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Trinker, Cowboys, Sonderlinge Im Weißen Haus regierten seltsame Menschen

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Richard Nixon trat nach einem Amtsenthebungsverfahren zurück.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten und gilt vielen als recht sonderbar. Unter seinen 44 Vorgängern gibt es jedoch so manchen Sonderling, auch heftige Trinker und Jähzornige, sogar Mörder.

Wenn man den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ansieht, könnte man zu dem Urteil kommen: Einen solch sonderbaren Mann wie Donald Trump hat es noch nie an der Spitze der USA gegeben. Diese Annahme liegt allerdings daran, dass die meisten dieser Männer schon recht lange tot sind. Nicht alle sind unbedingt wegen ihrer politischen Verdienste in die Geschichte eingegangen. Dafür konnte mancher durch absonderliches Verhalten punkten, wie Ronald D. Gerste in seinem unterhaltsamen Lesebuch "Trinker, Cowboys, Sonderlinge - Die 12 seltsamsten Präsidenten der USA" zeigt.

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Trinker, Cowboys, Sonderlinge: Die 12 seltsamsten Präsidenten der USA
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Seinen Streifzug beginnt Gerste mit dem 7. Präsidenten der USA, Andrew Jackson, den er den Unbeherrschten nennt. Der Sohn irischer Einwanderer erlebt nach dem Tod des Vaters eine Kindheit unter ärmlichen Verhältnissen. Jackson vereint in sich so einige Persönlichkeitsmerkmale, die viele Männer im höchsten Amt der USA über Jahrhunderte auszeichnen werden: den Beruf des Anwalts, Kriegserfahrungen, in denen sie einen gewissen Ruf erlangen und nicht zuletzt den Willen zur Macht.

Als junger Mann tötet er einen Nebenbuhler in einem Duell. Die Frau, um die es dabei geht, heiratet er, obwohl sie bereits verheiratet ist. Diese privaten Verwicklungen werden später im Präsidentschaftswahlkampf gegen ihn verwendet, allerdings erfolglos. In die Geschichte geht Jackson als der erste US-Präsident ein, auf den ein Attentat verübt wurde, das er übrigens überlebte. Und als derjenige, der die Ureinwohner zunächst militärisch und später administrativ von ihrem angestammten Land vertrieb.

Ein Teddy für ein Land

Theodore Roosevelt ist vielen als der US-Präsident bekannt, dem der Teddybär seinen Namen verdankt. Gerste nennt ihn Haudegen und Bücherwurm, weil Roosevelt Zeit seines Lebens wie besessen liest und für sein etwas unbeherrschtes Gemüt bekannt ist. Nach einer finanziell sorgenfreien Kindheit voller Liebe und Fürsorge erlebt der junge Roosevelt eine persönliche Tragödie.

Im Abstand weniger Tage sterben unmittelbar nach der Geburt seines ersten Kindes seine Mutter und seine Frau. Daraufhin zieht er sich für einige Zeit an den Rand der Zivilisation zurück, um zu trauern. Wirtschaftlich ist diese Zeit als Rinderzüchter kein Erfolg, therapeutisch aber auf jeden Fall. Roosevelt heiratet später seine Kindheitsfreundin Edith und bekommt mit ihr fünf weitere Kinder.

Mit Edith und seiner jungen Familie zieht er schließlich ins Weiße Haus ein. Schon damals ist die US-amerikanische Öffentlichkeit fasziniert vom Privatleben ihrer Präsidenten. Berichte über Streiche der Roosevelt-Kinder, ihre Vergnügungen und Krankheiten garantieren hohe Zeitungsauflagen. Von seiner Amtszeit bleiben kluge Friedensverhandlungen - er vermittelt 1905 zwischen Russland und Japan und bekommt dafür den Friedensnobelpreis - eine kühne Industriepolitik und die Grundlagen für das System der US-amerikanischen Nationalparks.

Urteile ändern sich

Beim 37. Präsidenten der USA, Richard Nixon, geht es nicht nur um den erzwungenen Rücktritt nach der Watergate-Affäre. Gerste versucht vielmehr, Nixons Präsidentschaft etwas mehr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Immerhin arbeitet sich Nixon, ganz anders als die meisten seiner Amtsvorgänger und -nachfolger, mit Fleiß und Gerissenheit aus einfachen Verhältnissen in das Amt.

Nixon beendete den Vietnamkrieg endgültig und verschaffte den US-Amerikanern mit der Mondlandung 1969 eine Sternstunde der Nation. "Nixon hat das Gesetz gebrochen, aber niemand hat sich bei ihm gefragt, ob er wohl mit einem feindseligen Land zusammengearbeitet hat", schrieb die Tochter von Ronald Reagan, Patti Davis in der "Washington Post" im unmittelbaren Vergleich zum derzeitigen Amtsinhaber. 

Vielleicht sind diese 12 US-Präsidenten nicht nach allen Kriterien die seltsamsten US-Präsidenten, schon gar nicht für alle Zeit. Aber wer sich für Politik und Geschichte interessiert, findet auf den 286 Seiten garantiert neue Einsichten. Oder wie Gerste es selbst zusammenfasst: "Kein Urteil über einen Staatsmann der Vergangenheit ist in Stein gemeißelt; die Interpretation seiner Leistungen wie seiner Missetaten kann sich mit den wandelnden Wertvorstellungen kommender Generationen ändern." Als Beispiel nennt der Autor Harry Truman. Der 33. Präsident der USA scheidet im Januar 1953 aus dem Amt, unpopulär und kaum wertgeschätzt. Heute gilt er in Umfragen als einer der beliebtesten und bedeutendsten Präsidenten.

Quelle: ntv.de