Budapest.

Nefzer erzählte begeistert von "ziemlich aufwendigen" Spezialeffekten, die er mit einer Crew von über 50 Leuten, nicht am Computer, sondern real am Drehort mit kniffliger Handarbeit bewerkstelligen musste. Sie hätten in der Wüste eigens eine Straße gebaut, um einen 400 Tonnen schweren Kran dorthin zu schaffen. Daran wurde etwa ein Ornithopter, ein libellenartiges Fluggerät, aufgehängt und mit Wind und Staub beschossen. Für eine Szene mit riesigen brennenden Palmen tüftelten sie wochenlang mit aus dünnem Stahlblech gelaserten Palmenwedeln, die in Brand gesteckt wurden. Für eine Studioszene, in der ein Fluggerät in eine Düne crasht, experimentierte Nefzer mit großen Mengen von Dinkelspelzen, also den Hüllen von Getreidekörnern. Auch ein Traktor kam zum Einsatz, um das Gerät durch den "Sand" zu ziehen.

Quelle: ntv.de, lve/dpa

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